Detailansicht
Begutachtung, Bewertung, Bedingung
eine kritische Diskursanalyse trans-bezogener Behandlungsempfehlungen in Österreich
Carolin Bedus
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Psychologie
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Psychologie
Betreuer*in
Thomas Slunecko
DOI
10.25365/thesis.78999
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-18245.49618.312844-2
Link zu u:search
(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Trans Personen in Österreich benötigen psychologische, psychiatrische und psychotherapeutische Stellungnahmen, um geschlechtsaffirmierende Gesundheitsversorgung oder eine Personenstandsänderung in Anspruch nehmen zu können. Diese verpflichtenden Kontaktpunkte mit Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen und Psychiater*innen (zusammengefasst als Psy*) sind für viele trans Personen von stark eingeschränkter Handlungsfreiheit, Abhängigkeit, Grenzüberschreitungen und Machtmissbrauch geprägt – mit psychischen Folgen wie Angst, Stress oder Depression (Maier, 2024). Ein zentrales Dokument, welches das Verhältnis zwischen trans Personen und Psy* strukturiert, sind die „Empfehlungen für den Behandlungsprozess bei Geschlechtsdysphorie bzw. Transsexualismus nach der Klassifikation in der derzeit gültigen DSM bzw. ICD-Fassung“ des österreichischen Gesundheitsministeriums. Aufgrund ihrer normsetzenden Wirkung für die Praxis wird dieses Dokument in der vorliegenden Arbeit mittels Kritischer Diskursanalyse nach Jäger und unter Rückgriff auf Foucaults diskurstheoretische Überlegungen untersucht. Die Analyse zeigt, dass die Empfehlungen ein strukturell asymmetrisches Verhältnis etablieren: Trans Personen erscheinen als Subjekte, deren Identität geprüft und beurteilt werden soll, während Psy* die Rolle zugewiesen wird, diese Identität zu beobachten, zu bewerten und in Stellungnahmen zu dokumentieren. Dadurch entsteht eine funktionale Rollenteilung in bewertende und zu bewertende Personen, die das Verhältnis zwischen beiden Seiten prägt. Im Zentrum der Empfehlungen stehen nicht Maßnahmen zur Unterstützung oder Begleitung, sondern Verfahren zur Prüfung und Dokumentation spezifischer Kriterien für medizinische Unterstützung oder rechtliche Anerkennung. Sichtbarkeit, Kontrolle, Normierung und Prüfung strukturieren den Diskurs. Die Anforderungen an trans Personen sind detailliert ausgeführt, die Rolle der prüfenden Instanzen bleibt hingegen unhinterfragt. Ein Vergleich mit internationalen Leitlinien zeigt, dass alternative Ansätze existieren, die transparenter gestaltet sind, die Selbstbestimmung von trans Personen betonen und Fachkräften eine primär beratende Funktion zuschreiben, während Entscheidungen zu geschlechtsaffirmierenden Maßnahmen ausdrücklich bei den trans Personen liegen – eine Orientierung, die auch für eine mögliche Weiterentwicklung der österreichischen Empfehlungen in Betracht gezogen werden kann.
Abstract
(Englisch)
Trans people in Austria are required to obtain psychological, psychiatric and psychotherapeutic assessments in order to access gender-affirming healthcare or legal recognition. These mandatory interactions with psychologists, psychotherapists, and psychiatrists (summarized as Psy*) are often marked by limited autonomy, dependency, boundary violations and abuse of power – leading to psychological consequences such as anxiety, stress, or depression (Maier, 2024). A central document that structures the relationship between trans people and Psy* are the “Empfehlungen für den Behandlungsprozess bei Geschlechtsdysphorie bzw. Transsexualismus nach der Klassifikation in der derzeit gültigen DSM bzw. ICD-Fassung,” issued by the Austrian Ministry of Health. Due to its normative influence on clinical practice, this document is analyzed in the present work using Critical Discourse Analysis following Jäger, drawing on Foucault’s conceptualization of discourse. The analysis reveals that the recommendations establish a structurally asymmetrical relationship: trans individuals are positioned as subjects whose identity is to be assessed and judged, while Psy* are assigned the role of observing, evaluating, and documenting that identity. This creates a functional division into evaluating and evaluated parties, shaping the dynamics between them. The document centers not on support or guidance but on procedures for verifying specific criteria required for access to health care or legal recognition. Visibility, control, normalization, and assessment structure the discourse. While detailed requirements are outlined for trans people, the role of the assessing professionals remains unquestioned. A comparison with international guidelines demonstrates that alternative models exist that emphasize transparency, affirm trans autonomy, and frame the role of professionals primarily as advisory – a perspective that may also inform future development of the Austrian recommendations.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Trans Transgeschlechtlichkeit Trans in Österreich Transgeschlechtlichkeit in Österreich Disziplinarmacht Kritische Diskursanalyse Diskursanalyse Behandlungsempfehlungen Macht-Wissens-Komplex
Schlagwörter
(Englisch)
transgender trans in Austria transgender in Austria disciplinary power discourse analysis power-knowledge complex treatment guidelines clinical guidelines
Autor*innen
Carolin Bedus
Haupttitel (Deutsch)
Begutachtung, Bewertung, Bedingung
Hauptuntertitel (Deutsch)
eine kritische Diskursanalyse trans-bezogener Behandlungsempfehlungen in Österreich
Paralleltitel (Englisch)
Assessment, evaluation, prerequesite
Paralleluntertitel (Englisch)
a critical discourse analysis of trans-related treatment guidelines in Austria
Publikationsjahr
2025
Umfangsangabe
154 Seiten
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Thomas Slunecko
AC Nummer
AC17607417
Utheses ID
76951
Studienkennzahl
UA | 066 | 840 | |
