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Ein Schritt in Richtung fairer Wertschöpfungsketten?
Chancen und Herausforderungen des deutschen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes (LkSG) am Beispiel der globalen Automobilindustrie
Osamah Khawaja
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Internationale Entwicklung
Betreuer*in
Etienne Schneider
DOI
10.25365/thesis.79532
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-28117.71640.256482-1
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Diese Masterarbeit untersucht die Chancen und Schwachstellen/Herausforderungen des deutschen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) mit besonderem Fokus auf die deutsche Automobilindustrie. Im Zentrum der Analyse steht die Erkenntnis, dass das LkSG und seine Auswirkungen stets im Kontext bestehender Machtungleichgewichte innerhalb globaler Lieferketten verstanden werden müssen. Sowohl der theoretische Rahmen als auch die durchgeführten qualitativen Interviews beleuchten eingehend, wie asymmetrische Machtverhältnisse zwischen Unternehmen entlang der Wertschöpfungsketten die tatsächliche Umsetzung von menschenrechtlichen und ökologischen Sorgfaltspflichten beeinflussen. Das LkSG stellt einen bedeutenden Paradigmenwechsel dar: Erstmal werden deutsche Unternehmen verpflichtet, menschrechtliche und umweltbezogene Risiken systematisch zu identifizieren, zu analysieren und zu bewerten sowie geeignete Maßnahmen zu ihrer Prävention und Abhilfe zu leisten. Besonders in der hochkomplexen und intransparenten Automobillieferkette schafft das Gesetz verbindliche Standards, wo bisher freiwillige Maßnahmen an mangelnder Durchsetzungskraft scheiterten. Die Einführung von Risikoanalysen und Beschwerdemechanismen ist ein bedeutender Fortschritt, um strukturelle Menschenrechtsverletzungen sichtbar zu machen und betroffenen ArbeiterInnen einen stärkeren Schutz zu bieten. Dennoch zeigt diese Forschungsarbeit auch erhebliche Herausforderungen bzw. Schwachstellen des LkSG auf: Die eingeschränkte Geltung der Sorgfaltspflicht für mittelbare Zulieferer, das Fehlen einer gesetzlichen Haftung bei Verstößen und die hohe bürokratische Belastung schränken die transformative Kraft des Gesetzes deutlich ein. Zudem ist die Wirksamkeit des LkSG maßgeblich von der intrinsischen Motivation der Unternehmen bestimmt. Ohne ein wirkliches unternehmerisches Engagement und eine Bewusstseinsschaffung der Relevanz des Gesetzes in der Gesellschaft, droht das Gesetz auf rein formale Umsetzung reduziert zu werden. Aktuelle politische Entwicklungen, die auf eine Abschwächung des LkSG hindeuten, könnten die bereits erreichten Fortschritte in der Achtung von Arbeits- und Menschenrechten abbremsen. Die branchenspezifische Analyse zeigt auf, dass Original Equipment Manufactures (OEMs) als zentrale Akteure in sogenannten produzentengetriebenen Wertschöpfungsketten („producer-driven commodity chains“) eine dominante Marktmacht besitzen. Diese Machtposition führt häufig zu starkem Preisdruck auf nachgelagerte Zuliefererstufen, was in vielen Fällen zu menschenrechtlichen Verstößen beiträgt. Ohne eine Stärkung der Position wirtschaftlich schwächerer Akteur:innen innerhalb der Lieferkette werden auch zukünftig viele notwendige Verbesserungen ausbleiben. Trotz bestehender Herausforderungen markiert das LkSG einen wichtigen Schritt zu verbindlicheren Sorgfaltspflichten und ebnet den Weg für künftige europäische Regelungen. Seine Wirksamkeit hängt jedoch von konsequenter Umsetzung, verbesserten Kontrollmechanismen und echtem unternehmerischen Engagement sowie die Zusammenarbeit von Initiativen und Branchendialogen im Bereich der globalen Lieferketten ab. Die Forschungsarbeit zeigt auf, dass rein gesetzliche Vorgaben nicht ausreichen, sondern ein stärkeres Bewusstsein für soziale und ökologische Belange sowie eine tiefgreifende Transformation globaler Wirtschaftsstrukturen erforderlich sind. Darüber hinaus müssen auch die strukturellen Herausforderungen und institutionellen Schwächen im Globalen Süden vor Ort adressiert werden, um nachhaltige Entwicklung entlang globaler Wertschöpfungsketten zu ermöglichen.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz LkSG Globale Lieferketten Globale Automobilindustrie Menschenrechte
Schlagwörter
(Englisch)
Globale Value Chains German Supply Chain Act Human Rights
Autor*innen
Osamah Khawaja
Haupttitel (Deutsch)
Ein Schritt in Richtung fairer Wertschöpfungsketten?
Hauptuntertitel (Deutsch)
Chancen und Herausforderungen des deutschen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes (LkSG) am Beispiel der globalen Automobilindustrie
Paralleltitel (Englisch)
A step towards fair value chains?
Paralleluntertitel (Englisch)
opportunities and challenges of the German supply chain due diligence act using the example of the global automotive industry
Publikationsjahr
2025
Umfangsangabe
107 Seiten : Illustrationen
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Etienne Schneider
AC Nummer
AC17690557
Utheses ID
77461
Studienkennzahl
UA | 066 | 589 | |
