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Mobilität auf Knopfdruck?
zur rechtlichen Einordnung des Employer of Record-Modells anhand von Praxisbeispielen
Sophie Asamer
Art der Arbeit
Master-Thesis (ULG)
Universität
Universität Wien
Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
außerordentliches Masterstudium Arbeitsrecht
Betreuer*in
Diana Niksova
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.79350
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29746.83492.410191-3
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die fortschreitende Digitalisierung der Arbeitswelt ermöglicht es Arbeitnehmer:innen zunehmend, Arbeitsleistungen virtuell und grenzüberschreitend zu erbringen, ohne dabei physisch den Arbeitsort zu wechseln. In diesem Kontext haben sich Employer of Record (EoR) Konzepte als innovative Beschäftigungsmodelle etabliert, die es Unternehmen erlauben, Personal in Ländern zu beschäftigen, ohne dabei selbst im jeweiligen Land eine Betriebsstätte begründen zu müssen. Das EoR-Modell ist eine vertragliche Dreieckskonstellation, bei der der EoR die Rolle des formalen Arbeitgebers übernimmt und die Arbeitsleistung in Folge über einen Dienstleistungsvertrag an das auftraggebende Unternehmen (den Leistungsempfänger) weiterverkauft. Diese Masterarbeit analysiert die arbeitsrechtlichen Herausforderungen des EoR-Modells innerhalb der EU/EWR-Mitgliedsstaaten. Der Fokus liegt dabei auf der Anwendung des Kollisionsrechts nach der Rom I-Verordnung, der Einordnung nach dem österreichischen Arbeitskräfteüberlassungsgesetzes (AÜG), sowie der Relevanz der Entsenderichtlinie. Besonderes Augenmerk wird der Problematik der rechtlichen Zuordnung virtuell grenzüberschreitender Arbeitsleistung eingeräumt, da die bestehenden Rechtsvorschriften sich derzeit noch weitgehend am traditionellen, physischen Ortswechsel orientieren. Die Untersuchung zeigt, dass die Bestimmungen des anwendbaren Arbeitsrechts auf EoR-Vertragskonstellationen nach der Rom I-Verordnung grundsätzlich zur Anwendung des Rechts am gewöhnlichen physischen Arbeitsort führen, wobei virtuelle grenzüberschreidende Arbeitsleistungen Diskussionen und neue Interpretationsfragen in der Literatur aufwerfen. Ferner ist die dogmatische Einordnung von EoR-Vertragsverhältnissen als Arbeitskräfteüberlassung im Sinne des AÜG zwar eindeutig, jedoch entstehen bei rein virtuellen Überlassungen aus dem österreichischen Ausland praktische Schwierigkeiten bei der Anwendung aufgrund des fehlenden Inlandsbezugs. Diese Sichtweise wird in der neueren Rechtsprechung in Bezug auf Überlassungen von Österreich ins EU/EWR-Ausland aufgeweicht, was sich auch auf zukünftige Entscheidungen auswirken könnte. Die Entsenderichtlinie erweist sich aufgrund ihres Fokuspunkts auf physische Grenzüberschreitung der Arbeitnehmer:innen als weitgehend ungeeignet für die Regulierung von EoR-Verhältnissen, kann jedoch bei Entsendungen von EoR-Arbeitnehmer:innen zur Anwendung gelangen. Anhand von zwei Fallbeispielen wird die praktische Anwendung der Rechtsnormen auf grenzüberschreitende Sachverhalte demonstriert und die bestehende Rechtsunsicherheit verdeutlicht. Die Analyse beleuchtet die Diskrepanz zwischen digitalisierter Arbeitsrealität und traditionell auf physische Mobilität ausgerichtete Rechtsrahmen. Die bestehende Situation kann bei virtuellen Überlassungen zusätzlich zu Wettbewerbsverzerrungen und/oder faktischen Umgehungen arbeitsmarktpolitischer Kontrollinstrumente führen. Die wachsende Bedeutung des EoR-Modells erfordert eine Balance zwischen der Förderung flexibler Arbeitsformen und dem Schutz der Arbeitnehmer:innen. Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass das bestehende arbeitsrechtliche System der veränderten Arbeitswelt nur unzureichend Rechnung trägt und eine Anpassung an die neuen Erfordernisse virtuell grenzüberschreitenden Arbeitens notwendig erscheint, sowohl um Rechtssicherheit zu schaffen, als auch um missbräuchliche Umgehungen von Schutzvorschriften einzudämmen.
Abstract
(Englisch)
The recent progress in digitalization in work environments increasingly enables employees to provide services virtually and across borders without physically changing their place of work. In this context, Employer of Record (EoR) concepts have emerged as innovative employment models that allow companies to contract personnel abroad, without the need of establishing local legal entities themselves. The EoR model constitutes a triangular contractual arrangement in which the EoR assumes the role of the formal employer, and subsequently concludes a service contract with the commissioning company (the service recipient) to grant control over an employee’s work performance. This master thesis analyzes the employment law challenges of the EoR model within EU/EEA member states. The focus lies on the application of conflict of laws regulations under the Rome I Regulation, the classification under the Austrian Act on the Provision of Workers (Arbeitskräfteüberlassungsgesetz, AÜG), as well as on the relevance of the EU Posted Workers Directive. Particular attention is devoted to the problem of legal classification of virtual cross-border labor, since existing legal provisions are currently still largely based on traditional, physical changes of location. In the course of the analysis, it is demonstrated that the determination of applicable labor law for EoR contracts under the Rome I Regulation generally determines the national law at the physical place of work (and residence). Virtual cross-border labor raises discussions and new questions in literature as to the interpretation of the Regulation. Further, while the dogmatic classification of EoR contractual relationships as provision of workers within the scope of the Austrian AÜG is fairly unambiguous. Nevertheless, the application of the legal framework to purely virtual labor from abroad is hindered by the lack of domestic connection to Austrian territory. This perspective on a necessary physical connection has been relaxed in recent case law regarding virtual provision of workers from Austria into countries outside the EU/EEA, which may also influence future decisions. The Posted Workers Directive proves largely unsuitable for regulating EoR relationships due to its focus on physical cross-border movement of employees. However, it may apply to cases in which EoR employees are posted abroad. The practical application of legal norms to cross-border situations, as well as the legal uncertainty connected with virtual labor, will further be explained on the basis of two case studies. The analysis strives to illuminate the discrepancy between the reality of digital work environments on the one hand, and legal frameworks oriented toward traditional physical mobility on the other. The current situation may lead to competitive distortions or circumvention of labor market policy control instruments when virtual cross-border labor is involved. The growing significance of the EoR model requires a balance between promoting flexible forms of work and adequate employee protection mechanisms. The Thesis concludes that the existing legal system in employment law does not sufficiently factor in the changes in work environments and may require adaptations – both to create legal certainty and to contain abusive circumvention of protective provisions.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Employer of Record Arbeitskräfteüberlassung Rom I-Verordnung Arbeitskräfteüberlassungsgesetz AÜG Entsende-Richtlinie grenzüberschreitende Arbeitsleistung virtuelle Arbeitsleistung Payrolling neue Anstellungsformen
Schlagwörter
(Englisch)
Employer of Record virtual work cross-border work new forms of employment
Autor*innen
Sophie Asamer
Haupttitel (Deutsch)
Mobilität auf Knopfdruck?
Hauptuntertitel (Deutsch)
zur rechtlichen Einordnung des Employer of Record-Modells anhand von Praxisbeispielen
Paralleltitel (Englisch)
Mobility at your fingertips?
Paralleluntertitel (Englisch)
legal classification of the employer of record model based on practical examples
Publikationsjahr
2025
Umfangsangabe
57 Seiten : Illustrationen
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Diana Niksova
Klassifikation
86 Recht > 86.74 Arbeitsrecht. Allgemeines
AC Nummer
AC17647845
Utheses ID
77499
Studienkennzahl
UA | 999 | 101 | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1