Detailansicht
Generationen im Gespräch
eine Gesprächsanalyse bei kurdischen Familien in Diyarbakır, Istanbul und Wien
Reva Akkuş
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Doktoratsstudium der Philosophie Sprachwissenschaft
Betreuer*innen
Eva Vetter ,
Helmut Gruber
DOI
10.25365/thesis.80568
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-10782.88393.420259-5
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
In der vorliegenden gesprächsanalytischen Untersuchung geht es um die Frage, wie die aus Linguizismus resultierenden emotionalen Belastungen, mit der die Kurdinnen und Kurden über Generationen hinweg konfrontiert sind, zum Ausdruck kommen. Um diesen Fragen nachgehen zu können wurden Interviews mit Vertreter:innen von drei Generationen aus drei kurdischen Familien geführt. Die Auswahl der Kurdinnen und Kurden mit Türkei Bezug begründet sich damit, dass ihre Sprache in besonderem Maße in der Türkei vom Linguizismus betroffen ist, historisch und bis in die Gegenwart hinein durch staatliche Sprachenpolitik marginalisiert und unterdrückt wird, in der die nationalistische Vorstellung auf der ethnischen Identität, gemeinsamen Geschichte, Kultur und türkischen Sprache basiert. Die Kurdinnen und Kurden machen vor allem durch ihre eigene Sprache deutlich, dass die Bevölkerung der Türkei nicht homogen ist. Die ethnische Zugehörigkeit der Gesprächspartner:innen als Kurdinnen und Kurden und die Stadt Diyarbakır, die als ihre Hauptstadt angesehen wird, spielen eine zentrale Rolle. Da sozio-politische Strukturen eine zentrale Rolle in der Nutzung und Vermittlung von Sprache spielen, wurden für diese Untersuchung verschiedene Städte ausgewählt. Diese Städte weisen unterschiedliche Verhältnisse in Bezug auf den kurdischen Bevölkerungsanteil auf. Während Diyarbakır überwiegend von Kurdinnen und Kurden bevölkert ist und die ethnische und sprachliche Positionierung prägend wahrgenommen wird, wirkt sich in Istanbul, das mehrheitlich türkisch geprägt ist, die auf Assimilierung zielende Sprachenpolitik stärker aus. In Wien zählen die Kurdinnen und Kurden zu den Migrant:innen aus der Türkei, wobei sich die auf das Kurdische bezogenen Ausgrenzungsmechanismen weiterhin in der Community der Zugewanderten auswirken. Mit den Interviewpartner:innen wurden problemzentrierte, autobiographische Gespräche geführt, die einer Gesprächsanalyse nach Deppermann (2008) unterzogen wurden. Einführend findet eine Auseinandersetzung mit den für die vorliegende Arbeit zentralen Begriffen statt. Der Linguizismus (Phillipson & Skutnabb-Kangas, 1986) bietet den theoretischen Rahmen für diese Untersuchung, unter Einbeziehung von Theorien und Konzepten zu Minderheiten, Rassismus, Ethnizität, Identität, Narrative Identität und Trauma. Für die Erfassung der belastenden und traumatischen Erlebnisse wurde das sozialpolitische Traumakonzept von David Becker (2006) genutzt. Außerdem wurde der empirischen Studie eine kurze geschichtliche Abhandlung vorangestellt, um das sogenannte Kurdenproblem und die gegenwärtigen Konflikte besser verstehen zu können. Die Forschungsfragen beziehen sich auf die sprachenpolitische Situation, den individuellen Sprachgebrauch und die Einstellung zu Sprachen in unterschiedlichen Städten. Es wird gefragt, was es affektiv bedeutet, eine verbotene bzw. unterdrückte Sprache als Familiensprache zu haben. Die Interviews in Diyarbakır weisen darauf hin, dass in dieser Stadt Kurdisch eine Selbstverständlichkeit darstellt. In Istanbul deuten die Interviewergebnisse klar auf eine Gefährdung der Sprache hin. Die Gespräche in Wien zeigen, dass sich der türkische Linguizismus auch in der Emigration fortsetzt. Die Sprachenpolitik der Türkei zeigt ihre Wirkung auch in der intergenerationellen Weitergabe bzw. Nichtweitergabe der kurdischen Sprachen, wobei Diyarbakır hier eine besondere Rolle einnimmt. Am Beispiel von Kurdinnen und Kurden beleuchtet diese Arbeit die Auswirkungen von Linguizismus auf der persönlichen Ebene. Auf der theoretischen Ebene zeigt sie den graduellen Unterschied zwischen Linguizismus und Neolinguizismus. Einerseits offener Linguizismus in Form von gesetzlichen Verboten und Hindernissen in der Türkei, andererseits in Form eines verdeckten Linguizismus – etwa durch Ignoranz seitens offizieller Stellen sowie durch das niedrige Prestige der sogenannten Migrantensprachen -, wodurch Ungleichbehandlungen entstehen, wie es beispielweise in Österreich der Fall ist. Keywords: Kurdinnen und Kurden in der Türkei, Minderheiten, Ethnizität, Identität, Narrative Identität, Positionierung, Trauma, Linguizismus, Neolinguizismus, Gesprächsanalyse.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Kurd:innen in der Türkei Trauma Linguizismus Gesprächsanalyse Ethnizität Identität Narrative Identität
Schlagwörter
(Englisch)
Kurds in Turkey Trauma Linguicism Conversational Analysis Ethnicity Identity Narrative Identity
Autor*innen
Reva Akkuş
Haupttitel (Deutsch)
Generationen im Gespräch
Hauptuntertitel (Deutsch)
eine Gesprächsanalyse bei kurdischen Familien in Diyarbakır, Istanbul und Wien
Paralleltitel (Englisch)
Generations in dialogue
Paralleluntertitel (Englisch)
a conversational analysis of Kurdish families in Diyarbakır, Istanbul, and Vienna
Publikationsjahr
2025
Umfangsangabe
iv, 511 Seiten : Illustrationen
Sprache
Deutsch
Beurteiler*innen
Christoph Schroeder ,
Georg Gombos
Klassifikation
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.00 Sprach- und Literaturwissenschaft. Allgemeines
AC Nummer
AC17794064
Utheses ID
77524
Studienkennzahl
UA | 792 | 327 | |
