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Konservatismus und Nationalsozialismus
eine Untersuchung der Affinität pietistisch geprägter Frömmigkeit zum Nationalsozialismus am Beispiel des Gosauer Pfarrers Dr. Hans Eder
Sylvia Franciska Kutsam
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Evangelisch-Theologische Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Evangelische Fachtheologie
Betreuer*in
Rudolf Leeb
Mitbetreuer*in
Leonhard Jungwirth
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.80262
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-16947.83787.448926-1
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die vorliegende Arbeit unter dem Titel Konservatismus und Nationalsozialismus. Eine Untersuchung der Affinität pietistisch geprägter Frömmigkeit zum Nationalsozialismus am Beispiel des Gosauer Pfarrers Dr. Hans Eder geht der Frage nach, ob es einen Zusammenhang zwischen einem erwecklich-pietistischen Frömmigkeitshintergrund und der Affinität für den Nationalsozialismus bei dem ehemaligen Gosauer Pfarrer und späterem ersten Bischof der evangelischen Kirche in Österreich gegeben hat. Die wichtigste Grundlage für die Untersuchung bildeten Schriften Hans Eders, die erstmalig transkribiert und anhand der Forschungsfrage ausgewertet worden sind. Methodisch folgt die Untersuchung einer Zweiteilung. Im ersten Teil wurde untersucht, ob bei Hans Eder tatsächlich eine erwecklich-pietistische Prägung vorliegt und wie eine solche sich auf seinen Pfarrdienst ausgewirkt hat. Das Ergebnis war, dass Hans Eder bereits durch das Elternhaus und das bäuerlich-konservative evangelische Milieu, aus dem er stammte, eine sowohl erwecklich-pietistische als auch landeskirchliche Prägung erfahren hat. Diese Prägung vertiefte sich nochmals durch seine Mitarbeit in erwecklich geprägten Werken während seiner Studienjahre. Dass Hans Eder später selbst zu einem Proponent erwecklicher Frömmigkeit geworden ist, lässt sich sowohl an seinem Engagement in der oberösterreichischem Jugendarbeit zeigen als auch an den erwecklich-pietistischen Niederschlägen in seinen Schriften. Diese wurden auf der Grundlage der fünf Merkmale der Erweckungsbewegung des 19. Jahrhunderts nach Ulrich Gäbler betrachtet. Im zweiten Teil der Arbeit erfolgte die Untersuchung des Zusammenspiels von Eders erwecklich-pietistischem Frömmigkeitshintergrund und seiner Affinität für den Nationalsozialismus. Dabei hat es zunächst Affinitäten aufgrund des religiösen Erlebens gegeben, welches maßgeblich durch die nationalsozialistische Wende 1933 herbeigeführt wurde. In Verbindung mit diesem religiösem Erleben standen ein Gefühl „nationalen Erwachens“ sowie die Überschneidungen von erwecklich-volksmissionarischen Zielsetzungen mit dem Sendungsbewusstsein der völkischen Theologie. Weitere Affinitäten und Anknüpfungspunkte konnten wiederum auf der Grundlage der fünf Merkmale der Erweckungsbewegung nach Ulrich Gäbler festgestellt werden. Dazu gehörte die Wahrnehmung Hans Eders, dass seine Erwartungen gewaltiger weltgeschichtlicher Umwälzungen im Machtantritt Adolf Hitlers ihre Erfüllung finden und mit dem Zusammenschluss von Christen- und Germanentum ein neues heilsgeschichtliches Zeitalter eingeläutet worden sei. Weiter verleitete ein pietistisch geprägtes Bibelverständnis den Gosauer Pfarrer dazu, Ereignisse der Weltgeschichte heilsgeschichtlich aufzuladen und in Hitler einen „Vollstrecker göttlichen Willens“ zu erblicken. Affinitäten gab es auch im Bereich des stark sozialdiakonisch ausgeprägten Bewusstsein Eders. Da seine eigenen, erwecklich-pietistisch motivierten Bemühungen auf diesem Gebiet der wirtschaftlichen Not in den Zwischenkriegsjahren nichts entgegenzusetzen vermochten, erhoffte er sich eine politische Kehrtwende in Österreich durch den Machtantritt der NSDAP. Eine Koexistenz erwecklich-pietistischer Frömmigkeit und nationalsozialistischer Gesinnung war bei Eder auch deshalb möglich, weil anfänglich das christus- und bibelzentrierte Fundament seiner Glaubensüberzeugung vom NS-Staat unberührt blieb. Als sich das änderte, änderte sich auch die Haltung des Gosauer Pfarrers gegenüber dem NS-Staat. Da die pietistische Prägung Eders auf den Säulen eines protestantischen Konservatismus ruhte, ergaben sich bei Hans Eder auch Affinitäten für den Nationalsozialismus, die er mit dem protestantisch-konservativen Milieu gemeinsam hatte. Dazu gehörte die Abwehr von Marxismus und Bolschewismus, die ihm für das Hereinbrechen der „Gottlosigkeit“ in die Gegenwart verantwortlich schienen, wie auch Eders recht funktionale Interpretation der lutherischen Zwei-Reiche-Lehre. Ebenso ist die Affinität des österreichischen Protestantismus ohne die Repressalien, die Evangelische im katholischen „Ständestaat“ zu erdulden hatten, kaum erklärbar. Der Vollständigkeit halber soll nicht unerwähnt bleiben, dass Hans Eders erwecklich-pietistische Prägung auch zu einer gewissen Distanz gegenüber dem NS-Regime beitrugen und seine christozentrische, an der Bibel ausgerichtete Frömmigkeit schließlich dazu führte, sich der NS-Ideologie innerhalb der Kirche zu verweigern.
Abstract
(Englisch)
This work, entitled Conservatism and National Socialism. An Investigation of the Affinity of Pietistic Piety to National Socialism Using the Example of Gosau Pastor Dr. Hans Eder examines the question of whether there was a connection between a pietistic background of revivalist piety and an affinity for National Socialism in the former Gosau pastor and later first bishop of the Protestant Church in Austria. The most important basis for the study was Hans Eder's writings, which were transcribed for the first time and evaluated on the basis of the research question. Methodologically, the study follows a two-part structure. The first part examined whether Hans Eder was indeed influenced by revivalist pietism and how this influenced his pastoral ministry. The result was that Hans Eder had already been influenced by revivalist pietism and the state church through his parents' home and the rural-conservative Protestant milieu from which he came. This influence was further deepened by his involvement in revivalist works during his student years. The fact that Hans Eder later became a proponent of revivalist piety himself can be seen both in his involvement in youth work in Upper Austria and in the revivalist-pietistic influences in his writings. These were examined on the basis of the five characteristics of the 19th-century revivalist movement according to Ulrich Gäbler. The second part of the thesis examined the interplay between Eder's revivalist-pietistic background of piety and his affinity for National Socialism. Initially, there were affinities based on religious experience, which was largely brought about by the National Socialist turn in 1933. This religious experience was accompanied by a feeling of “national awakening” and the overlap between revivalist missionary objectives and the sense of mission of the "Völkische Theologie". Further affinities and points of contact could one again be identified on the basis of the five characteristics of the “Erweckungsbewegung” according to Ulrich Gäbler. These included Hans Eder's perception that his expectations of tremendous world-historical upheavals would be fulfilled with Adolf Hitler's rise to power and that a new era of salvation history had been inaugurated by the union of Christianity and Germanism. Furthermore, a pietistic understanding of the Bible led the Gosau pastor to interpret events in world history in terms of salvation history and to see Hitler as the “executor of God's will.” There were also affinities in the area of Eder's strongly social-diaconal consciousness. Since his own revivalist-pietistic efforts in this area were unable to counteract the economic hardship of the interwar years, he hoped for a political turnaround in Austria by the rise to power of the NSDAP. The coexistence of revivalist-pietistic piety and National Socialist attitudes was also possible for Eder because the Christ- and Bible-centered foundation of his religious convictions remained untouched by the Nazi state at first. When that changed, so did the Gosau pastor's attitude toward the Nazi state. Since Eder's pietistic influence was based on the pillars of Protestant conservatism, Hans Eder also developed affinities for National Socialism, which he shared with the Protestant-conservative milieu. This included the rejection of Marxism and Bolshevism, which seemed responsible for the onset of “godlessness” in the present, as well as Eder's rather functional interpretation of the Lutheran doctrine of the two kingdoms. Similarly, the affinity of Austrian Protestantism can hardly be explained without the reprisals that Protestants had to endure in the Catholic “Ständestaat.” For the sake of completeness, it should not go unmentioned that Hans Eder's revivalist-pietistic influence also contributed to a certain distance from the Nazi regime, and his Christocentric, Bible-based piety ultimately led him to reject Nazi ideology within the church.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Konservatismus und Nationalsozialismus Affinität zum Nationalsozialismus pietistische Frömmigkeit und Nationalsozialismus Pietismus und Nationalsozialismus Dr. Hans Eder
Schlagwörter
(Englisch)
Conservatism and National Socialism Affinity to National Socialism Pietistic Piety and National Socialism Pietism and National Socialism Dr. Hans Eder
Autor*innen
Sylvia Franciska Kutsam
Haupttitel (Deutsch)
Konservatismus und Nationalsozialismus
Hauptuntertitel (Deutsch)
eine Untersuchung der Affinität pietistisch geprägter Frömmigkeit zum Nationalsozialismus am Beispiel des Gosauer Pfarrers Dr. Hans Eder
Paralleltitel (Englisch)
Conservatism and National Socialism
Paralleluntertitel (Englisch)
an investigation of the affinity of pietistic piety to National Socialism using the example of Gosau Pastor Dr. Hans Eder
Publikationsjahr
2025
Umfangsangabe
103 Seiten
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Rudolf Leeb
Klassifikationen
11 Theologie > 11.50 Kirchengeschichte. Dogmengeschichte ,
15 Geschichte > 15.24 Zweiter Weltkrieg
AC Nummer
AC17773520
Utheses ID
77708
Studienkennzahl
UA | 066 | 790 | |
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