Detailansicht

Tanz in der Krise
die Bedeutung traditioneller griechischer Tänze in Zeiten der Wirtschaftskrise in Griechenland
Laura Franziska Schmidlin
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Kultur- und Sozialanthropologie
Betreuer*in
Hermann Mückler
Volltext in Browser öffnen
Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.79454
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-16956.86108.392140-4
Link zu u:search
(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle des traditionellen griechischen Tanzes als Form immaterieller Kultur im wirtschaftlichen Ausnahmezustand der griechischen Staatsschuldenkrise. Während sich frühere Forschungen überwiegend auf die sozioökonomischen Folgen der Krise - wie Arbeitslosigkeit, Migration und den Schwächung sozialer Dienste - konzentriert haben, verlagert diese Studie die Perspektive auf kulturelle Resilienz und alternative Bewältigungsmechanismen. Auf der Grundlage ethnografischer Feldforschung, die zwischen 2018 und 2020 in Athen und auf der Insel Skopelos durchgeführt wurde, verbindet die Untersuchung teilnehmende Beobachtung, halbstrukturierte Interviews und informelle Gespräche. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass der traditionelle Tanz - insbesondere in freien, selbstorganisierten urbanen Tanzgruppen - eine neue Bedeutung als kostengünstige und emotional wertvolle Form kollektiver Teilhabe gewonnen hat. Die Studie identifiziert mehrere zentrale Themen, die aus den empirischen Daten hervorgehen: gesteigertes psychisches Wohlbefinden, ein wiedererlangtes Gefühl von Struktur im Alltag, die Stärkung kultureller Identität sowie eine erhöhte Solidarität innerhalb lokaler Gemeinschaften. Für viele Teilnehmende stellte das Tanzen nicht nur ein physisches Ventil dar, sondern auch eine Möglichkeit emotionalen Ausdrucks, sozialer Verbundenheit und der Rückgewinnung von Handlungsmacht in einem Kontext der Prekarität. Die Arbeit argumentiert, dass immaterielle kulturelle Praktiken wie Tanz nicht ausschließlich als Bewahrung von Kulturerbe betrachtet werden sollten, sondern als dynamische, gelebte Strategien, die kreativ auf veränderte sozioökonomische Realitäten reagieren. Im griechischen Fall fungierte der traditionelle Tanz sowohl als kultureller Anker als auch als innovative Form alltäglichen Widerstands und der Erneuerung in Krisenzeiten.
Abstract
(Englisch)
This thesis explores the role of traditional Greek dance as an expression of intangible cultural heritage in times of economic hardship, specifically during the Greek sovereign debt crisis. While previous research has largely focused on the socio-economic consequences of the crisis - such as unemployment, migration, and the dismantling of social services - this study shifts the perspective toward cultural resilience and alternative coping mechanisms. Drawing on ethnographic fieldwork conducted between 2018 and 2020 in Athens and on the island of Skopelos, this research combines participant observation, semi-structured interviews, and informal conversations. The findings highlight that traditional dance - especially in free, self-organized urban dance groups - has gained renewed importance as a low-cost and emotionally valuable form of collective engagement. The study identifies several key themes emerging from the empirical data: enhanced psychological well-being, a regained sense of structure in everyday life, reinforcement of cultural identity, and increased solidarity within local communities. For many participants, dancing provided not only a physical outlet, but also a means of emotional expression, social connection, and the reclaiming of agency in a context of precarity. The thesis argues that intangible cultural practices such as dance should not be regarded solely as heritage preservation, but as dynamic, lived strategies that respond creatively to changing socio-economic realities. In the Greek case, traditional dance has functioned both as a cultural anchor and as an innovative form of everyday resistance and renewal during crisis.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Traditioneller griechischer Tanz Immaterielle Kulturformen Griechische Staatsschuldenkrise Immaterielles Kulturerbe Kulturelle Residenz Kollektive Teilhabe Bewältigungsstrategien Kulturelle Praktiken in der Krise Kultur und Prekarität Urbane Tanzgruppen Wirtschaftskrise Kulturelle Identität
Autor*innen
Laura Franziska Schmidlin
Haupttitel (Deutsch)
Tanz in der Krise
Hauptuntertitel (Deutsch)
die Bedeutung traditioneller griechischer Tänze in Zeiten der Wirtschaftskrise in Griechenland
Paralleltitel (Englisch)
Dance in times of crisis
Paralleluntertitel (Englisch)
the significance of traditional Greek dancing during the economic crisis in Greece
Publikationsjahr
2025
Umfangsangabe
89 Seiten
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Hermann Mückler
Klassifikation
73 Ethnologie > 73.93 Immaterielle Kultur
AC Nummer
AC17671057
Utheses ID
77718
Studienkennzahl
UA | 066 | 810 | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1