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Individuelle Autonomie und künstliche Intelligenz
von der Selbst- zur Fremdbestimmung?
Hans Peter Zander
Art der Arbeit
Master-Thesis (ULG)
Universität
Universität Wien
Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Universitätslehrgang Studium Generale - Das nachberufliche Studium an der Universität Wien (MA)
Betreuer*in
Katharina Lacina
DOI
10.25365/thesis.79589
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-19530.84922.467180-3
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Zunächst widmet sich der Grundlagenteil den zentralen Begriffen „Autonomie“ und „Künstliche Intelligenz“. Die Analyse des Autonomiebegriffs führt zu einem facettenreichen Begriffsspektrum: beginnend beim normativen Konzept (I. Kant) bis hin zu modernen Theorien, die etwa die Willensbildung oder den sozialen Kontext als Autonomiebedingung sehen. Der Begriff der Künstlichen Intelligenz ist ebenso uneinheitlich. Eine Kategorie Künstlicher Intelligenz bilden die Systeme des Maschinellen Lernens, auf die in dieser Arbeit im Wesentlichen Bezug genommen wird. Im Fokus dieser Arbeit steht die Frage, ob Künstliche Intelligenz die Autonomie des Menschen untergräbt. Werden wir zunehmend fremdbestimmt, wenn Systeme der Künstlichen Intelligenz für uns entscheiden und wir uns auf ihre Informationen verlassen? Ein einfaches Ja oder Nein verbietet sich. Die zentrale Frage wird deshalb aufgefächert. Die Differenzierung des Autonomiebegriffs verdeutlicht Aspekte von Autonomie, die von Künstlicher Intelligenz beeinflusst werden können. Den sich daraus ergebenden Teilfragen wird– methodisch – in Form einer diskursiven Annäherung im Hauptteil der Arbeit nachgegangen. Dort geht es zunächst um Unterschiede zwischen menschlichem und maschinellem Wissen und Entscheiden, bevor kontingente Eigenschaften Künstlicher Intelligenz wie „künstliche Autonomie“, Opazität und Geschwindigkeit identifiziert werden, die wie Parameter eines imaginären Kipppunktes wirken, an dem Selbst- in Fremdbestimmung übergeht. Sie spielen bei zentralen Aspekten der Entscheidung und Wissenspräsentation durch Künstliche Intelligenz eine erhebliche Rolle: (1) Verantwortung, die untrennbar mit Entscheidung verbunden ist, wird unmöglich, wenn Entscheidungen nicht nachvollziehbar sind und Kontrolle verloren geht. (2) Technisch weitestgehend autonome Systeme erschweren die Bewertung von Wissen hinsichtlich Wahrheit und Verlässlichkeit – eine epistemische Herausforderung. (3) Schlägt Selbstbestimmung in Fremdbestimmung um, stellt sich die Frage, ob der Mensch die Maschine beherrscht oder umgekehrt. Künstliche Intelligenz übt eine „smarte Macht“ aus, die einen subtilen, allgegenwärtigen Einfluss auf unser Alltagsleben nimmt, der kaum wahrnehmbar ist. Das Fazit erlaubt ein bedingtes Ja zur zentralen Forschungsfrage und Antworten auf die differenzierenden Teilfragen: Autonome Willensbildung unterliegt manipulativen Einflüssen. Privatheit wird instrumentalisiert. Zeitliche Autonomie gerät in Widerspruch zur digitalen Welt. Die Schwächung sozialer Bindungskräfte etwa und schleichende Machtverschiebungen verändern den sozialen und gesellschaftlichen Kontext von Autonomie.
Abstract
(Englisch)
The foundational section initially addresses the key concepts of “autonomy” and “artificial intelligence.” The analysis of the concept of autonomy leads to a multifaceted spectrum of definitions: ranging from the normative concept (I. Kant) to modern theories that, for example, consider the formation of the will or the social context as conditions for autonomy. The concept of artificial intelligence is similarly heterogeneous. One category of artificial intelligence comprises systems of machine learning, which are the primary focus of this work. The central question of this thesis is whether artificial intelligence undermines human autonomy. Are we increasingly externally controlled when AI systems make decisions for us and we rely on their information? A simple yes or no is insufficient. Therefore, the main question is broken down into sub-questions. Differentiating the concept of autonomy clarifies aspects that can be influenced by artificial intelligence. These sub-questions are explored methodologically through a discursive approach in the main body of the work. First, differences between human and machine knowledge and decision-making are examined, before contingent properties of AI — such as “artificial autonomy,” opacity, and speed — are identified. These act like parameters of an imaginary tipping point where self-determination transitions into external control. They play a significant role in key aspects of AI-based decision-making and knowledge presentation: (1) Responsibility, inseparably linked to decision-making, becomes impossible when decisions are not comprehensible and control is lost. (2) Technically largely autonomous systems complicate the evaluation of knowledge with regard to truth and reliability — an epistemic challenge. (3) When self-determination shifts to external control, the question arises whether humans control machines or vice versa. AI exerts a “smart power” that subtly and pervasively influences our everyday lives, almost imperceptibly. The conclusion allows for a qualified “yes” to the central research question and provides answers to the differentiated sub-questions: autonomous will formation is subject to manipulative influences; privacy is instrumentalized; temporal autonomy gets into conflict with the digital world. The weakening of social bonds and gradual shifts of power, for instance, alter the social and societal context of autonomy.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Individuelle Autonomie Künstliche Intelligenz Selbstbestimmung Fremdbestimmung Künstliche Intelligenz und Verantwortung Künstliche Intelligenz und Macht Ubiquitous Computing Künstliche Intelligenz und Epistemologie
Autor*innen
Hans Peter Zander
Haupttitel (Deutsch)
Individuelle Autonomie und künstliche Intelligenz
Hauptuntertitel (Deutsch)
von der Selbst- zur Fremdbestimmung?
Paralleltitel (Englisch)
Individual autonomy and artificial intelligence
Publikationsjahr
2025
Umfangsangabe
IX, 144 Seiten
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Katharina Lacina
Klassifikation
08 Philosophie > 08.38 Ethik
AC Nummer
AC17701513
Utheses ID
77819
Studienkennzahl
UA | 992 | 499 | |
