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Klöster und Herrscher im Karolingerreich
Dieter W. Kahler
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Anton Scharer
DOI
10.25365/thesis.8634
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29947.03226.583863-7
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
„Aller Anfang ist schwer“ und „Einigkeit macht stark“. Diese beiden Sprichworte gelten besonders und in uneingeschränktem Maße für die beginnende Zusammenarbeit der frühmittelalterlichen christlichen Kirche mit dem im 5. Jahrhundert in Entstehung begriffenen Reich der Franken.
Mit der vorliegenden Arbeit wurde untersucht, wie ausgewählte frühmittelalterliche Herrscher und Klöster im expandierenden Frankenreich aneinander eine Stütze fanden.
Begonnen hatte die auf gegenseitiges Vertrauen gestützte Zusammenarbeit geistlicher und weltlicher Kräfte in der Merowinger-Zeit. In der Karolinger-Zeit wurde sie fortgesetzt, immer weiter ausgebaut, verstärkt und einem ersten symbiotischen Höhepunkt zugeführt. Es entstand ein in der Geschichte des Mittelalters einmaliges Flechtwerk aus zwei ursprünglich völlig unterschiedlichen Strömungen, einer geistlichen und einer weltlich-politischen.
Die wesentlichsten Zusammenhänge, Ereignisse und Entwicklungen ergaben sich dabei aber nicht nur im Rahmen der großen Reichspolitik und den entsprechenden Weichenstellungen, sondern sehr oft auch im Kleinen, fast im Verborgenen. Dennoch entwickelten sich gerade in diesem Bereich prägende und grundsätzliche Vorgangs- und Verhaltensweisen, die Herrscher und Kirche miteinander verbanden und noch Jahrhunderte danach wirksam bleiben sollten: Schenkungen, Ernennungen, Erteilung von Privilegien etc. durch den König bzw Schließung oder Legitimation von Ehen, Taufen, Salbungen, Krönungen, Pflege der königlichen Memoria etc. durch Kirche und Klöster. Die Zusammenarbeit erfolgte stets zum Nutzen beider Partner; dem einen und dem anderen nützte sie einmal mehr, einmal weniger, aber keine Maßnahmen waren jemals gegeneinander gerichtet. In diesem Kontext fällt sofort auf, daß in den einzelnen Teilreichen des sich weiterentwickelnden und enorm expandierenden Frankenreiches keine prinzipiellen Unterschiede bestanden, wenn man das Geben und Nehmen der Herrscher und der Kirche (im speziellen Fall: der Klöster) näher betrachtet. Kein Königsdiplom, keine Kapitular und kein wie immer geartetes Regulativ geistlicher oder weltlicher Art haben in das Zusammenspiel zwischen Herrscher und Kirche/Klöster eingegriffen, das sich im freien Spiel der Kräfte und Zielsetzungen entwickeln konnte und im Laufe der Zeit immer neue Gestalt, Formen und Inhalte annahm.
Anfangs gründeten die Herrscher Klöster, um dem christlichen Glauben zum Durchbruch zu verhelfen bzw diesem eine festere Grundlage zu geben. Kein König ließ es sich nehmen, den Klöstern reichliche Schenkungen an Land und Leuten aus dem fast unbegrenzten Reichtum des Reiches zu machen und auch nachträgliche Förderungen vorzunehmen (etwa mit der Translation von Reliquien, die Wallfahrten von Gläubigen auslösten und den Reichtum der Klöster einleiteten bzw vermehrten). Die Klöster erbrachten als Gegenleistung die Kultivierung oft riesiger Landstriche, den Erwerb von Vermögenswerten, die dem Herrscher zur Verfügung standen, eine auch weltliche Disziplinierung der anvertrauten Gläubigen und Wachsamkeit in unruhigen (Grenz-) Bereichen.
Als einzelne Klöster immer wichtiger wurden, etwa als wirtschaftliche, wissenschaftliche, religiöse und schulische Zentren, begannen die Merowingerkönige und nachfolgend die Karolingerkönige in immer stärkerem Maße, den Ausdruck ihrer Wertschätzung und ihres Interesses zu verdichten, etwa mit der Aufnahme dieser Klöster in königliches Eigentum und unter Königsschutz, sowie mit der Verleihung von Privilegien wie Zollhoheit, Schürf- und Fischereirechten, Abgabenexemtion, Immunität vor gräflicher und bischöflicher Gerichts-barkeit und Eingriffsrechten, sowie auch freier Abtwahl. Diese Klöster konnten nun in völliger Ruhe und abseits aller Sorgen des täglichen Lebens zusätzlich auch die den Herrschern und deren Familienmitgliedern höchst wichtige memoria ebenso pflegen wie die königlichen Grabstätten. Hinzu kamen das servitium regis, das auch militärische Hilfestellung an den König umfassen konnte und die unentgeltliche Gastung von König und Hofstaat. Dazu erbrachten die Klöster einzigartige kulturelle Leistungen kunstgeschichtlicher, literarischer und erzieherischer Art ebenso wie sie dem König auch eine wohlüberlegte Beratung angedeihen ließen. Diese wurde von Bischöfen und Äbten wahrgenommen und führte zur Einrichtung der Hofkapelle.
Am Höhepunkt der Entwicklung stand ab Mitte des 8. Jahrhunderts die Salbung und Krönung der dadurch sowohl kirchlich wie weltlich unantastbar gewordenen fränkischen Könige durch die Päpste bzw die Anerkennung der Päpste als geistliche und weltliche Autoritäten durch die fränkischen Könige/Kaiser.
Könige/Kaiser und Päpste, Äbte und Bischöfe, Herzöge und Grafen bildeten ein undurchdringliches Netzwerk kirchlicher und „staatlicher“ Gewalt, das niemand zerreißen konnte als die Beteiligten selbst.
Und so sollte es etwas mehr als drei Jahrhunderte später auch kommen.
Was kluge und tolerante Köpfe im geistlichen und weltlichen Bereich zwischen dem 6. und 11. Jahrhundert aufgebaut hatten, ging ab Ende des 11. Jahrhunderts relativ schnell verloren, als machtbewußte und machthungrige Päpste die alleinige Vormachtstellung in Kirche und Reich anstrebten, dabei aber auf Kaiser und Könige stießen, die spiegelbildliche Absichten verfolgten und keine Eingriffe in ihre weltliche Macht dulden wollten.
Abstract
(Englisch)
„The first step is always the most difficult“ and “Unity gives strength”. Both proverbs are particularly and unrestrictedly valid for the early medieval Christian church as well as for the Frank imperium arising in the 5th century AD.
The present work was done to investigate, how in early medieval times a number of selected sovereigns and monasteries in the expanding Frank Empire had supported each other.
In the Merowingian Age, when the cooperation of spiritual and secular power started, it based simply on mutual trust. In the Karolingian Age it became continued, built up, intensified and led to a first symbiotic summit. A network of singular kind in the history of the Middle Ages became created which combined two in the beginning entirely different currents, a spiritual resp a secular/political one.
The most essential connections, occurrences and developments, however, resulted not only by influence of great imperial politics and relevant moving forces, but very often also in small sizes, almost in seclusion. There, certain basical and formative processes and behaviors developped. They linked together kings and the church and remained effective in centuries still to come, materialized as gifts, appointments, protection, allocation of privileges etc. by the king resp. weddings or legitimations of marriages, baptisms, anointings, coronations, cultivation of royal memories etc. by the church/monasteries. The current cooperation always favoured either partner, sometimes more, sometimes less, but no measures were contradictory to each other. In this context it is a remarkable fact that in all parts of the developping and enormously expanding Frank empire no differences can be observed in the give-and-take system practised between the sovereigns and the church (in this special case with the monasteries). No king’s diploma or edict, not any regulating agent of spiritual or secular kind have ever intruded upon the interaction between sovereigns and the church/monasteries. Everything could develop freely, only adjusted to the forces which were at play and could currently adopt new shapes, forms and contents.
In the beginning the kings founded monasteries in order to help the Christian faith on its road to success resp to give it a more solid base. No king failed to grant the monasteries substantial gifts of land and inhabitants living on it, taken from the almost unlimited wealth of the empire and also to subsequently support them (e.g. by translation of relics, inducing the faithful to pilgrimages which started resp increased the riches of the monasteries). The monasteries’ service in return was the cultivation of sometimes huge areas, the acquisition of money and means which were at the disposal of the king, the disciplination of the entrusted faithful also in secular matters and the watchfulness in troubled (border) areas of the empire
When certain monasteries gained more and more importance as economic, scientific and scolastic centres, the Merowingian kings began and the following Karolingian kings continued in a continuously increasing degree to intensify the expression of their high regard and interest by accepting these monasteries as a royal property under royal protection, awarding to them privileges like sovereignty over customs, mining and fishing rights, tax exemptions, immunity against earl’s and episcopal jurisdiction and intrusion rights as well as a free abbot’s election. These monasteries could quietly and protected from all existential fears also care for the memoria of the kings and their families, which was of highest importance for them and to also maintain the royal tombs. In addition they furnished the kings the servitium regis, comprising even military aid and hospitality free of charge for the king and the entire royal household.
The monasteries also produced unique cultural achievements of art historical, literary and educational kind and provided the kings with carefully considered advices which were submitted by bishops and abbots and led to the establishment of the court chapel.
As a climax of the further development, in the mid of the 8th century AD the popes started to anoint and crown the Frank kings which by this became ecclesiastically and secularly sacrosanct. In turn, the Frank kings/emperors recognized the popes as ecclesiastical and secular authorities.
Kings/emperors and popes, abbots and bishops, dukes and counts formed an impenetrable network of ecclesiastical and governmental power which nobody could tear up but the persons involved themselves.
And so it should happen a little more than three centuries later.
What ingenious and tolerant leaders in the ecclesiastical and secular field had set up between the 6th and 11th century AD got lost relatively fast from the end of the 11th century onwards, when power-crazed and power-hungry popes strove for the sole supremacy over church and empire and ran into emperors and kings who pursued mirror image intentions and would not tolerate intrusions upon their secular power.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Englisch)
monasteries sovereigns Carolingian empire
Schlagwörter
(Deutsch)
Klöster Herrscher Karolingerreich
Autor*innen
Dieter W. Kahler
Haupttitel (Deutsch)
Klöster und Herrscher im Karolingerreich
Paralleltitel (Englisch)
Monasteries and sovereigns in the Carolingian empire
Publikationsjahr
2009
Umfangsangabe
133 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Anton Scharer
Klassifikation
15 Geschichte > 15.31 Frühes Mittelalter
AC Nummer
AC08031840
Utheses ID
7789
Studienkennzahl
UA | 312 | | |
