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Identity and the archaic necropolis of Metauros
Clara-Maria Hansen
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Doktoratsstudium der Philosophie Klassische Archäologie
Betreuer*in
Naoise Mac Sweeney
DOI
10.25365/thesis.80295
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-10152.14595.884137-3
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Es ist heute allgemein anerkannt, dass eine Bestattung ein Spektrum von Identitäten verbindet und zum Ausdruck bringt, das von gemeinschaftlich bis individuell, von sozial bis kulturell und von gelebten Realitäten bis zu Idealen reicht. Dies galt in der Antike ebenso wie heute. Bei genauer Betrachtung können Bestattungsaufzeichnungen daher wichtige Informationen über antike Gesellschaften liefern. Diese Dissertation untersucht aus archäologischer Perspektive antike Identitäten anhand von Bestattungsaufzeichnungen im Kontext des archaischen Süditaliens und stellt neue Erkenntnisse aus der Nekropole von Metauros in den Vordergrund. Sie konzentriert sich nicht nur auf die materiellen Überreste von Bestattungsfunden, sondern umfasst auch die Diskussion von Skelettfunden und eine detaillierte Kontextanalyse. In der Vergangenheit wurde die Untersuchung archaischer süditalienischer Bestattungsaufzeichnungen stark mit dem Konzept der griechischen Kolonisierung in Verbindung gebracht – einem Modell, das die Interaktionen zwischen Migranten aus der Ägäis einerseits und lokalen Gruppen andererseits beschreibt. Dieses Modell stellt die Migranten aus der Ägäis jedoch als imperiale Agenten dar, die die indigene Bevölkerung systematisch dominierten und ausbeuteten, ein Prozess, der angeblich zur Entstehung der griechischen Poleis in der klassischen Periode geführt hat. Dieser Diskurs konstruierte und verstärkte binäre Identitäten („griechisch” und „indigen”), ein Rahmenkonzept, das sich zunehmend als unzureichend erwiesen hat. Durch die Konzentration auf lokale Gemeinschaften und ihre Mikrogeschichten trägt meine Dissertation zu einem differenzierteren Verständnis antiker Identitäten bei. Das Kernmaterial dieser Studie stammt aus der Nekropole von Metauros im Südwesten Kalabriens, Italien. Diese Stätte, die während der archaischen Zeit (ca. 700–500 v. Chr.) genutzt wurde, wurde in den 1970er Jahren im Rahmen einer Reihe von Notgrabungen ausgegraben und erstreckt sich über eine bekannte Fläche von etwa 2.800 m² mit rund 1.600 Gräbern. Während eine detaillierte Dokumentation, Analyse und Veröffentlichung dieser Aufzeichnungen bisher nicht möglich war, hat sich das neue Metauros-Archäologieprojekt, das 2022 ins Leben gerufen wurde, dieser Aufgabe angenommen. Eingebettet in dieses Projekt bietet die vorliegende Dissertation eine Untersuchung der ersten Stichprobe aus der Nekropole von Metauros: einer Gruppe von etwa 250 Gräbern aus dem Canerossi-Sektor. Die Ergebnisse zeigen einen bemerkenswerten Grad an gemeinschaftlichem Zusammenhalt in der Bestattungspraxis, insbesondere in der konsequenten Einhaltung der altersbezogenen Differenzierung. Gleichzeitig deutet die Vielfalt in der Auswahl und Beschaffenheit der Grabbeigaben auf ein hohes Maß an individueller Handlungsfähigkeit hin. Am bedeutendsten ist jedoch, dass keiner dieser Aspekte eine binäre „griechische” oder „indigene” Identität vermittelt. Stattdessen deuten sie auf einen ausgeprägten lokalen Charakter hin: facettenreich, aber innerhalb eines zusammenhängenden gemeinschaftlichen Rahmens zum Ausdruck gebracht.
Abstract
(Englisch)
It is now widely accepted that a burial binds and expresses a spectrum of identities, ranging from communal to individual, from social to cultural, and from lived realities to ideals. This has been as true in antiquity as it is today. If examined carefully, the mortuary record therefore has the potential to reveal important information about ancient societies. This dissertation adopts an archaeological lens to study ancient identities through the mortuary record in the context of Archaic southern Italy and foregrounds new evidence from the necropolis at Metauros. It focuses not only on the material remains of burial assemblages but also includes discussion of skeletal evidence and detailed contextual analysis.
In the past, the study of Archaic southern Italian burial record has been strongly associated with the concept of Greek colonisation – a model describing interactions between migrants from the Aegean on one hand and local groups on the other. Yet this model casts the Aegean migrants akin to imperial agents who systematically dominated and exploited indigenous peoples, a process said to have led to the emergence of Greek poleis during the Classical period. This discourse constructed and reinforced binary identities (‘Greek’ and ‘indigenous’), a framework that has increasingly been shown to be inadequate. By focusing on local communities and their micro-histories, my dissertation contributes to a more nuanced understanding of ancient identities. The core material of this study comes from the necropolis of Metauros in southwestern Calabria, Italy. This site, in use during the Archaic period (ca. 700-500 BCE), was excavated in a series of emergency campaigns during the 1970s and spans a known area of approximately 2,800m² with around 1,600 tombs. While detailed documentation, analysis, and publication of this record have not previously been possible, the new Metauros Archaeological Project, launched in 2022, has taken on this task. Embedded within this project, the present dissertation offers a study of the first sample from the necropolis of Metauros: a group of approximately 250 tombs from the Canerossi sector. The results reveal a remarkable degree of communal cohesion in burial practice, most notably in the consistent adherence to age-related differentiation. At the same time, the diversity in the choice and character of grave goods suggests a high level of individual agency. Most significantly, however, neither of these aspects conveys a binary of ‘Greek’ or ‘indigenous’ identity. Instead, they suggest a distinctly local character: multi-faceted, but expressed within a cohesive communal framework.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Griechische Kolonialisierung Griechische Archäologie Identitätsforschung Totenritus
Schlagwörter
(Englisch)
Greek Colonisation Greek Archaeology Identity research Funerary rites
Haupttitel (Englisch)
Identity and the archaic necropolis of Metauros
Publikationsjahr
2025
Umfangsangabe
541 Seiten, 154 Tafeln : Illustrationen
Sprache
Englisch
Beurteiler*innen
Peter Attema ,
Lin Foxhall
AC Nummer
AC17779555
Utheses ID
78028
Studienkennzahl
UA | 792 | 314 | |
