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Das "Erleben" von Sprache(n) im luxemburgisch-deutschen Grenzgebiet im Generationenvergleich
eine qualitative soziolinguistische Untersuchung
Liv Dimmer
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Deutsche Philologie
Betreuer*in
Manfred Michael Glauninger
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.79801
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-11015.96570.820361-5
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Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die Grenzregion zwischen Luxemburg und Rheinland-Pfalz bietet aus soziolinguistischer Perspektive ein besonders lohnendes Untersuchungsgebiet. Ein zusammenhängender historischer Dialektraum wird gegenwärtig durch eine Staatsgrenze geteilt und auf luxemburgischer Seite sogar von drei Amtssprachen überdacht. Zudem existiert heute in Zeiten des Internets und der Globalisierung in Luxemburg und Deutschland eine sprachliche Vielfalt, die nicht auf die jeweiligen Amtssprachen und deren regionale Varietäten beschränkt bleibt. Vor diesem Hintergrund werden in vorliegender Arbeit ausgewählte Aspekte des Spracherlebens und Sprachrepertoires (nach Brigitta Busch) von Bewohner*innen des luxemburgisch-deutschen Grenzgebiets untersucht. Dies erfolgt mithilfe eines qualitativen, dezidiert nicht auf statistische Repräsentativität abzielenden Forschungsdesigns auf Basis von ,episodischenʻ Interviews (nach Misoch 2019) inklusive ,Sprachenportraitsʻ mit vier Gewährspersonen aus dem Untersuchungsgebiet – genauer: aus Untereisenbach/Obereisenbach (Luxemburg) und Übereisenbach (Rheinland-Pfalz, Deutschland) – im Generationenvergleich (,alt‘ = ≥ 60 und ,jung‘ ≤ 25 Jahre). Untersucht wird unter anderem, wie die Gewährspersonen ihr persönliches Sprachrepertoire konzipieren und mit ‚sozialen Bedeutungen‘ (z. B. Prestige, Stigma, Identität, In- / Exklusion) verknüpfen, welche Dimensionen des Spracherlebens in ihren Erzählungen von sprachlichen Erfahrungen im Alltag und von biographischen Erlebnissen reflektiert werden, wie sie die Sprachsituation jenseits der Grenze beurteilen und welche generationenspezifischen Unterschiede und Gemeinsamkeiten sich dabei zeigen. Den theoretischen Rahmen bilden dabei die metapragmatische und kritische Soziolinguistik mit Fokus auf die Sprachrepertoire- und Spracherlebensforschung sowie die Sprachideologieforschung. Bezüglich des Spracherlebens sind die emotionale, die leibliche und die historisch-politische Dimension von Bedeutung. Das narrative Datenmaterial wurde inhaltszentriert nach einem einfachen Transkriptionssystem (nach Dresing / Pehl 2013) transkribiert. Die Interviews wurden daraufhin mittels inhaltlich strukturierender qualitativer Inhaltsanalyse (nach Kuckartz / Rädiker 2024) als Text (und nicht als soziale Interaktion) ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass die Sprachrepertoires der Gewährspersonen stark durch den individuellen Lebensweg und unterschiedliche Lebensumstände geprägt sind. Als Identifikationssprache dient im Wesentlichen Luxemburgisch bzw. „Plattdeutsch“ oder auch Standarddeutsch („Hochdeutsch“). Luxemburgisch fungiert in Luxemburg vor allem als Identitätsmarker und Alltagssprache. In Deutschland wiederum verliert der moselfränkische Dialekt generationenspezifisch an Bedeutung. Standarddeutsch gilt in Deutschland als Sprache von Prestige und Bildung, in Luxemburg vor allem als Alphabetisierungs- und Mediensprache. Französisch wird ambivalent erlebt. Einerseits gilt diese Sprache in Luxemburg als Schlüssel zu beruflichen und alltäglichen Ressourcen, andererseits wird sie aber auch als sprachliche Barriere bzw. als Quelle von Scham und Unsicherheit erlebt. Portugiesisch ist in Luxemburg frequent vertreten, wird in der Administration allerdings wenig berücksichtigt. Englisch gewinnt besonders bei Jüngeren – in urbanen Kontexten und sozialen Medien – auf beiden Seiten der Grenze an Relevanz. Sprache wirkt sowohl identitätsstiftend und verbindend als auch ausgrenzend, was sich besonders beim Dialekt-Standard-Konflikt oder auch im Umgang mit Fremdsprachen zeigt. Im Grenzvergleich erleben Luxemburger*innen Deutschland als sprachlich homogener, während Deutsche regionale Unterschiede stärker wahrnehmen. Luxemburg wird von allen vier Gewährspersonen als stark mehrsprachig wahrgenommen, wobei die Verteilung von Luxemburgisch, Französisch und Deutsch sowohl regions- als auch kontextabhängig ist. Bezüglich eines Zusammengehörigkeitsgefühls innerhalb des grenzüberschreitenden historischen Dialektraumes fühlen ältere Generationen sich mit der jeweils „anderen Seite“ enger verbunden als jüngere, die in diesem Kontext eher eine Trennung wahrnehmen. Die vorliegende Arbeit gewährt wertvolle Einblicke in die emische Perspektivierung der Sprachrealität des luxemburgisch-deutschen Grenzgebiets, eines historisch zusammengehörigen, durch heutige Staatsgrenzen geteilten Sprachraumes. Die Ergebnisse veranschaulichen die zentrale Bedeutung von Sprache als wesentlicher Faktor von Identitätskonstruktion, Aushandlung sozialer Stellung sowie gesellschaftlicher In- und Exklusion.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Sprachrepertoire Spracherleben Luxemburg Rheinland-Pfalz Spracherlebensforschung Mehrsprachigkeit Sprachenportrait
Autor*innen
Liv Dimmer
Haupttitel (Deutsch)
Das "Erleben" von Sprache(n) im luxemburgisch-deutschen Grenzgebiet im Generationenvergleich
Hauptuntertitel (Deutsch)
eine qualitative soziolinguistische Untersuchung
Paralleltitel (Englisch)
The lived experience of language(s) in the Luxembourgish-German border region in a generational comparison
Paralleluntertitel (Englisch)
a qualitative sociolinguistic study
Publikationsjahr
2025
Umfangsangabe
266 Seiten : Illustrationen
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Manfred Michael Glauninger
Klassifikation
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.20 Soziolinguistik. Allgemeines
AC Nummer
AC17725159
Utheses ID
78046
Studienkennzahl
UA | 066 | 817 | |
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