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Integrative Konfliktbearbeitung am Beispiel des Konflikts in Bosnien und Herzegowina
erfolgreicher oder gescheiterter Friedensprozess?
Christian Pilz
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Wilfried Graf
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.8657
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29857.59365.218361-5
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die vorliegende Forschungsarbeit beschäftigt sich mit dem Friedensprozess in Bosnien und Herzegowina, wobei eine breite Analyse der historisch-kulturellen, politischen, ökonomischen und soziokultuellen Aspekte seit der Unterzeichnung des Friedensabkommens von Dayton 1995 im Mittelpunkt der Arbeit steht. Der Fokus liegt also nicht auf der Untersuchung spezifischer und detaillierter Elemente des Friedensprozesses, sondern vielmehr gibt die Arbeit ein Gesamtbild bzw. eine allgemeine Einschätzung der Entwicklung seit Kriegsende ab. Die wesentlichen Punkte sind daher die Fragen weshalb es zum Konflikt gekommen ist und auch welche latenten Hintergründe es dafür gab. Zusätzlich werden in der Forschungsarbeit Fragen nach politischen und sozioökonomischen Phänomenen wie zum Beispiel die positiven und negativen Konsequenzen des Friedensabkommens von Dayton, die Rolle von nationalen Akteuren und der Internationalen Gemeinschaft, die ökonomische Entwicklung von Bosnien und Herzegowina und nicht zuletzt die Initiativen die auf dem "grassroots-level" getätigt wurden, besonders in Zusammenhang mit den Fragen nach Versöhnungsarbeit, Zivilgesellschaft, Nationalismus oder auch die der Vergangenheitsbewältigung die Eckpfeiler darstellen. Wie der Titel der Arbeit verlautbart soll ein integrativer Ansatz zur Konfliktbearbeitung den Rahmen bieten, soll heißen, dass das Engagement aller beteiligten Akteure für den Friedensprozess thematisiert wird und nicht nur der Einfluss von "top-level"-Akteuren wie Politikern oder Diplomaten, sondern auch die vertikalen Beziehungen zwischen "top-level" und "grassroots-level". Diese genannten Aspekte verhalfen zu einem Erkenntnisinteresse, dem durch folgende Forschungsfrage Ausdruck verliehen wird: Wie kann der Friedensprozess in Bosnien-Herzegowina unter Berücksichtigung einer Analyse der politischen, ökonomischen, kulturellen und soziokulturellen Aspekte seit dem Ende des Krieges 1995 beurteilt werden? Um die zentrale Forschungsfrage zu beantworten dienten Interviews als qualitative Methode der Sozialwissenschaften und die Auswertung durch die Qualitative Inhaltsanalyse als geeignetes Instrument. Beginnend mit den historischen Aspekten des Friedensprozesses, kann die unbewältigte Vergangenheit als ein wesentliches Ergebnis genannt werden. Die grausamen Ereignisse des Krieges werden häufig verdrängt und gelangen somit in das Unterbewusstsein der Menschen, was die Gefahr mit sich bringt, dass dieses Unterbewusste zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufbricht. Aufgabe von Politikern, NGOs aber auch der Gesellschaft per se ist es, die Geschichte aufzuarbeiten und durch Gespräche und Initiativen die Geschehnisse der Vergangenheit adäquat zu adressieren. Bezüglich der politischen Aspekte ist eine Reform der Verfassung, sprich des Friedensabkommens von Dayton, ein unausweichlicher Schritt, der ehest möglich gemacht werden muss, da das Friedensabkommen von Dayton, wie der Name schon sagt, nicht als Verfassung dient und auch nicht mehr zeitgemäß ist. Eng verbunden mit dem Vertrag von Dayton ist die Rolle der Internationalen Gemeinschaft in Bosnien und Herzegowina. Anstatt eines kontinuierlich weniger werdenden Einfluss der Internationalen Gemeinschaft, stieg dieser in den letzten Jahren und geht soweit, dass nationale Politiker die Verantwortung auf die Internationale Gemeinschaft abschieben. Auffällig ist, dass es in der Gesellschaft ein großes Misstrauen gegenüber nationalen Politikern, aber auch gegenüber der Internationalen Gemeinschaft gibt, wobei ein zentraler Kritikpunkt an der Internationalen Gemeinschaft ihre fehlende Strategie für Bosnien und Herzegowina ist. Die ökonomische Situation ist, durch die aktuelle Wirtschaftskrise zusätzlich verstärkt, ein besorgniserregender Bereich, auch wenn es in den letzten Jahren einen minimalen konjunkturellen Aufschwung gab. Doch fehlen dem Land die Investitionen, die Arbeitslosigkeit sowie die Korruption ist hoch und junge Menschen verlassen aufgrund von fehlenden Perspektiven Bosnien und Herzegowina, um im Ausland zu arbeiten oder zu studieren. Was die soziokulturellen Aspekte anbelangt, so gibt es einerseits viele positive Initiativen, vor allem wenn es darum geht die Spannungen zwischen den ethnischen Gruppen abzubauen oder auch eine kritische Masse zu kreieren, die sich am politischen Geschehen partizipiert. Andererseits werden diese Initiativen von der nationalistischen Rhetorik vieler nationaler Politiker in den Schatten gestellt und zusätzlich scheint der Vertrag von Dayton, der die ethnische Trennung institutionalisierte, eine unüberschreitbare Hürde für die Herausbildung eines multiethnischen Staates zu sein. Zusammenfassend kann man sagen, dass der Friedensprozess in Bosnien und Herzegowina weder als erfolgreich noch als gescheitert bezeichnet werden kann. Zahlreiche Hindernisse und Probleme sorgen dafür, dass der Friedensprozess stagniert. Nichtsdestotrotz kann auch nicht von einem gescheiterten Friedensprozess die Rede sein, da dies ein Ende der Bemühungen implizieren würde und es sicherlich nicht zu spät ist, alternative Wege zu gehen, wobei dafür eine ideologische Kursänderung aller beteiligten Akteure vonnöten wäre.
Abstract
(Englisch)
The thesis at hand deals with the peacebuilding process in Bosnia and Hercegovina. The aim, respectively the cornerstone of the thesis is the analysis of historical, political, economic and social aspects of the peacebuilding process. Thus the focus of the thesis is not a discussion of one specific element, but rather a general estimation of the peacebuilding process. The main aspects, however, basically deal with the reasons why the conflict arose and along with this the historical backgrounds as a reason for the violent escalation. Furthermore, the political and socio-economic situation such as the positive and negative outcomes of the Dayton Agreement, the role of national actors and the International Community, the economic development were investigated. Finally it was evaluated which actions have been taken on the grassroots-level, especially when it comes to questions on reconciliation, civil society, nationalism or the process of "dealing with the past".An integrative approach to the peacebuilding process was the theoretical framework, which means that not only actions at the top-level, for example negotiations between politicians or diplomats, should be determined, but also actions on the grassroots-level and the vertical relationships between the different levels were exeeded. The aspects were taken into account and led to the following research question: Concerning the analysis of historical, political, economic and social aspects, how can the peace process be estimated in Bosnia and Hercegovina since 1995? In order to get some valid answers to this question, interviews were carried out and subsequently the qualitative content analysis as a method of evaluation served as an appropriate tool for answering the research question. Starting with the historical aspects of the peace process, one result was, that the problems and the consequences of the conflict are not adequately addressed and civilians in Bosnia and Hercegovina who witnessed all the crimes in the war, try to forget and ignore what happened, which can be very dangerous, because these memories could break up again in the future. National politicians as well as NGOs and the civil society are in demand not to cover these memories, but to talk about the happenings during the war. Regarding the political aspects one very important fact is, that a constitutional reform is inevitable, because the Dayton Agreement is still the statuary framework of Bosnia and Hercegovina and as such no longer adequate to the needs of this day and age. When it comes to the discussion of the Dayton Agreement the role of the International Community was one very important variable. The growing impact of the International Community in Bosnia and Hercegovina in the years after the end of the war has lead to a deep mistrust against the actions of the International Community in the society, albeit the mistrust against the national politicians is even higher. One very strong argument against the work of the International Community is the missing strategy for the nation-building process and that they focus too much on capacity building and less on initiatives on the grassroots-level. The economic situation is one deeply worrying factor in Bosnia and Hercegovina. Although the economy has been growing marginally in the last years, there is still a lack of investments, a high unemployment rate and corruption is widespread. The social elements in the peace process are ambivalent. There have been some very fruitful and positive initiatives in order to decrease the tensions between the different ethnic groups or to create a critical mass and along with this more participation of the civil society. But in contrast national politicians with their nationalistic rhetoric ensure that these initiatives stay limited. Another very important result is, that with the Dayton Agreement and its institutionalisation of ethnic segregation a multiethnic state is very difficult to reach, because a constitution which is based on segregation more than on unity is an almost impossible step to overcome. To sum up, the peace process in Bosnia and Hercegovina can be neither declared as a success nor as failed, because there are still too many obstacles and problems in order to declare it as a success, but on the other hand one can't declare it as failed, because this would imply, that it is too late to change the strategy and the key aspects. But to overcome all these obstacles all the actors including the International Community have to change their perceptions.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
Bosnia peace conflict
Schlagwörter
(Deutsch)
Bosnien Frieden Konflikt
Autor*innen
Christian Pilz
Haupttitel (Deutsch)
Integrative Konfliktbearbeitung am Beispiel des Konflikts in Bosnien und Herzegowina
Hauptuntertitel (Deutsch)
erfolgreicher oder gescheiterter Friedensprozess?
Paralleltitel (Englisch)
The case of Bosnia and Herzegovina ; an integrative approach of conflict transformation?
Publikationsjahr
2010
Umfangsangabe
138 S. : graph. Darst.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Wilfried Graf
Klassifikationen
70 Sozialwissenschaften allgemein > 70.02 Philosophie und Theorie der Sozialwissenschaften ,
89 Politologie > 89.76 Friedensforschung, Konfliktforschung ,
89 Politologie > 89.90 Außenpolitik, Internationale Politik
AC Nummer
AC08033178
Utheses ID
7808
Studienkennzahl
UA | 057 | 390 | |
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