Detailansicht
Coven of capital
the dual role of witches as economic scapegoats and political tools
Ada Julia Kandlhofer
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Internationale Entwicklung
Betreuer*in
Karin Schönpflug
DOI
10.25365/thesis.79686
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-14507.96528.542996-3
Link zu u:search
(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Diese Arbeit untersucht die europäischen Hexenverfolgungen zwischen 1450 und 1750 nicht als irrationale Ausbrüche von Aberglauben, sondern als strukturierte Reaktionen auf tiefgreifende soziale, politische, ökonomische und ökologische Umbrüche. Sie vertritt die These, dass Hexenjagden eine doppelte Funktion erfüllten: Einerseits dienten sie als Mechanismus der Sündenbockzuschreibung, durch den Gemeinschaften Ängste vor Hunger, Krankheit und Instabilität externalisierten. Andererseits wurden sie von weltlichen und kirchlichen Autoritäten gezielt eingesetzt, um Macht zu konsolidieren, Disziplin durchzusetzen und neue Hierarchien zu legitimieren. Die Analyse folgt fünf zentralen Forschungsfragen, die sich mit ökonomischen Transformationen, Staatsbildung und Rechtspluralismus, religiösen Reformbewegungen, den Überschneidungen sozialer Hierarchien sowie den ökologischen Krisen der „Kleinen Eiszeit“ befassen. Zur Beantwortung dieser Fragen werden Gerichtsakten, Rechtsquellen, theologische Schriften, demographische Daten und vergleichende Historiographie herangezogen. Ergänzt wird dies durch eine qualitative Fallstudie zu Polen, dessen dezentralisiertes Rechtssystem und religiöse Pluralität sowohl europäische Entwicklungen widerspiegelten als auch spezifische regionale Ausprägungen zeigten. Der theoretische Rahmen verbindet feministische Soziologie, Intersektionalität, Queer- und Transbefreiungstheorie sowie das Konzept der moral panic. Federicis Analyse der ursprünglichen Akkumulation verortet Hexenverfolgungen in der Disziplinierung weiblicher Reproduktions- und Arbeitskraft. Intersektionalität verdeutlicht, wie sich Verwundbarkeiten an den Schnittstellen von Geschlecht, Klasse und Glauben verdichteten. Die Transbefreiungsperspektive macht sichtbar, wie nicht-normative Körper überwacht und sanktioniert wurden, während Cohens Theorie der moral panic erklärt, wie gesellschaftliche Krisen in gezielte Gewalt übersetzt wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass Hexenjagden eine zentrale Rolle bei der Reorganisation von Geschlechter- und Arbeitsverhältnissen im Übergang zum Kapitalismus, bei der Festigung politisch-religiöser Autorität und bei der symbolischen Bewältigung ökologischer Katastrophen spielten. Durch die Einbettung in die International Development Studies wird ihre heutige Relevanz deutlich: Hexenverfolgungen veranschaulichen, wie Sündenbockmechanismen, geschlechtsspezifische Gewalt und moral panic in Zeiten struktureller Umbrüche entstehen und wirksam bleiben.
Abstract
(Englisch)
This thesis investigates the European witch hunts between 1450 and 1750 as structured responses to social, political, economic, and ecological transformations rather than as irrational outbreaks of superstition. It argues that witch hunts fulfilled a dual role: they operated as scapegoating mechanisms through which communities externalized anxieties about hunger, disease, and instability, and they were simultaneously employed by secular and ecclesiastical authorities to consolidate power, enforce discipline, and legitimize hierarchies. The analysis is guided by five central research questions that address economic transformations, state formation and legal pluralism, religious reform, intersecting hierarchies of identity, and ecological disruptions during the Little Ice Age. To answer these, the study combines archival records, legal statutes, theological texts, demographic data, and comparative historiography with a qualitative case study of Poland. The Polish experience, marked by a decentralized judiciary and religious pluralism, both mirrored broader European developments and displayed distinct local dynamics. The theoretical framework integrates feminist sociology, intersectionality, queer and trans liberation theory, and moral panic studies. Federici’s analysis of primitive accumulation situates witch hunts within the disciplining of women’s reproductive and productive labour. Intersectionality highlights compounded vulnerabilities across gender, class, and belief systems. Trans liberation theory emphasizes the policing of non-normative bodies, while Cohen’s concept of moral panic reveals how crises were translated into targeted violence. The findings demonstrate that witch hunts were central to the reorganization of gender and labour during the transition to capitalism, to the consolidation of political and religious authority, and to the symbolic management of ecological disaster. By situating witch hunts within International Development Studies, the thesis underscores their continuing relevance for understanding how scapegoating, gendered violence, and moral panic emerge in times of structural transformation.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Hexenverfolgungen Hexenjagden Hexen
Schlagwörter
(Englisch)
witchcraft witch hunts European witch hunts
Autor*innen
Ada Julia Kandlhofer
Haupttitel (Englisch)
Coven of capital
Hauptuntertitel (Englisch)
the dual role of witches as economic scapegoats and political tools
Publikationsjahr
2025
Umfangsangabe
105 Seiten : Illustrationen
Sprache
Englisch
Beurteiler*in
Karin Schönpflug
Klassifikationen
15 Geschichte > 15.08 Sozialgeschichte ,
70 Sozialwissenschaften allgemein > 70.01 Geschichte der Sozialwissenschaften
AC Nummer
AC17717774
Utheses ID
78093
Studienkennzahl
UA | 066 | 589 | |
