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Rethinking the recognition-redistribution dilemma
the underestimated power of recognition
Thomas Schiendorfer
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Philosophy and Economics
Betreuer*in
Cosmin Vraciu
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.79779
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-20520.05451.796385-0
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Das Recognition-Redistribution dilemma entwickelte sich ursprünglich aus der Idee einer Kritischen Theorie heraus und wurde mit der Zeit zu einem eigenständigen Thema. Heutzutage sehen wir, dass Ungerechtigkeit sehr viele verschiedene Facetten annehmen kann. Beispielsweise Misogynie, Ableismus, Rassismus oder unterschiedliche Formen religiöser Abwertung auf der einen Seite, und finanzielle Diskriminierung, das marxistische Konzept der Arbeiterklasse oder den Gender-Pay-Gap auf der anderen. Erstere können als kulturelle Ungerechtigkeiten klassifiziert werden, während letztere als ökonomische Ungerechtigkeiten bezeichnet werden können. Das eigentliche Dilemma entsteht aus den jeweiligen Lösungsansätzen der beiden Dimensionen. Kulturelle Ungerechtigkeiten beruhen auf einer Abwertung inhärenter Charakteristika durch fehlende Anerkennung und verlangen somit nach einer entsprechenden Wertschätzung. Materielle Ungerechtigkeiten wiederum beruhen auf einer unterschiedlichen Behandlung gewisser Gruppen in ökonomischer Hinsicht, was bedeutet, dass ein entsprechender Lösungsansatz nach Gleichbehandlung ohne jegliche Art von Differenzierung verlangt. Zusammengefasst bedeutet das, dass wir einerseits zwar als Ziel die Wertschätzung von unterschiedlichen Charakteristika der jeweiligen Gruppen benötigen, andererseits aber auch auf Gleichheit im ökonomischen Sinne abzielen und jegliche Art der Unterscheidung vermeiden wollen. Diese beiden Ziele widersprechen sich, was wiederum in verschiedenen Artikeln diskutiert wurde, insbesondere innerhalb der dritten Generation der Frankfurter Schule, beispielsweise zwischen Nancy Fraser und Axel Honneth. Beide präsentierten ihre eigenen Lösungsansätze für dieses Dilemma in verschiedenen Publikationen. Da sich beide Dimensionen überschneiden und überlappen, argumentiert Fraser für einen dualistischen Ansatz, der versucht, beiden Sphären gerecht zu werden. Das bedeutet, dass wir in manchen Fällen mit Umverteilung beginnen müssen, um Anerkennung zu erreichen und umgekehrt. Honneth hingegen behauptet, dass eine entsprechende Anerkennung dazu in der Lage ist, sämtliche Arten von Ungerechtigkeit umfassen zu können, unabhängig davon, ob es sich um ökonomische oder kulturelle handelt. Auf welchen dieser Lösungsansätze sollten wir also vertrauen? Während das Thema seinen Höhepunkt durch Fraser und Honneth erreichte, hat sich die Debatte um eine gerechte Gesellschaft weiterentwickelt, zum Beispiel zur Diskussion zwischen relational und distributional egalitarians. Diese Arbeit diskutiert die Theorie der relational equality und argumentiert für deren Stärke, beziehungsweise ihrer Priorität vor jeglichen Verteilungstheorien im Hinblick auf Fragen der Gerechtigkeit. Relational egalitarians behaupten, dass eine gerechte Gesellschaft nur durch die Beziehung ihrer Mitglieder unter- und zueinander gewährleistet werden kann. Ausgehend von einer festen Beziehung oder einer Ehe, wird behauptet, dass jede:r Beteiligte das Recht auf eine entsprechende Wertschätzung basierend auf ihren oder seinen persönlichen Interessen, Wünschen, Talenten und Bedürfnissen hat. Wenn wir diese Idee als Ausgangspunkt für die Definition einer gerechten Beziehung hernehmen, können wir das Konzept auch auf gesellschaftlicher Ebene anwenden. Im gleichen Sinne wie jegliche Bedürfnisse als Richtwert fungieren sollen, sollte dies auch auf gesellschaftlicher Ebene gelten, obwohl wir aufgrund der breiten Masse mit verschiedenen Problemen konfrontiert werden. Tatsächlich können Ungleichheiten auftreten, besonders in einer demokratischen und kapitalistischen Gesellschaft. Da Talente unterschiedlich verteilt sind, werden diese auch unterschiedlich gefördert und unterstützt. Aber die besprochenen Unterschiede dürfen im Endeffekt nichts über den Status einer Person aussagen. Verteilungsfragen, genauso wie beispielsweise auch die Gesetzeslage, verfügen somit über instrumentellen Wert, während die relational equality als intrinsisch wertvoll angesehen werden kann. Das bedeutet, ersteres wird durch letzteres geleitet. Daher kann eine entsprechende Verteilung zwar als ein wichtiger Teilbereich gesehen werden, aber nicht als eigentliches Ziel. Und gleichzeitig kann eine Gleichverteilung zwar eine Lösung darstellen, muss aber nicht zwingend als solche gesehen werden. Wenn wir uns auf die Theorie der relational equality im Hinblick auf eine gerechte Gesellschaft einigen, können wir diese auch auf das zuvor besprochene Dilemma anwenden. Eine weitere Frage, die diese Arbeit beantworten möchte, lautet daher: Was würde dies für das Recognition-Redistribution Dilemma bedeuten? Diese Arbeit vertritt die These, dass Honneths schlussendlich Recht behält, denn was es in erster Linie braucht, um jegliche Art von Ungerechtigkeit zu überwinden, ist eine entsprechende Anerkennung. Das ermöglicht uns, Fragen der Verteilung als sekundäres Ziel zu betrachten, da eine entsprechende Definition von Anerkennung sämtliche Arten von Ungerechtigkeiten umfassen kann und somit den ersten Schritt hin zu einer gerechten Gesellschaft bedeutet.
Abstract
(Englisch)
The Recognition-Redistribution dilemma, originally developed from the concept of a Critical Theory, has become a big topic of its own. Nowadays, we face certain injustices like misogyny, ableism, racism, and any kind of religious devaluation on the one hand, and financial discrimination, the Marxian conception of the working class, or the gender pay gap on the other hand. The former may be called cultural injustices, while the latter ones can be described as economic injustices. However, the actual dilemma results in remedies for both of them. While cultural injustices go back to the devaluation of certain groups according to their inherent characteristics through nonrecognition, the remedy seems to be the recognition of certain group characteristics. The latter goes back to a different treatment of certain groups in an economic sense, where a remedy would call for equality, without any kind of differentiation. In a nutshell, that would mean we aim for the valuation of certain differential characteristics of particular group members as the goal of recognition, while what we want to achieve in an economic sense is parity, without any kind of differentiation. These two aims contradict each other, which has been discussed in many papers, especially within the third generation of the Frankfurt School, between Nancy Fraser and Axel Honneth. Each of them presents their own solution to the dilemma in various publications. As both dimensions overlap and are intertwined, Fraser claims that what’s needed is a so-called dualistic approach, which serves both dimensions at the same time. So in certain cases, we start with redistribution to gain recognition, and vice versa. Honneth, on the other hand, claims that recognition can encompass all kinds of injustices, no matter if economic or cultural. So, which solution should we rely on? While the topic has reached its climax through Fraser and Honneth, the discussion concerning a just society has moved on and addresses other theories like the dispute between relational and distributive egalitarians. This thesis aims to discuss the idea of relational equality and argues for its strength, respectively, its justificatory priority above any distributional theories. Relational egalitarians claim that a just society can be defined through the relations of its members. Outgoing from a committed relationship or a marriage, they claim that each participant has the right to their dignity according to his or her personal interests, wishes, desires, talents, and needs. When we see that as a starting point for defining an equitable relationship, we can go further, applying the concept at a societal level. In the same sense as important needs work as guidance, this should hold as well for society, although we may face certain problems on that broader level. Indeed, inequalities as such can occur, especially within a democratic and capitalistic society. Further, as various talents aren’t distributed equally, they should be supported and encouraged individually. But in the end, the inequalities mentioned shouldn’t say anything about the status of an agent. However, distribution as well as the legal level work as an instrumental value, while relational equality as such can be seen as an intrinsic value. So the former will be guided by the latter. Therefore, distribution may be an important goal, but not the only one. And at the same time, an equal distribution can be a solution, but it must not necessarily be. If we agree on the idea of relational equality as a just society, we may apply that to the initial dilemma. Another question that this paper tries to answer is, if we agree on a just society according to relational equality, what does that mean for the Recognition-Redistribution dilemma? What this thesis wants to argue for is that we will find out that Honneth is right, and what’s needed first is recognition to overcome any kind of injustice. This enables us to treat distribution as a sub-goal of recognition, as an appropriate definition of the latter can encompass all kinds of injustices.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Anerkennung Umverteilung Dilemma Gerechtigkeit
Schlagwörter
(Englisch)
Recognition Redistribution Dilemma Justice Equality
Autor*innen
Thomas Schiendorfer
Haupttitel (Englisch)
Rethinking the recognition-redistribution dilemma
Hauptuntertitel (Englisch)
the underestimated power of recognition
Publikationsjahr
2025
Umfangsangabe
51 Seiten : Illustration
Sprache
Englisch
Beurteiler*in
Cosmin Vraciu
Klassifikationen
08 Philosophie > 08.24 Neue westliche Philosophie ,
08 Philosophie > 08.38 Ethik
AC Nummer
AC17723795
Utheses ID
78227
Studienkennzahl
UA | 066 | 642 | |
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