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Reflexionen zur Naturentfremdung des Menschen
Joachim Hess
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Lehramt Sek (AB) Unterrichtsfach Biologie und Umweltbildung Unterrichtsfach Psychologie und Philosophie
Betreuer*in
Natascha Gruver
DOI
10.25365/thesis.79976
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-10277.14484.821113-1
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Naturdefinitionen unterliegen einem historischen Wandel und variieren oder widersprechen sich je nach Disziplin und Betrachtungsweise. Diese Definitionspluralität führt zu Entfremdung, da weder die Natur selbst noch unsere Verortung in ihr eindeutig bestimmbar erscheinen. Aristoteles versteht Natur als das, was in sich selbst den Ursprung von Veränderung und Bestand trägt, Thomas Kirchhoff betont ihre kulturelle Prägung, während sie in der Ökologie auf das Messbare reduziert wird. Dennoch ist Natur nicht bloß sprachliches oder kulturelles Konstrukt, sondern eine reale Gegebenheit, wie der Neue Realismus nach Maurizio Ferraris hervorhebt. Ulrich Kattmanns sieben Naturweisen ergänzen diese Betrachtung durch die Alltagsvorstellungen. Eine Auseinandersetzung mit der Natur wirft die Frage nach der Stellung des Menschen auf. Als biologisches Wesen sind wir Teil der Natur und besitzen eine angeborene Tendenz zum Lebendigen (Biophilie). Problematisch ist die Synonymverwendung von „Natur“ und „Wesen“, da sie ungleiche Begriffe vermischt. Nach Arnold Gehlen ist der Mensch das noch nicht festgelegte Tier. Unser Wesen ist entweder genetisch bedingt oder eine Form von innerer Verpflichtung, die wir Rahel Jaeggi zufolge in einen neuen Bedeutungsrahmen führen können. Der Jugendreport Natur zeigt eine Naturentfremdung auf. Naturkontakte nehmen ab, während zugleich die Fehlvorstellung besteht, alles Natürliche sei per se gut, wodurch der Mensch als Störfaktor erscheint. Nach Ernst Cassirer ist Erkenntnis eine Form von symbolischer Handlung, weshalb Natur erlebt werden muss, um sie begreifen zu können. Die Anerkennung ihres Eigenwertes ermöglicht, Natur im Sinne Erich Fromms zu Sein, statt sie zu Haben. Da Natur zugleich unser Lebensraum ist, gewinnt das Konzept der gelebten Natur besondere Bedeutung, denn wir nutzen sie nicht nur, sondern sind in fundamentaler Weise von ihr abhängig.
Abstract
(Englisch)
Definitions of nature are historically contingent and vary across disciplines and perspectives, often even contradicting one another. This definitional plurality leads to alienation, as neither nature itself nor our position within it appears clearly determinable. Aristotle understood nature as the internal principle of change inherent to a being.; Thomas Kirchhoff stresses its cultural shaping; and ecology reduces it to what can be measured. Yet nature is not merely a linguistic or cultural construct but also a real given, as emphasized by Maurizio Ferraris’ New Realism. Ulrich Kattmann’s “sieben Weisen des Naturverständnis“ enrich this spectrum, contributing to a multidimensional understanding. The question of nature also raises the issue of human nature. As biological beings, we are part of nature and possess an innate tendency toward the living (biophilia). The synonymous use of “nature” and “essence,” however, is problematic, as it conflates distinct concepts. Arnold Gehlen describes humans as the not-yet-determined animal, while Rahel Jaeggi argues that our essence is shaped through obligations that can be reinterpreted within new frameworks of meaning. The “Jugendreport Natur“ highlights a growing alienation: direct experiences of nature decline, while the misconception persists that everything “natural” is inherently good, casting humans as intruders. For Ernst Cassirer, knowledge is a symbolic act, implying that nature must be experienced in order to be understood. Recognizing its intrinsic value makes it possible to relate to nature, in Erich Fromm’s sense, as “being” rather than merely “having.” As our shared habitat, nature demands special attention, for we both use and fundamentally depend upon it.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Naturentfremdung Naturphilosophie Essentialismus Naturverständnis Biophilie Neue Realismus
Autor*innen
Joachim Hess
Haupttitel (Deutsch)
Reflexionen zur Naturentfremdung des Menschen
Paralleltitel (Englisch)
Reflections on humanity's alienation from nature
Publikationsjahr
2025
Umfangsangabe
102 Seiten : Illustration
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Natascha Gruver
Klassifikation
08 Philosophie > 08.46 Naturphilosophie
AC Nummer
AC17745070
Utheses ID
78390
Studienkennzahl
UA | 199 | 502 | 525 | 02
