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Cute care
performative Niedlichkeiten und Sorge zwischen Er- und Entmächtigung
Elias Florian Fromm
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Theater-, Film- und Medienwissenschaft
Betreuer*in
Stefan Georg Schweigler
DOI
10.25365/thesis.80018
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-10286.22296.864934-5
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Verbindung zwischen Niedlichkeit und Sorge sowie der Art und Weise, wie diese Verbindung, die vor allem eine medial vermittelte ist, machtvoll wirkt. Ausgangspunkt der theoretischen Überlegungen ist dabei, dass eine Betrachtung der Verniedlichung von Sorge – die unter anderem in Konrad Lorenz Begriff des „Kindchenschemas“ angelegt ist und von diesem aus weiterentwickelt wurde – ein performatives Verständnis von Niedlichkeit voraussetzt. Der aktuelle medien- und kulturwissenschaftliche Theoriekorpus über das Niedliche reicht dementsprechend nicht aus, um diesen Konnex zu greifen. Denn dieser tendiert dazu, Niedlichkeit entweder allein aus der Warenkultur heraus zu betrachten und somit dessen objektifizierende Qualitäten überzubetonen oder sich allein auf die Verbindung von Niedlichkeit mit positivem Affekt zu fokussieren, was wiederum machtvolle und marginalisierende Wirkweisen des Niedlichen ausblendet. Ein performatives Verständnis des Niedlichen betont hingegen Niedlichkeit als komplexes Referenzsystem, das auf unterschiedliche Arten und Weisen – objektifizierende wie ermächtigende – angerufen werden kann und so gesellschaftliche Relationalitäten ebenso hervorbringt wie strukturiert. Mit einem performativen Niedlichkeitsbegriff lässt sich die Frage stellen, auf welche Art und Weise sich Sorge um Niedlichkeit herum organisiert und wie diese Organisation medial vermittelt wird. Diese Frage erweist sich im Kontext von Behinderung als relevant, da die entmächtigenden Einsätze und Wirkweisen von Niedlichkeit hier besonders häufig wirken, wie beispielsweise im Fall von Spendengalas oder allgemein im Kontext von Charity. In Bezug auf Konrad Lorenz „Kindchenschema“, das sich in der Analyse vollends als eine biologisierte, kulturelle Kategorie erweist, lässt sich dabei ein sanktionierter Korridor des Niedlichen betrachten, der sowohl auf Körperbilder als auch auf Verhaltensweisen abzielt. Performative Verniedlichungsprozesse stellen sich so als eine Marginalisierungsform von Personen mit Behinderung dar, die es vermag, marginalisierende Körpernormen über einen positiven Affekt wirksam werden zu lassen. Gleichzeitig wirkt Niedlichkeit aber niemals nur objektifizierend oder marginalisierend, vielmehr eröffnet sich das Referenzsystem für performative Anrufungen, die Handlungsmacht auch herstellen kann. Unter anderem geschieht das in crip-queeren Kontexten, in denen dann statt einer Objektifizierung ein produktives Spiel mit dem Niedlichen ausgemacht werden kann, das neben dem evozierten positiven Affekt auch subversives Potential bietet. Das niedliche Referenzsystem ist in seiner Performativität also stark heterogen ausgeprägt.
Abstract
(Englisch)
This paper examines the connection between cuteness and care, as well as the powerful impact of this mediated connection. Its theoretical considerations are based on the premise that an examination of the “cute-ification” of care—which is inherent in Konrad Lorenz's concept of the “Kindchenschema” (child schema)—requires a performative understanding of cuteness. The current body of media and cultural studies theory on cuteness is insufficient to grasp this connection. This is because these theories tend to view cuteness either solely from the perspective of commodity culture, thus overemphasizing its objectifying qualities, or focus solely on the connection between cuteness and positive affect, which in turn obscures the powerful and marginalizing effects of cuteness. A performative understanding of cuteness, on the other hand, emphasizes cuteness as a complex reference system that can be invoked in different ways—both objectifying and empowering—and thus both produces and structures social relationalities. With a performative concept of cuteness, we can ask how cuteness organizes care and how this organization is produced by its mediality. This question is particularly relevant in the context of dis/ability, as the disempowering uses and effects of cuteness are especially common here, for example in the case of fundraising galas or in the broader charity context. With reference to Konrad Lorenz's “Kindchenschema,” which analysis reveals to be entirely a biologized, cultural category, we can observe a sanctioned corridor of cuteness that targets both body images and behaviors. Performative processes of “cute-ification” thus represent a form of ableist marginalization that is particularly inconspicuous because it actualizes marginalizing body ideals and images through positive affect. At the same time, however, cuteness never has a purely objectifying or marginalizing effect; rather, the reference system is open to performative invocations that can also create agency. Among other places, this happens in crip-queer contexts, where, instead of objectification, a productive play with cuteness can be identified that offers subversive potential in addition to the evoked positive affect. The cute reference system is therefore highly heterogeneous in its performativity.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Niedlichkeit Sorge Performativität Kindchenschema Medien Ästhetik Affekt
Schlagwörter
(Englisch)
Cuteness Care Performativity Child Schema Media Aesthetics Affect
Autor*innen
Elias Florian Fromm
Haupttitel (Deutsch)
Cute care
Hauptuntertitel (Deutsch)
performative Niedlichkeiten und Sorge zwischen Er- und Entmächtigung
Paralleltitel (Englisch)
Cute care
Paralleluntertitel (Englisch)
performative cuteness and care between empowerment and disempowerment
Publikationsjahr
2025
Umfangsangabe
i, 97 Seiten : Illustrationen
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Stefan Georg Schweigler
Klassifikationen
02 Wissenschaft und Kultur allgemein > 02.00 Wissenschaft und Kultur allgemein. Allgemeines ,
10 Geisteswissenschaften allgemein > 10.00 Geisteswissenschaften allgemein. Allgemeines
AC Nummer
AC17747837
Utheses ID
78402
Studienkennzahl
UA | 066 | 583 | |
