Detailansicht
Performative Vergemeinschaftung
Ansätze zu einer Phänomenologie religiöser und politischer Zusammengehörigkeit
Georg Harfensteller
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Doktoratsstudium der Philosophie Philosophie
Betreuer*innen
Georg Stenger ,
Michael Staudigl
DOI
10.25365/thesis.81295
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-17225.24333.919756-6
Link zu u:search
(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Die Dissertation untersucht, wie sich Gemeinschaft aufgrund gemeinsamer Erlebnisse ausbildet und in unterschiedliche Sinnkontexte einbettet. Im ersten Teil wird eine methodische Grundlegung performativer Vergemeinschaftung vorgeschlagen, die im zweiten und dritten Teil an religiösen und politischen Zusammenkünften erprobt wird. Folgende Intuition leitet das Vorhaben: Das Gefühl der Zugehörigkeit drückt sich darin aus, dass wir uns in Nähe zueinander erfahren und auf Dinge in gleicher Weise ausgerichtet sind. Gemeinschaft resultiert daraus, dass uns die Welt gemeinsam fremd und vertraut geworden ist. Um diese besondere, vorreflexive Facette des Zusammenlebens nachzuvollziehen, schlägt die Arbeit eine phänomenologische Analyse der affektiven Sedimentierung von Fremdheit und Vertrautheit vor. Ziel ist es, den Einfluss dieser handlungsbegleitenden Affekte auf die Gemeinschaft in ihrer “gefühlten Zusammengehörigkeit” (Max Weber) nachzuzeichnen. Dafür werden die Aspekte gemeinsamen Erlebens betrachtet, in denen Ansprüche bewältigt werden und sich Verhaltensweisen gemeinsam und wechselseitig bewähren. Methodisch und strukturell ist die Dissertation mit ihrem Anschluss an Alfred Schutz in der Sozialphänomenologie verortet. Die Erlebnisanalyse stützt sich wesentlich auf eine responsive Phänomenologie intersubjektiver Alterität ausgehend von Bernhard Waldenfels. Der Übergang vom wechselseitigen und lebensweltlich eingebetteten Handeln zur sozialen Beziehung der Gemeinschaft ist im Begriff performativer Vergemeinschaftung gefasst. Neben der gefühlten Zugehörigkeit zu anderen Akteur:innen ist Gemeinschaft in spezifische Sinnkontexte eingebettet. Sie ist kontextsensitiv: soziale Akteur:innen können zahlreiche Zugehörigkeiten vereinen und fühlen sich in unterschiedlichen Situationen mit unterschiedlichen Gemeinschaften verbunden. Es werden zwei endliche Sinnprovinzen von besonderer gesellschaftlicher Relevanz untersucht: die des Religiösen und des Politischen. Die methodologische Grundlegung wird somit auf diese Bereiche angewandt und exemplarisch bestätigt. Zahlreiche Analysen der Religionsphänomenologie und der politischen Phänomenologie werden dafür auf die Gemeinschaftlichkeit zugespitzt. Die Besonderheiten der jeweiligen Erlebnisstile erlauben es, unterschiedliche “Typen” religiöser und politischer Gemeinschaft vorzuschlagen. Die Konvergenzen und Konflikte, die sich aus der Differenzierung unterschiedlicher Formen der Gemeinschaftlichkeit ergeben, unterstreichen die interdisziplinäre und gesellschaftliche Tragweite der Dissertation.
Abstract
(Englisch)
This dissertation examines how community is constituted through shared experiences and how it is embedded within different contexts of meaning. The first part proposes a methodological foundation for performative communal bonding, which is subsequently applied to religious and political gatherings in the second and third parts. The project is guided by the following intuition: the feeling of belonging manifests in our experience of being in proximity to one another and being similarly oriented toward the world. Community arises from the fact that the world has become both alien and familiar to us together. To understand this specific, pre-reflective dimension of communal life, the thesis offers a phenomenological analysis of the affective sedimentation of strangeness and familiarity. The aim is to identify the influence of these action-related affects on community in its form of perceived togetherness (Max Weber). Accordingly, the focus lies on aspects of shared experience in which challenges are overcome and behavior proves itself together and reciprocally. Methodologically and structurally, the dissertation is situated within social phenomenology, with particular emphasis on Alfred Schutz. The analysis of lived experience draws significantly on Bernhard Waldenfels’s responsive phenomenology of intersubjective alterity. The transition from reciprocal, lifeworld-embedded action to the social relation of community is conceptualized as performative communal belonging. Beyond the sense of belonging among actors, communality is embedded in specific contexts of meaning. It is context-sensitive: social actors may combine multiple affiliations and feel connected to different communities across varying situations. Two finite provinces of meaning of particular social relevance are examined: the religious and the political. The methodological framework is thus applied to these domains. Various analyses in religious and political phenomenology are reinterpreted in light of communality. The distinct experiential styles of each domain allow for the proposal of different types of religious and political communities. The convergences and tensions arising from the differentiation of these communal forms highlight the interdisciplinary and societal relevance of the dissertation.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Phänomenologie Sozialphänomenologie Alfred Schütz Bernhard Waldenfels Politische Phänomenologie Religionsphänomenologie Gemeinschaft Vergemeinschaftung Zusammengehörigkeit Gruppenbildung Einfühlung Intersubjektivität Performativität Fremderfahrung Affekte
Haupttitel (Deutsch)
Performative Vergemeinschaftung
Hauptuntertitel (Deutsch)
Ansätze zu einer Phänomenologie religiöser und politischer Zusammengehörigkeit
Paralleltitel (Englisch)
Performative communal bonding
Paralleluntertitel (Englisch)
approaches towards a phenomenology of religious and political belonging
Publikationsjahr
2025
Umfangsangabe
643 Seiten : Illustrationen
Sprache
Deutsch
Beurteiler*innen
Thomas Bedorf ,
Martin Endreß
Klassifikation
08 Philosophie > 08.44 Sozialphilosophie
AC Nummer
AC17906260
Utheses ID
78544
Studienkennzahl
UA | 792 | 296 | |
