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Die Grenzen des Wissens im umweltrechtlichen Genehmigungsverfahren
Anja Ludwig
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Rechtswissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Doktoratsstudium der Rechtswissenschaften Rechtswissenschaften
Betreuer*in
Christian Schmelz
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.81302
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-28456.28949.465732-5
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die Dissertation untersucht, wie das Umweltrecht mit wissenschaftlicher Ungewissheit über potenzielle Umweltauswirkungen umgeht. In umweltrechtlichen Genehmigungsverfahren (wie der Umweltverträglichkeitsprüfung) sind die Umweltauswirkungen eines Vorhabens bereits ex-ante festzustellen und zu bewerten. Jedoch gibt es Fälle, in denen eine verlässliche Prognose nach aktuellem wissenschaftlichem oder technischem Stand (noch) nicht abschließend möglich ist. Einen Lösungsvorschlag, mit diesem Unwissen rechtlich umzugehen, bietet das Vorsorgeprinzip. Ziel der Arbeit ist es darzulegen, wie das Vorsorgeprinzip mit Unwissen umgeht, ob es zu einer Beweislastumkehr führt, und wer was mit welcher Wahrscheinlichkeit zu beweisen hat. Zudem wird untersucht, ob nationale Behörden ein Vorhaben trotz wissenschaftlicher Ungewissheit nach dem UVP-G genehmigen dürfen. Die Arbeit untersucht hierfür das Völkerrecht, das Unionsrecht und das nationale Recht rechtsdogmatisch und vergleicht die einschlägige Rechtsprechung. Die Untersuchung zeigt, dass das Vorsorgeprinzip berechtigt (jedoch nicht verpflichtet), trotz mangelnder Gewissheit über drohende Schäden tätig zu werden. Das Vorsorgeprinzip führt nicht automatisch zu einer Beweislastumkehr; diese kann jedoch ausdrücklich normiert werden. Die Untersuchungen des UVP-G und der Erkenntnisse zum Gesamtlärm und Mikro- und Nanoplastik zeigen deutlich, dass fehlendes Wissen im nationalen Recht (richtigerweise) nicht zur Abweisung eines UVP-Genehmigungsantrags führt. Darüber hinaus wird deutlich, dass die behördliche UVP-Entscheidung stets eine Prognoseentscheidung ist, die eine Wahrscheinlichkeitsrechnung beinhaltet. Eine absolute Gewissheit kann nicht verlangt werden, weil eine absolute Gewissheit einer Prognose bereits begrifflich nicht innewohnt und auch naturwissenschaftlich nicht möglich ist. Die Dissertation verdeutlicht, dass wissenschaftliche Unsicherheit ein struktureller Bestandteil des Risikomanagements ist. Auch das Umweltrecht kann wissenschaftliche Unsicherheit nicht gänzlich beseitigen, es kann jedoch als Instrument eines bewussten Risikomanagements im Spannungsverhältnis zwischen Innovation und Umweltschutz dienen.
Abstract
(Englisch)
This dissertation examines how environmental law deals with scientific uncertainty about potential environmental impacts. In environmental impact assessments the environmental effects of a project must be identified and evaluated ex ante. However, there are cases in which a reliable prognosis is not (yet) possible based on the current state of scientific or technical knowledge. The precautionary principle offers a proposed legal framework for dealing with this uncertainty. The aim of this thesis is to explain how the precautionary principle deals with uncertainty, whether it leads to a reversal of the burden of proof, and who has to prove what and with what degree of probability. Moreover, it investigates whether national authorities may approve a project under the national Environmental Impact Assessment Act (UVP-G) despite scientific uncertainty. To this end, the thesis conducts a doctrinal legal analysis of international law, EU law, and national law and compares the relevant jurisprudence. The study shows that the precautionary principle justifies (but does not oblige) action in the absence of certainty about potential harm. The precautionary principle does not automatically lead to a reversal of the burden of proof; however, such a reversal can be explicitly established by law. The analyses of the UVP-G and the findings on cumulative noise (Gesamtlärm) and micro- and nanoplastics clearly demonstrate that a lack of knowledge does not (and should not) lead to the rejection of an EIA application under national law. Furthermore, it becomes clear that administrative EIA decisions are always prognostic decisions that involve a probability calculation. Absolute certainty cannot be required as absolute certainty is conceptually incompatible with the nature of a prediction and is scientifically impossible. The dissertation highlights that scientific uncertainty is a structural component of risk management. Environmental law cannot eliminate scientific uncertainty, but it can serve as an instrument of conscious risk management within the tension between innovation and environmental protection.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Öffentliches Recht Umweltrecht Umweltverträglichkeitsprüfung Vorsorgeprinzip
Autor*innen
Anja Ludwig
Haupttitel (Deutsch)
Die Grenzen des Wissens im umweltrechtlichen Genehmigungsverfahren
Paralleltitel (Englisch)
The limits of knowledge in the environmental permitting procedure
Publikationsjahr
2025
Umfangsangabe
185 Seiten
Sprache
Deutsch
Beurteiler*innen
Wilhelm Bergthaler ,
Christian Piska
Klassifikation
86 Recht > 86.62 Naturschutzrecht. Landschaftsschutzrecht. Umweltrecht
AC Nummer
AC17907096
Utheses ID
78968
Studienkennzahl
UA | 783 | 101 | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1