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Über Leben
towards a logic of life
Paul Poledna
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Doktoratsstudium der Philosophie Philosophie
Betreuer*in
Andrea Loettgers
DOI
10.25365/thesis.81296
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-28519.39994.846382-0
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Im Zentrum dieser Arbeit steht die Frage nach der fundamentalen Differenz zwischen Leben und unbelebter Materie. Die hier entwickelte These postuliert, dass diese Differenz nicht in einer bestimmten Substanz, sondern in einer spezifischen Form prozessualer Organisation zu finden ist. Leben, so die Argumentation, entsteht an jenem Punkt, an dem Systeme von der passiven Dissipation von Energiegradienten zu einer aktiven Aufrechterhaltung ihrer eigenen organisationalen constraints übergehen. Der erste Teil, Genesis, legt diesen Gedanken theoretisch dar. Er entwickelt aus der Synthese von Prozess, Relation und constraint eine Alternative zu mechanistischen und vitalistischen Ansätzen. Die einzigartigen Eigenschaften des Lebens, wie etwa intrinsische Zweckgerichtetheit (Teleologie), werden als emergentes Resultat selbstreferenzieller Dynamiken verstanden. Dies mündet im Konzept des self-constraint, einem Zustand, in dem sich gekoppelte selbstorganisierende Prozesse gegenseitig stabilisieren und so ihr Fortbestehen fernab des Equilibrium sichern. Der zweite Teil, Paradox, widmet sich den philosophischen Implikationen dieses Ansatzes. Es wird ein skaleninvariantes Muster herausgearbeitet, eine wiederkehrende Sequenz aus Wachstum, Störung und Reorganisation, das sich von der molekularen Ebene bis hin zu Ökosystemen zeigt. Diese Dynamik wird als eine prozessuale Logik formalisiert, die als Zyklische Synthese bezeichnet wird. Sie erklärt, wie Kohärenz aus der zeitlichen Koordination gegensätzlicher Kräfte erwächst und Paradoxien durch prozessuale Perspektiven aufhebt. Der abschließende Teil, Diskontinuität, wendet sich der Frage von Skalierung und Komplexität zu. Zu Beginn wird die Differenz zwischen lebendigen Systemen und Computersystemen herausgearbeitet. Dann wird argumentiert, dass sich differenzierbare Organisationsebenen in lebendigen Systemen herausbilden, stabile Domänen, die durch systematische Exklusion definiert und durch die energetische Arbeit aktiv aufrechterhalten werden. Die Arbeit schließt mit einer Reinterpretation wissenschaftlicher Modellierung als einen Akt der Selektion. Plädiert wird für eine Praxis der Partialität, die Wissen nicht als statische Repräsentation, sondern als eine dynamische, verkörperte und zyklische Errungenschaft begreift.
Abstract
(Englisch)
This thesis investigates the question of what distinguishes life from non-living matter, proposing that the answer lies not in a particular substance but in a specific form of processual organization. Moving beyond classical thermodynamics and selforganization, the argument is developed that life emerges when systems transition from dissipating energy gradients to actively maintaining their own organizational constraints over time. The first part, Genesis, establishes a theoretical foundation by synthesizing concepts of process, relation, and constraint. It critiques purely mechanistic and vitalist views, arguing instead that life’s unique properties, such as intrinsic purpose (teleology), arise from the emergence of self-referential, closed-loop dynamics. This culminates in the concept of self-constraint, where coupled self-organizing processes mutually constrain each other, enabling persistence far from equilibrium. The second part, Paradox, explores the philosophical implications of this framework. It identifies a scale-invariant pattern, the Constraint Cycle—a recurring sequence of growth, disruption, and reorganization—that manifests from molecular systems to ecosystems. This dynamic is formalized as a processual logic termed Cyclical Synthesis, which explains how coherence emerges from the temporal coordination of opposing forces, resolving paradox through process rather than static resolution. This necessitates a shift from a synchronic to a diachronic scientific worldview. The final part, Discontinuity, applies this framework to broader questions of scale and complexity. It distinguishes living systems from computational AI, which operates within a bounded small world with extrinsic goals. It further argues that levels of organization emerge as constraint regimes—stable domains defined by systematic exclusion—which are actively maintained through the energetic work of Distributed Integration. The thesis concludes by re-framing scientific modelling itself as an act of constraint selection, advocating for a practice of partiality that recognizes knowledge as a dynamic, embodied, and cyclical achievement.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Theoretische Biologie Selbstorganisation Komplexitätstheorie
Schlagwörter
(Englisch)
Philosophy of Biology Self-organization Artificial Intelligence
Autor*innen
Paul Poledna
Haupttitel (Englisch)
Über Leben
Hauptuntertitel (Englisch)
towards a logic of life
Publikationsjahr
2025
Umfangsangabe
443 Seiten : Illustrationen
Sprache
Englisch
Beurteiler*innen
Terrence Deacon ,
Brian Fath
AC Nummer
AC17906290
Utheses ID
78988
Studienkennzahl
UA | 792 | 296 | |
