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Eine Analyse des Instrumentalisierungsgrades bei grundlagenorientierter und angewandter Forschung, unter Berücksichtigung des Würdekonzepts
Mariella Kendlbacher
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Interdisziplinäre Ethik
Betreuer*in
Herwig Grimm
DOI
10.25365/thesis.80412
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-15648.49912.297790-9
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Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Tiere gewinnen in unserer Gesellschaft zunehmend an moralischer Bedeutung, wodurch ihre Nutzung zu wissenschaftlichen Zwecken verstärkt infrage gestellt wird. In der öffentlichen Wahrnehmung gilt tierbasierte Forschung vor allem dann als gerechtfertigt, wenn ein konkreter Nutzen für den Menschen zu erwarten ist. Dadurch erscheint angewandte Forschung bei Projektbeurteilungsverfahren häufig stärker legitimiert als Grundlagenforschung, weil sie einen praktischen Nutzen verspricht. Ziel dieser Masterarbeit ist es, die ethische Tragfähigkeit dieser Annahme zu prüfen. Im Zentrum steht die Frage, ob und in welchem Ausmaß Versuchstiere in grundlagenorientierter und angewandter Forschung moralisch unzulässig instrumentalisiert werden, unter besonderer Berücksichtigung der in der Schweiz rechtlich anerkannten Tierwürde, die einen besonderen Schutzanspruch begründet. Als Ausgangspunkt dient die verpflichtende Schaden-Nutzen-Analyse gemäß Art. 38 (d) der EU-Richtlinie 2010/63/EU, deren ethisches Bewertungsmodell mit den Anforderungen der Tierwürde verglichen wird. Methodisch stützt sich die Arbeit auf systematische und unsystematische Literaturrecherche sowie eine konzeptionelle Analyse der Begriffe „Instrumentalisierung“ und „Ausbeutung“. Zur vertieften Bewertung wird Wertheimers Ausbeutungskonzept herangezogen, das eine unfaire Nutzenverteilung als zentrales Kriterium ausbeuterischer Verhältnisse anerkennt. Die Ergebnisse zeigen, dass sowohl Grundlagen- als auch angewandte Forschung mit Herausforderungen wie die Reproduzierbarkeitskrise und hohen Misserfolgsraten betroffen sind. Besonders in der angewandten Forschung bleibt der in Aussicht gestellte Nutzen häufig aus, was zu einer moralisch nicht mehr vertretbaren Instrumentalisierung und schwerwiegenden Ausbeutung von Versuchstieren führen kann. Die Arbeit endet mit der Empfehlung, die Schaden-Nutzen-Analyse durch eine „Schaden-Erkenntnis-Analyse“ zu ersetzen und den Fokus verstärkt auf wissenschaftliche Qualität und aussagekräftige Daten zu legen, um unnötiges tierliches Leid zu vermeiden und dem Schutz der Tierwürde umfassender gerecht zu werden.
Abstract
(Englisch)
Animals are gaining increasing moral significance in our society, which has led to growing ethical scrutiny of their use for human purposes, such as animal experimentation. Public opinion often considers animal research justified only when it is expected to produce clear human benefits. As a result, applied research often appears more legitimate than basic research in evaluation processes, as it promises a more immediate practical benefit. The aim of this thesis is to examine whether this assumption is ethically justified. The central question is whether, and to what degree, experimental animals in basic and applied research are morally impermissibly instrumentalized, with particular consideration of the legally recognized concept of animal dignity in Switzerland, which establishes a specific claim to protection. The analysis begins with the harm–benefit analysis according to Art. 38 (d) of EU Directive 2010/63/EU, comparing its ethical evaluation model with the requirements of animal dignity. Methodologically, the thesis is based on both systematic and non-systematic literature reviews. A conceptual analysis of the ethical concepts of “instrumentalization” and “exploitation” is conducted. For a more in-depth evaluation, Alan Wertheimer’s theory of exploitation is applied, which identifies unfair distribution of benefits as a central criterion for exploitative relationships. The findings show that both basic and applied research face morally problematic challenges, such as the reproducibility crisis and high failure rates. In applied research in particular, the expected benefits often fail to materialize, which can lead to morally unacceptable instrumentalization and severe exploitation of research animals. The thesis concludes with a recommendation to replace the harm-benefit analysis with a “harm-knowledge analysis,” and to shift the focus more strongly toward the quality and validity of scientific data in order to avoid unnecessary animal suffering and more fully uphold the principle of animal dignity.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Instrumentalisierung Ausbeutung Würde Versuchstiere
Schlagwörter
(Englisch)
Instrumentalization Exploitation Dignity Laboratory animals
Autor*innen
Mariella Kendlbacher
Haupttitel (Deutsch)
Eine Analyse des Instrumentalisierungsgrades bei grundlagenorientierter und angewandter Forschung, unter Berücksichtigung des Würdekonzepts
Paralleltitel (Englisch)
An analysis of the degree of instrumentalization in basic research and applied research, taking into account the concept of dignity
Publikationsjahr
2025
Umfangsangabe
ii, 114 Seiten : Illustrationen
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Herwig Grimm
Klassifikation
08 Philosophie > 08.38 Ethik
AC Nummer
AC17784524
Utheses ID
79099
Studienkennzahl
UA | 066 | 641 | |
