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Niemand zu sehen
eine Eyetracking-Studie zum Einfluss von Bildkomposition auf Sakkaden in figurenlosen Gemälden
Sophia Kury
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Kunstgeschichte
Betreuer*in
Raphael Rosenberg
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.81314
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-15783.60184.886370-0
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Wohin schauen wir, wenn es niemanden zu sehen gibt? Was prägt unseren Blick? Nach einer seit langem bestehenden Theorie der Kunstgeschichte kann die Komposition eines Gemäldes unsere Wahrnehmung beeinflussen und ähnliche Blickmuster zwischen Betrachtenden provozieren. Empirische Studien versuchten diese Annahme im Zuge von Eyetracking-Experimenten auf die Realität einer Bildbetrachtung zu übersetzen. Ihre Bildauswahl bestand jedoch meist aus Gemälden mit bilddominierenden Akteur*innen, die den Blick auch ohne Zutun kompositorischer Inszenierung auf sich gezogen haben könnten. Das Ziel der vorliegenden Masterarbeit war es daher, den Einfluss von Bildkomposition in der Betrachtung figurenloser Gemälde am Beispiel von sechs Stillleben und sechs abstrakten Gemälden zu untersuchen. Dabei wurde angenommen, dass ein Einfluss bildlicher Komposition auch in figurenlosen Gemälden besteht und sich dieser in (1) häufig wiederholten Sakkaden zwischen Proband*innen, (2) Ähnlichkeiten deren Kompositionszeichnungen und (3) Ähnlichkeiten zwischen deren Sakkaden und Zeichnungen widerspiegeln müsste. Um diese Annahmen empirisch zu prüfen, wurde ein Eyetracking-Experiment durchgeführt, bei dem digitale Abbildungen der Gemälde für je eine Minute betrachtet und deren Kompositionen im Zuge einer anschließenden Zeichenaufgabe jeweils reflektiert wurden. Die Ergebnisse zeigen Ähnlichkeiten (1) innerhalb der Sakkaden zwischen Proband*innen bei allen Gemälden, (2) innerhalb deren Zeichnungen bei elf von zwölf Gemälden und (3) zwischen deren Sakkaden und Zeichnungen bei neun von zwölf Gemälden. Die Ausprägung dieser Ähnlichkeiten konnte dabei je nach Parameter und Bild variieren. Die Ähnlichkeit der Sakkaden ließ sich über die visuelle Komplexität der Gemälde und dabei über die Anzahl und Vielfalt abgebildeter Elemente erklären. Für die Ähnlichkeit der Zeichnungen und im Sakkaden-Zeichnungs-Vergleich war dieser Zusammenhang nicht gegeben. Ob es sich um ein Stillleben oder abstraktes Gemälde handelte, machte ebenso keinen Unterschied. Es kann somit bei der Mehrheit der figurenlosen Gemälde von einem Einfluss bildlicher Komposition ausgegangen werden. Die vorliegende Arbeit konnte damit die Erkenntnisse vorhergehender Studien um die Perspektive von Stillleben und abstrakten Gemälden erweitern und die Annahme eines Einflusses von Bildkomposition auf die Blickmuster der Betrachtenden abseits figurendominanter Gemälde empirisch stützen, wobei die Variabilität der Resultate die Komplexität einer solchen Untersuchung unterstreicht und als Anstoß für weiterführende Studien gesehen werden kann.
Abstract
(Englisch)
Where do we look when there is no one to see? How does pictorial composition influence our gaze when a painting holds no figures that can grab our attention? There has been a long-standing theory in art history that the composition of a painting would lead our gaze, provoking similar viewing patterns between beholders. A recent study has tested this assumption on its empirical validity by comparing saccadic eye movements with the compositional drawings of participants. They have, however, failed to address the attention-grabbing effect depicted humans or animals might have on our perception. The following master thesis therefore aimed to further close this gap by analyzing the influence of pictorial composition within six still lifes and six abstract paintings, in which only objects or shapes can be found. It was assumed that even in figureless paintings an influence of their composition would be found, leading to (1) similar saccades between participants, (2) similar drawings between participants and (3) similarities between their drawings and saccades. To empirically test these hypotheses an eye-tracking experiment was conducted. Digital reproductions of the paintings were viewed for one minute each and their composition reflected within a subsequent drawing task. The results show an above-chance similarity (1) within the saccades between participants for all of the tested paintings, (2) within the drawings between participants for all paintings except one and (3) between their saccades and drawings for nine out of twelve paintings. The degree of similarity could, however, vary depending on the parameter and painting in question. While the similarity of saccades could be explained by the visual complexity of the paintings and the amount and diversity of elements depicted, this was not the case for the similarity of drawings or between saccades and drawings. Furthermore, no differences in similarity were detected between still lifes and abstract paintings. This study therefore shows that an influence of composition can still be found in most of the tested paintings, even though they present no one to focus on. It thus corroborates the proposed influence of pictorial composition, further defines its scope by using figureless paintings and provides additional empirical evidence on a long-standing theory in art history. The variability of results, however, shows the complexity of quantifying the influence of pictorial composition and should be seen as starting point for future research.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Komposition Eyetracking Sakkaden Kompositionszeichnungen Stillleben abstrakte Gemälde Kunstwahrnehmung Blickbewegung
Schlagwörter
(Englisch)
composition eye-tracking saccades compositional drawings still lifes abstract paintings art perception eye movement
Autor*innen
Sophia Kury
Haupttitel (Deutsch)
Niemand zu sehen
Hauptuntertitel (Deutsch)
eine Eyetracking-Studie zum Einfluss von Bildkomposition auf Sakkaden in figurenlosen Gemälden
Paralleltitel (Englisch)
Nobody to see
Paralleluntertitel (Englisch)
an eye-tracking study on the influence of pictorial composition on saccades in figureless paintings
Publikationsjahr
2025
Umfangsangabe
155 Seiten : Illustrationen
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Raphael Rosenberg
Klassifikationen
20 Kunstwissenschaften > 20.03 Methoden und Techniken der Kunstwissenschaften ,
20 Kunstwissenschaften > 20.89 Kunstgeschichte. Sonstiges
AC Nummer
AC17802557
Utheses ID
79111
Studienkennzahl
UA | 066 | 835 | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1