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All roads lead to the Pansionāts
state care as a socio-spatial fix in an emptying rural Latvia
Anna Žabicka
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Doktoratsstudium Sozialwissenschaften: Kultur- und Sozialanthropologie
Betreuer*in
Tatjana Thelen
DOI
10.25365/thesis.81250
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-27681.57737.991515-8
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Diese Dissertation untersucht mit einem ethnografischen Ansatz, wie Pflege und Leere in einem Pflegeheim für ältere Menschen, das lokal als Pansionāts bezeichnet wird, im heutigen Lettland ineinandergreifen. In einer ländlichen Region gelegen, die durch Bevölkerungsrückgang aufgrund von Abwanderung und Überalterung gekennzeichnet ist, fragt die Dissertation: 1. welche Rolle solche Pflegeeinrichtungen im Leben vor Ort spielen; 2. wie das Altern angesichts der Besorgnis über den Bevölkerungsrückgang und die Zukunft Lettlands verstanden und bewertet wird; und 3. wie Bewohner:innen, Mitarbeiter:innen und Einheimische die Pflege innerhalb und außerhalb der Einrichtung erleben und gestalten; und 4. was Leere an diesem Ort und für diese Menschen bedeutet. Ausgehend von einer langjährigen ethnografischen Feldforschung (2020–2024) erkundet die Dissertation, wie das Pansionāts – oft als Symbol persönlichen und nationalen Niedergangs angesehen – auch als ein wichtiger Anker für die Kontinuität eines Ortes und des Lebens auf dem Land dient. Während es in erster Linie als eine Einrichtung für ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen ist, fungiert das Pansionāts ebenso als ein lokaler Angelpunkt, der Arbeitsplätze schafft, Kleinbauern unterstützt und soziale und wirtschaftliche Bindungen aufrechterhält. Für die Bewohner:innen ist es ein Ort des Verlusts und der Langeweile, aber auch der Sicherheit und Gemeinschaft. Für die Angestellten und die umliegende Gemeinde erzeugt es Stabilität und Sinn unter prekären Verhältnissen. In konzeptueller Hinsicht behandelt die Dissertation Pflege als einen Prozess der gesellschaftlichen Organisation und begreift Leere sowohl als demografische Realität als auch als bewertender Vorbehalt, durch den Niedergang empfunden und gedeutet wird. Anhand nationaler Ängste, ländlicher Infrastrukturen, institutioneller Routinen und der Zeitlichkeit des hohen Alters stellt sie dar, wie Leere und Pflege sich fortlaufend gegenseitig beeinflussen. Diese Dynamiken zeigen sich auch in der Art und Weise, wie Menschen sich inmitten der Leere mit der Gestaltung eines Ortes befassen: kleine Akte der Geselligkeit, die Sorge um die Infrastruktur und alltägliche Praktiken im Pansionāts machen den Ort lebenswert, auch wenn er in der Öffentlichkeit als peripher oder im Abstieg befindlich dargestellt wird. Zusammengenommen beleuchten diese Muster das Pansionāts als einen sozio-räumlichen Fix – als eine Formation, die das Leben vor Ort stabilisiert, indem sie sich um diejenigen kümmert, die als „unproduktiv“ oder außerhalb der Zukunft der Nation stehend betrachtet werden. Diese rekursive Abhängigkeit, bei der der demografische Rückgang die Einrichtung füllt und die Einrichtung diese Bewohner:innen zu einem Faktor lokaler Stabilität macht, steht im Mittelpunkt der Argumentation. Indem sie die institutionelle Pflege neupositioniert – von einem marginalen Überbleibsel des Wohlfahrtstaats zu einer zentralen Infrastruktur, durch die der demografische Wandel, wirtschaftliche Unsicherheit und moralische Fragen des Anspruchs gelebt und bewältigt werden – trägt die Dissertation zu anthropologischen Debatten über Pflege, Altern und gesellschaftliche Reproduktion bei. Sie zeigt, dass an Orten, die als leer betrachtet werden, bescheidene Praktiken der Versorgung und Beständigkeit das soziale Leben aufrechterhalten und Kontinuität ermöglichen.
Abstract
(Englisch)
This dissertation ethnographically examines how care and emptiness intertwine in contemporary Latvia at a care home for older adults locally called the Pansionāts. Set in a rural region marked by demographic decline resulting from outmigration and an aging population, the thesis asks: 1) what role such care institutions play in local life; 2) how aging is understood and valued amid concerns about population decline and the future of Latvia; 3) how residents, staff, and locals experience and shape care within and beyond the institution; 4) and what is emptiness in this place and for these people. Drawing on long-term ethnographic fieldwork (2020–2024), the dissertation traces how the Pansionāts – often imagined as a symbol of personal and national demise – also serves as a crucial anchor for continuity of place and life in the countryside. While primarily an institution for older adults and people with disabilities, it also functions as a local hub, providing employment, sustaining smallholder farms, and maintaining social and economic ties. For residents, it is a space of loss and boredom yet also of safety and companionship. For employees and the surrounding community, it generates stability and meaning under precarious conditions. Conceptually, the dissertation approaches care as a process of social organization and understands emptiness as both a demographic reality and an evaluative condition through which decline is sensed and interpreted. Moving across national anxieties, rural infrastructures, institutional routines, and late-life temporalities, it shows how emptiness and care continually shape each other. These dynamics also appear in how people engage in place-making amid emptiness: small acts of sociality, concerns about infrastructure, and everyday practices at the Pansionāts make the locality livable even as it is publicly cast as peripheral or declining. Taken together, these patterns illuminate the Pansionāts as a socio-spatial fix – a formation that stabilizes local life by caring for those imagined as “unproductive” or outside the nation’s future. This recursive dependence, where demographic decline fills the institution and the institution converts this population into local stability, is central to the argument. By repositioning institutional care from a marginal residue of the welfare state to a central infrastructure through which demographic change, economic uncertainty, and moral questions of deservingness are lived and managed, the dissertation contributes to anthropological debates on care, aging, and social reproduction. It shows that in places imagined as empty, modest practices of maintenance and endurance sustain social life and make continuity possible.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Pflege Altern Leere Ländliches Lettland Soziale Reproduktion
Schlagwörter
(Englisch)
Care Aging Emptiness Rural Latvia Social reproduction
Haupttitel (Englisch)
All roads lead to the Pansionāts
Hauptuntertitel (Englisch)
state care as a socio-spatial fix in an emptying rural Latvia
Paralleltitel (Deutsch)
Alle Wege führen zum Pansionāts
Paralleluntertitel (Deutsch)
staatliche Pflege als sozio-räumlicher Fix in einem sich entvölkernden ländlichen Lettland
Publikationsjahr
2025
Umfangsangabe
xiii, 208 Seiten
Sprache
Englisch
Beurteiler*innen
Cati Coe ,
Kristine Krause
Klassifikation
70 Sozialwissenschaften allgemein > 70.99 Sozialwissenschaften allgemein. Sonstiges
AC Nummer
AC17900894
Utheses ID
79215
Studienkennzahl
UA | 796 | 310 | 307 |
