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Beyond Coming-out: queer-narratologische Perspektiven auf weibliche* Queerness in der Literatur der 1950er und 1960er Jahre
Franziska Dorothee Przechatzky
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Doktoratsstudium der Philosophie Deutsche Philologie
Betreuer*in
Stefan Krammer
DOI
10.25365/thesis.81424
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-27735.51406.330426-9
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Die vorliegende Studie untersucht Verhandlungen von weiblicher* Queerness in Erzähltexten der 1950er und 1960er Jahre. Für diese sozialhistorisch markante Phase extremer gesellschaftspolitischer Repression weiblicher* Homosexualität hat die feministische Literaturwissenschaft herausgearbeitet, dass ein lesbisches Coming-out weitgehend unmöglich war. Diesem literaturgeschichtlichen Befund stehen Erzähltexte entgegen, die der Coming-out Story folgen, einem klassisch-narratologischen Schema nach Andrea Gutenberg, das Texte erfasst, in denen sowohl innere als auch äußere Coming-out-Prozesse innerhalb der Diegese kontinuierlich nachvollziehbar sind. Von diesem Spannungsverhältnis ausgehend fragt die Studie: Was, wenn Queerness nicht eindeutig narrativiert werden kann? Aufbauend auf der These, dass literarische Konfigurationen weiblicher* Queerness in besonderer Weise durch narrative Akte strukturiert sind, untersucht die Arbeit ausgewählte Erzähltexte aus queer-narratologischer Perspektive. Die exemplarischen Analysen von Haushofers Eine Handvoll Leben, Bachmanns Ein Schritt nach Gomorrha, Wohmanns Eine großartige Eroberung und Frischmuths Die Klosterschule zeigen diverse, differenzierte und ambivalente Verfahrensweisen des Coming-out, die eine Erweiterung des klassisch-narratologischen Instrumentariums erforderlich machen. Diese nichtlinearen Funktionslogiken von Coming-out lassen sich als Varianten eines Modells beschreiben, das ich als brüchiges inneres Coming-out konzeptualisiere. Dieses manifestiert sich als Erzählverfahren, das aus der Verschränkung zentraler narratologischer Ebenen – wie Figur, Figurenkonstellation und Raum – mit den in dieser Studie entwickelten Begrifflichkeiten des narratologischen Coming-out sowie mit diegetischen und rhetorischen Ebenen hervorgeht. Die daraus entstehende Verweisstruktur erzeugt stetig Ambivalenz und stellt ein Changieren zwischen Heteronormativität und Queer aus. Mit dieser Modellierung wird ein neues Instrumentarium bereitgestellt, das Coming-out jenseits der Coming-out Story als Form greifbar macht und Texte für eine queere Literaturgeschichte lesbar werden lässt. Entsprechend relativieren die Ergebnisse dieser Studie den bisherigen Befund der feministischen Literaturwissenschaft: Die Erzähltexte der 1950er und 1960er Jahre verhandeln Coming-out auf spezifische Weise – weniger als Festschreibung von Identität denn als Überführungsmoment in eine Unbestimmtheitsfunktion. Die Studie verfolgt damit ein doppeltes Anliegen: Sie ist sowohl den Texten und ihrer historischen Zeitlichkeit verpflichtet als auch an der Weiterentwicklung der queer narratology interessiert und zeigt erstmals systematisch die Produktivität dieser Perspektive für die deutschsprachige Literatur und Forschung.
Abstract
(Englisch)
The study examines how women*’s queerness is negotiated in narrative texts of the 1950s and 1960s. Feminist literary scholarship has argued that, during this historically significant period of extreme sociopolitical repression of women*’s homosexuality, coming out was largely impossible. Yet some narratives adopt what Andrea Gutenberg terms the coming-out story, a narratological pattern that traces internal and external coming-out processes within the diegesis. In response to this tension, the study asks: What happens when queerness cannot be clearly narrativized? Building on the assumption that literary configurations of women*’s queerness are structured by narrative acts, the study analyzes selected narrative texts from a queer narratological perspective. Readings of Haushofer’s Eine Handvoll Leben, Bachmann’s Ein Schritt nach Gomorrha, Wohmann’s Eine großartige Eroberung, and Frischmuth’s Die Klosterschule reveal a range of differentiated coming-out procedures that require an expansion of the classical narratological toolkit. The nonlinear logic of coming out appears as variants within a model I conceptualize as a broken inner coming out. This procedure emerges from the interweaving of central narratological levels – such as character, character constellation, and space – with diegetic and rhetorical levels, together with conceptual terms for narratological coming out developed in this study. The resulting referential structure generates ambivalence and oscillation between heteronormativity and queer. This modeling offers a toolkit that makes coming out legible as a form beyond the coming-out story and renders texts accessible to queer literary history. The findings reframe established feminist literary scholarship: narrative texts of the 1950s and 1960s deal specifically with coming out – less as a codification of identity than as a transition into indeterminacy. The study thus pursues a dual objective: it remains attentive to the texts and their historical temporality while also seeking to advance the further development of queer narratology and, for the first time, systematically demonstrating this perspective’s productivity for German-language literature and research.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Narratologie postklassische Narratologie weibliche Homosexualität weibliche Queerness 1950er und 1960er Jahre Sexualität Coming-out inneres brüchiges Coming-out Wohmann Frischmuth Bachmann Haushofer queere Narratologie narratologisches Coming-out Ein Schritt nach Gomorrha Die Klosterschule Eine Handvoll Leben Eine großartige Eroberung
Schlagwörter
(Englisch)
Queer Studies Gender Studies queer narratology postclassical narratology Coming out Coming-out Story broken narratives broken inner coming out queer narrative female homosexuality female queerness subjectivity Women's queerness
Autor*innen
Franziska Dorothee Przechatzky
Haupttitel (Deutsch)
Beyond Coming-out: queer-narratologische Perspektiven auf weibliche* Queerness in der Literatur der 1950er und 1960er Jahre
Paralleltitel (Englisch)
Beyond coming out: queer narratological perspectives on women*'s queerness in 1950s and 1960s literature
Publikationsjahr
2025
Umfangsangabe
215 Seiten : Illustration
Sprache
Deutsch
Beurteiler*innen
Urte Helduser ,
Heidi Schlipphacke
Klassifikationen
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.90 Literatur in Beziehung zu anderen Bereichen von Wissenschaft und Kultur ,
18 Einzelne Sprachen und Literaturen > 18.10 Deutsche Literatur
AC Nummer
AC17914581
Utheses ID
79228
Studienkennzahl
UA | 792 | 332 | |
