Detailansicht

Sharenting-Auswirkungen auf die Identitätsentwicklung, Selbstwahrnehmung und Privatsphärebewusstsein von Jugendlichen
Julia Robinson
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Informatik
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Publizistik- und Kommunikationswissenschaft
Betreuer*in
Julia Wippersberg
Volltext in Browser öffnen
Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.80465
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-14182.10195.631492-5
Link zu u:search
(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Sharenting bezeichnet die Veröffentlichung privater Inhalte von Kindern durch ihre Eltern auf sozialen Medien. Dieses Phänomen ist mittlerweile durch die zunehmende Verbreitung sozialer Medien fester Bestandteil alltäglicher sozialer Praktiken. Während der bisherige Forschungsstand sich vor allem auf die Motive der Eltern sowie auf rechtliche und medienethische Aspekte konzentriert, beschäftigt sich diese Arbeit mit den langfristigen Auswirkungen dieser Praxis auf die betroffenen Kinder. Dabei wurde untersucht werden, wie Sharenting-Erfahrungen aus der Kindheit im Jugendalter wahrgenommen, reflektiert und verarbeitet werden. Ziel dieser Arbeit ist es, den Einfluss von Sharenting auf die Identiätsentwicklung, die Selbstwahrnehmung und das Bewusstsein für Privatsphäre von Jugendlichen im Alter von 16-18 zu analysieren. Die vorliegende Arbeit stützt sich auf entwicklungspsychologische Ansätze zur Identitätsentwicklung nach Erikson und Marcia, sozialpsychologische Konzepte der Selbstpräsentation nach Goffman sowie der Self-Determination Theory nach Deci und Ryan. Ergänzend dazu werden medienpädagogische und rechtliche Perspektiven herangezogen, insbesondere im Hinblick auf Kinderrechte und den Schutz der Privatsphäre im digitalen Raum. Bei der Untersuchung handelt es sich um ein qualitatives Forschungsdesign. Es wurden leitfadengestützte Interviews mit sechs Jugendlichen geführt, die in ihrer Kindheit in unterschiedlichem Ausmaß Sharenting erlebt haben. Zusätzlich wurde ein Experteninterview mit einem Psychotherapeuten geführt, um die subjektiven Erfahrungen der Jugendlichen fachlich einzuordnen und zu kontextualisieren. Als Auswertungsmethode der Interviews wurde die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring angewandt. Die Ergebnisse zeigen, dass Sharenting mit vielschichtigen und teils ambivalenten Auswirkungen verbunden ist. Insbesondere bei intensiver elterlicher Darstellung schildern Jugendliche vermehrt Gefühle der Fremdbestimmung, eingeschränkten Kontrolle über die eigenen Darstellungen sowie von Unsicherheiten im Selbstbild. Zugleich wird deutlich, dass sich diese Effekte nicht einheitlich zeigen, sondern variieren können. Einige Jugendliche entwickeln im Jugendalter Strategien bewusster Abgrenzung, Reflexion und eine Neubewertung ihrer eigenen digitalen Identität. Im Hinblick auf das Privatsphärebewusstsein zeigt sich ebenfalls kein eindeutig negativer Effekt. Vielmehr wird ein Spannungsfeld zwischen möglichen Grenzverwischungen und einer gesteigerten Sensibilisierung für digitale Sichtbarkeit und Kontrolle persönlicher Informationen deutlich. Insgesamt macht die Arbeit deutlich, dass Sharenting weniger als isolierter Risikofaktor zu verstehen ist, sondern als komplexes, kontextabhängiges Phänomen, dessen Auswirkungen wesentlich von individuellen Prozessen der Verarbeitung und biografischen Voraussetzungen geprägt sind.
Abstract
(Englisch)
Sharenting refers to the publication of private content about children by their parents on social media. Due to the increasing prevalence of social media, this phenomenon has become an integral part of everyday social practices. While previous research has primarily focused on the motives of parents and on legal and media ethics aspects, this study examines the long-term effects of this practice on the children concerned. It investigates how childhood experiences of Sharenting are perceived, reflected upon, and processed in adolescence. The aim of this study is to analyze the influence of sharenting on identity development, self-perception, and awareness of privacy among adolescents aged 16-18. This theoretical framework is based on developmental psychological approaches to identity development according to Erikson and Marcia, social psychological concepts of self-presentation according to Goffman, and self-determination theory as proposed to Deci and Ryan. In addition, media education and legal perspectives are drawn upon, particularly with regard to children's rights and the protection of privacy in the digital environments. The study adopts a qualitative research design. Guided interviews were conducted with six young people who had experienced sharenting to varying degrees during their childhood. In addition, an expert interview with a psychotherapist was conducted in order to classify and contextualize the subjective experiences of the young people from a professional perspective. The interviews were analyzed using Mayring's qualitative content analysis. The results show that sharenting is associated with complex and sometimes ambivalent effects. Especially in cases of intensive parental representation, young people increasingly describe feelings of external determination, limited control over their own representations, and uncertainties in their self-image. At the same time, the results show considerable variability in individual experiences. Some adolescents develop strategies of conscious distancing, reflection, and a reassessment of their own digital identity during adolescence. With regard to privacy awareness, no clear negative effect can be identified. Instead, there is a clear tension between potential boundary blurring and an increased awareness of digital visibility and control over personal information. Overall, the study suggest that sharenting should be understood not as an isolated risk factor but as a complex, context-dependent phenomenon shaped by individual coping processes and biographical circumstances.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Sharenting Digitale Darstellung von Kindern Sharenting Einfluss auf Jugendliche Sharenting Einfluss auf Kinder Sharenting Einfluss auf Identität Sharenting Einfluss auf Identitätsentwicklung Sharenting Einfluss auf Selbstwahrnehmung Sharenting Einfluss auf Privatsphäre Bewusstsein Fremdbestimmte Identität Digitale Identität Digitale Privatsphäre Frühkindliche digitale Sichtbarkeit
Schlagwörter
(Englisch)
Sharenting Digital Identity Identity Development Self-Perception Digital Privacy Social Media Parental Sharing Early Digital Visibility Externally Constructed Identity Self-Determination
Autor*innen
Julia Robinson
Haupttitel (Deutsch)
Sharenting-Auswirkungen auf die Identitätsentwicklung, Selbstwahrnehmung und Privatsphärebewusstsein von Jugendlichen
Paralleltitel (Englisch)
Sharenting-effects on identity development, self-perception, and privacy awareness among young people
Publikationsjahr
2026
Umfangsangabe
190 Seiten : Illustrationen
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Julia Wippersberg
Klassifikationen
05 Kommunikationswissenschaft > 05.38 Neue elektronische Medien ,
77 Psychologie > 77.59 Entwicklungspsychologie. Sonstiges ,
80 Pädagogik > 80.49 Medienerziehung
AC Nummer
AC17790005
Utheses ID
79289
Studienkennzahl
UA | 066 | 841 | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1