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"Wien 1910" als Sonderfall der "Wien-Film"-Propaganda
eine kulturpolitische Analyse des Propagandafilms "Wien 1910"
Florian Mendl
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Interdisziplinäres Masterstudium Zeitgeschichte und Medien
Betreuer*in
Kerstin von Lingen
DOI
10.25365/thesis.80484
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-19232.89821.368164-0
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Diese Arbeit befasst sich mit einem Beispiel der NS-Propaganda, das darlegt, wie Geschichte zur Manipulation der Massen aufgegriffen, umgeschrieben und genutzt werden kann. In kaum vergleichbarer Weise sah das nationalsozialistische Regime eine gravierende Bedeutung in einer ausgeprägten Nutzung und Entwicklung von Propaganda, um so die eigene Herrschaft und den Zuspruch seiner Bevölkerung zu gewährleisten. Diese ideologisch aufgeladene Indoktrination zielte auf jede Altersgruppe und jeden Abschnitt des Alltags ab, sodass eine Konfrontation damit unvermeidlich blieb. Bis heute klingen die propagandistischen Bilder der jubelnden Massen und der „heilen Welt“ des NS-Regimes nach, die damit die perverse und menschenverachtende Doktrin dahinter reduzierend oder verharmlosend darstellten. Die vorliegende Masterarbeit widmet sich nun dem nationalsozialistischen Propagandafilm „Wien 1910“ und analysiert dessen historische, ideologische und filmästhetische Dimensionen. Mittels einer kulturpolitischen Filmanalyse soll die Rolle Wiens für die NS-Propaganda aufgezeigt werden und “Wien 1910“ als Gegenstück des klassischen „Wiener Films“ beleuchtet werden. Im Zentrum steht die Frage, wie der Film zentrale Feindbilder der NS-Propaganda – Monarchie, Liberalismus, Großkapital, Presse und insbesondere das Judentum – inszeniert und welche Rolle dabei die politischen Figuren Karl Lueger und Georg von Schönerer einnehmen. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass „Wien 1910“ im Kontext der „Wien-Film“-Produktionen einerseits auf traditionelle Motive des „Wiener Films“ zurückgreift – Nostalgie, Walzerklänge, emotionale Überhöhung – diese aber ideologisch verfremdet und zu einem Gegenbild der klassischen Genretradition umformt. Wien erscheint nicht mehr als idyllische „Welthauptstadt der Musik“, sondern als zerfallende, von Feinden bedrohte Metropole, deren vermeintliche Rettung nur durch einen radikalen Bruch und eine nationale Erneuerung erfolgen kann. Diesem ambivalenten Bild, das „Wien 1910“ als Tendenzfilm der „Wiener Filme“ darstellt, soll hier auf den Grund gegangen werden. Zunächst wird der historische Kontext rund um den Film beleuchtet, darunter fällt einerseits die zentrale Bedeutung Wiens und des Genres „Wiener Film“ in der NS-Filmproduktion und andererseits das kulturpolitische Geschehen, das in Wien um die Jahrhundertwende vorherrschte und in „Wien 1910“ propagandistisch inszeniert wird. Ein besonderer Schwerpunkt der Arbeit liegt des Weiteren auf der Analyse der filmischen Inszenierung der beiden zentralen Figuren: Karl Lueger, der im Film als kranker, aber volksnaher Bürgermeister erscheint, und Georg von Schönerer, der als radikaler Hoffnungsträger für eine deutsche Zukunft dargestellt wird. Diese Dualität spiegelt sowohl historische Debatten als auch die Perspektive Adolf Hitlers wider, der Karl Luegers „Scheinantisemitismus“ in „Mein Kampf“ kritisierte und Georg von Schönerers Radikalität als Vorbild hervorhob. Die leitende Forschungsfrage dieser Arbeit lautet wie folgt: „Welche Bedeutung lässt sich dem spätkaiserlichen Wien und seiner Inszenierung für die NS - Propaganda am Beispiel von „Wien 1910“ zuschreiben?“ Die neu gewonnenen Erkenntnisse dieser Arbeit sollen dazu beitragen, über die kulturpolitische Bedeutung Wiens für die NS-Politik aufzuklären, sowie den aktuellen Forschungsstand zum Film „Wien 1910“ zu ergänzen. Des Weiteren soll „Wien 1910“ als Beispiel für verzerrte Geschichtsvermittlung und deren Wirkung dargelegt werden. Ziel der Arbeit ist es nicht, den Film „Wien 1910“ als historische Darstellung der Wiener Jahrhundertwende zu bewerten, sondern seine Funktion innerhalb der nationalsozialistischen Kultur- und Geschichtspolitik zu analysieren. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie historische Narrative, politische Figuren und visuelle Konventionen des „Wiener Films“ gezielt umgeformt werden, um ideologische Kontinuitäten herzustellen. Die Arbeit versteht den Film somit nicht als Abbild von Geschichte, sondern als aktiven Bestandteil nationalsozialistischer Deutungs- und Normalisierungsstrategien.
Abstract
(Englisch)
This paper examines an example of Nazi propaganda that illustrates how history can be appropriated, rewritten, and used to manipulate the masses. In a manner that is virtually unparalleled, the Nazi regime attached great importance to the extensive use and development of propaganda in order to secure its own rule and the support of its population. This ideologically charged indoctrination targeted every age group and every aspect of everyday life, making confrontation with it inevitable. To this day, the propagandistic images of cheering crowds and the “ideal world” of the Nazi regime continue to resonate, reducing or trivializing the perverse and inhuman doctrine behind them. This master's thesis focuses on the Nazi propaganda film “Vienna 1910” and analyzes its historical, ideological, and cinematic dimensions. Through a cultural-political film analysis, the role of Vienna in Nazi propaganda will be examined, and “Vienna 1910” will be explored as a counterpart to the classic “Viennese film.” The focus is on how the film portrays central enemy images of Nazi propaganda—monarchy, liberalism, big business, the press, and especially Judaism—and what role the political figures Karl Lueger and Georg von Schönerer play in this. The starting point is the observation that, in the context of the “Vienna Film” productions, “Vienna 1910” draws on traditional motifs of the “Vienna Film” – nostalgia, waltz music, emotional exaggeration – but ideologically alienates them and transforms them into a counter-image of the classic genre tradition. Vienna no longer appears as the idyllic “world capital of music,” but as a decaying metropolis threatened by enemies, whose supposed salvation can only come about through a radical break and national renewal. This ambivalent image, which “Vienna 1910” presents as a trend film of the “Vienna films,” will be explored in depth here. First, the historical context surrounding the film is examined, including the central importance of Vienna and the “Viennese film” genre in Nazi film production, as well as the cultural and political events that prevailed in Vienna at the turn of the century and are propagandistically staged in “Vienna 1910.” A particular focus of the work is also on the analysis of the cinematic staging of the two central figures: Karl Lueger, who appears in the film as a sick but populist mayor, and Georg von Schönerer, who is portrayed as a radical beacon of hope for a German future. This duality reflects both historical debates and the perspective of Adolf Hitler, who criticized Karl Lueger's “pseudo-anti-Semitism” in “Mein Kampf” and highlighted Georg von Schönerer's radicalism as a role model. The main research question of this work is as follows: “What significance can be attributed to late imperial Vienna and its portrayal in Nazi propaganda, using the example of “Vienna 1910"”? The new insights gained from this work should contribute to a better understanding of Vienna's cultural and political significance for Nazi politics and supplement the current state of research on the film “Vienna 1910.” Furthermore, “Vienna 1910” should be presented as an example of distorted history teaching and its effects. The aim of this work is not to evaluate the film “Vienna 1910” as a historical representation of the turn of the century in Vienna, but to analyze its function within National Socialist cultural and historical politics. The focus is on the question of how historical narratives, political figures, and visual conventions of the “Vienna film” are deliberately transformed in order to create ideological continuities. The thesis thus understands the film not as a reflection of history, but as an active component of National Socialist strategies of interpretation and normalization.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Nationalsozialistische Filmpropaganda Wien-Film Wiener-Film Wien 1910 Visual History Karl Lueger Georg von Schönerer Antisemitismus Polisphere
Autor*innen
Florian Mendl
Haupttitel (Deutsch)
"Wien 1910" als Sonderfall der "Wien-Film"-Propaganda
Hauptuntertitel (Deutsch)
eine kulturpolitische Analyse des Propagandafilms "Wien 1910"
Paralleltitel (Englisch)
"Wien 1910" as a special case of "Vienna Film" propaganda
Paralleluntertitel (Englisch)
a cultural-political analysis of the propaganda film "Wien 1910"
Publikationsjahr
2026
Umfangsangabe
95 Seiten : Illustrationen
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Kerstin von Lingen
AC Nummer
AC17790410
Utheses ID
79361
Studienkennzahl
UA | 066 | 665 | |
