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Die Bemessung des immateriellen Schadenersatzes bei Diskriminierung und (sexueller) Belästigung
Oskar Ofenböck
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Rechtswissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Doktoratsstudium der Rechtswissenschaften Rechtswissenschaften
Betreuer*in
Martin Gruber-Risak
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.81517
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-27446.65971.729632-7
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Obwohl das „neue“ Gleichbehandlungsgesetz (BGBl 1979/108) seit mehr als zwei Jahrzehnten in Kraft ist, bereitet die Anwendung seiner zentralen Bestimmungen in der Praxis nach wie vor erhebliche Schwierigkeiten. Eines dieser zentralen Probleme stellt die Bemessung des immateriellen Schadenersatzes nach dem GlBG dar und stehen hier sowohl Parteienvertreter:innen bei der Einschätzung des zu erwartenden Ersatzbetrages bei Erstellung der Klage, als auch Richter:innen bei der Festsetzung des Schadenersatzes bei Fällung des Urteils vor derselben Herausforderung und Frage: Wie viel an immateriellen Schadenersatz steht im konkreten Einzelfall zu? Hintergrund der Schwierigkeit bei Beantwortung dieser auf den ersten Blick einfach erscheinen Frage ist die in der rechtswissenschaftlichen Forschung weitgehend fehlende Erfassung konkreter Kriterien zur Bemessung des immateriellen Schadenersatzes bei (sexuellen) Belästigungen oder Diskriminierungen (§§ 12, 26 und 38 GlBG). Dies führt selbst bei schwerwiegenden Rechtsverletzungen oftmals zu – vielfach seitens der einhelligen Lehre kritisierten – unverhältnismäßig niedrigen Schadenersatzbeträgen. Anders als Sachverhalte, die nach dem ABGB zu beurteilen sind, kann bei der Behandlung von Fällen nach dem GlBG nicht auf Schmerzengeldhandbücher oder Schmerzengeldtabellen zurückgegriffen werden. Im Rahmen des GlBG fehlt es an einem vergleichbaren Referenzsystem. Die vorliegende Dissertation schließt diese Forschungslücke, indem sie zunächst die historische Entwicklung des Gleichbehandlungsrechts in Österreich und der EU sowie das Verhältnis des GlBG zum allgemeinen zivilrechtlichen Schadenersatzrecht untersucht. Darauf aufbauend erfolgt eine umfassende Analyse von rund 50 (zum Teil nicht veröffentlichten) Gerichtsentscheidungen und eine judikaturanalytisch deduktive Erfassung konkreter Kriterien zur Bemessung des immateriellen Schadenersatzes nach dem GlBG. Die methodisch aus Rechtsprechung und Literatur abgeleiteten Kriterien werden dabei in drei Gruppen erfasst: 1. Allgemeine, aus dem Schadenersatzrecht abgeleitete Grundsätze, die auch in der Bemessung des Ersatzbetrages nach dem GlBG anzuwenden sind, insbesondere Aspekte wie Dauer, Intensität und dauerhafte Beeinträchtigungen. 2. Im Gesetz ausdrücklich normierte Kriterien, etwa die Orientierung an gesetzlich definierten Ersatzbeträgen, die Berücksichtigung von Mehrfachdiskriminierung sowie die Berücksichtigung der präventiven Funktion des immateriellen Schadenersatzes nach dem GlBG. 3. Durch Rechtsprechung und Lehre entwickelte Kriterien, die häufig das Ziel der Präventionsfunktion des GlBG in den Vordergrund stellen. Dazu zählen unter anderem die Berücksichtigung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der diskriminierenden Person, die Berücksichtigung der Ausnutzung eines Abhängigkeitsverhältnisses oder die Berücksichtigung der aus der Diskriminierung gezogenen Vorteile sowie des subjektiven Verschuldens. Im Ergebnis wird mit dieser Dissertation ein detaillierter Katalog von 20 einzeln analysierten und systematisch aufbereiteten Kriterien zur Bemessung des immateriellen Schadenersatzes nach dem GlBG vorgelegt. Damit werden erstmals in der rechtswissenschaftlichen Forschung konkrete Bemessungskriterien aus Gesetz, Judikatur und Lehre erfasst und in einem systematischen Zusammenhang zueinander als Kriterienkatalog dargestellt. Ziel ist es, die praktischen Anwendungsschwierigkeiten zu überwinden und Bemessungskriterien aufzuzeigen, die einen wirklich abschreckenden immateriellen Schadenersatz gewährleisten und Diskriminierungen und (sexuelle) Belästigungen tatsächlich verhindern, sodass letztlich der Intention des Unionsrechts Rechnung getragen wird: die Gewährleistung der wirksamen Durchsetzung des Gleichbehandlungsgrundsatzes.
Abstract
(Englisch)
Although Austria’s “new” Equal Treatment Act (Gleichbehandlungsgesetz, GlBG) has been in force for over two decades, the application of its core provisions—particularly those governing compensation—continues to present considerable challenges in practice. One of the central and persistently unresolved issues concerns the assessment of non-pecuniary damages under the GlBG. Both legal practitioners, when estimating potential compensation amounts at the time of filing a claim, and judges, when determining the final award, face the same fundamental question: What is the appropriate amount of non-pecuniary damages in the specific case at hand? The difficulty in answering this seemingly straightforward question stems from the complete absence of concrete criteria for calculating non-pecuniary damages in cases of workplace discrimination or (sexual) harassment, frequently resulting in disproportionately low compensation awards for severe violations. Unlike cases assessed under the Austrian Civil Code (ABGB), where practitioners may consult established pain and suffering guidelines that list compensation amounts according to specific injuries, no comparable reference framework exists for claims under the GlBG. Similarly, the structured compensation rates assigning monetary values to days of mild, moderate, or severe pain are foreign to the realm of the GlBG. To date, no standardized criteria have been developed for quantifying non-pecuniary damages in this context, and existing literature provides only a superficial and incomplete overview of potential assessment methodologies. This dissertation addresses this significant research gap by first examining the historical development of equal treatment legislation in Austria and the relationship between the GlBG and Austria’s civil law framework, followed by a comprehensive analysis of approximately 50 judicial decisions—some of which remain unpublished—supplemented by a systematic review of a comprehensive range of commentaries and scholarly contributions. The aim is to develop a concrete, practice-oriented catalog of criteria for the assessment of non-pecuniary damages under the GlBG. The criteria methodologically deduced from case law and academic discourse can be grouped into three categories: 1. General principles derived from tort law that are also applicable to the assessment of non-pecuniary damages under the GlBG, including considerations of the duration, intensity, and long-term effects of the harm. 2. Criteria expressly codified in the statutory text, such as the use of legally defined compensation amounts as reference points, the consideration of multiple discrimination, and the acknowledgment of the preventive function of non-pecuniary damages. 3. Criteria developed through case law and legal scholarship, which frequently emphasize the statutory objective of prevention. These include the exploitation of an authority relationship, the financial capacity of the discriminator, benefits gained through the discriminatory conduct, and the consideration of the discriminator’s subjective intent, among others. The dissertation culminates in a detailed catalog of 20 individually examined and meticulously elaborated criteria, enabling a more precise and transparent evaluation of non-pecuniary damages in cases of workplace discrimination or (sexual) harassment. For the first time in legal scholarship, all relevant assessment criteria derived from statutory provisions, jurisprudence, and academic writing are systematically compiled and contextualized. This comprehensive approach is designed to overcome existing practical challenges in the application of the law, mitigate the associated legal uncertainties, and ultimately fulfill the intended purpose of the European legislator: putting the principle of equal treatment into effect.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Gleichbehandlungsgesetz GlBG Bemessung immaterieller Schadenersatz Diskriminierung Sexuelle Belästigung Präventionsfunktion Mindestschadenersatz Mehrfachdiskriminierung Sanktion im Arbeitsrecht Pönale im Arbeitsrecht
Schlagwörter
(Englisch)
Punitive Damages Assessment of Non-Pecuniary Damages Discrimination Sexual Harassment Equal Treatment Act Labor Law Employment Law
Autor*innen
Oskar Ofenböck
Haupttitel (Deutsch)
Die Bemessung des immateriellen Schadenersatzes bei Diskriminierung und (sexueller) Belästigung
Paralleltitel (Englisch)
The Assessment of Non-Pecuniary Damages in Discrimination and (Sexual) Harassment Cases
Publikationsjahr
2026
Umfangsangabe
295 Seiten
Sprache
Deutsch
Beurteiler*innen
Wolfgang Mazal ,
Michaela Windischgrätz
Klassifikationen
86 Recht > 86.20 Schuldrecht ,
86 Recht > 86.74 Arbeitsrecht. Allgemeines ,
86 Recht > 86.77 Arbeitsrecht. Sonstiges
AC Nummer
AC17925757
Utheses ID
79479
Studienkennzahl
UA | 783 | 101 | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1