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Prestige trotz Kritik?
Arbeitgeberreputation und symbolisches Kapital bei der Arbeitgeberwahl
Nataliya Khanas
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Wirtschaftswissenschaften
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Betriebswirtschaft
Betreuer*in
Bernhard Kittel
DOI
10.25365/thesis.80491
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-18481.82728.955322-9
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
In den letzten Jahren ist Arbeit nicht nur unsicherer geworden, sondern auch symbolisch aufgeladener. Wirtschaftliche Krisen, gesellschaftliche Umbrüche und eine zunehmende Sichtbarkeit von Arbeitgebern im digitalen Raum haben dazu geführt, dass Unternehmen nicht mehr aus-schließlich als Orte der Erwerbsarbeit wahrgenommen werden. Sie stehen zunehmend für Zugehörigkeit, Status und soziale Positionierung. Besonders deutlich zeigt sich dies dort, wo BewerberInnen und Beschäftigte bereit sind, belastende Arbeitsbedingungen in Kauf zu nehmen, solange der Name des Arbeitgebers “etwas bedeutet”. Diese Arbeit setzt an dieser Beobachtung an. Sie interessiert sich nicht primär für Zufriedenheit oder Motivation, sondern für Akzeptanz. Dafür, was ArbeitnehmerInnen aushalten, relativieren oder bewusst in Kauf nehmen und für den Moment, in dem genau das nicht mehr gelingt. Die zentrale Frage lautet, welche wahrgenommenen Bruchstellen laut MitarbeiterInnen dazu führen, dass der Status eines Arbeitgebers an Bedeutung verliert. Anders gesagt: Wann verliert Prestige seine kompensierende Kraft? Theoretisch ist die Arbeit in der Wirtschaftssoziologie verankert. Ausgangspunkt bildet Bourdieus Kapitaltheorie, insbesondere das Konzept des symbolischen Kapitals, ergänzt durch status-basierte Marktmodelle von Podolny sowie durch Überlegungen aus der Signaling-Theorie von Spence. Arbeitgeberprestige wird dabei nicht als objektive Eigenschaft verstanden, sondern als sozial zugeschriebenes Signal, das Erwartungen strukturiert und Wahrnehmungen lenkt. Prestige wirkt nicht isoliert, sondern entfaltet seine Wirkung im Zusammenspiel mit individuellen Biografien, beruflichen Übergängen und gesellschaftlichen Vergleichsmaßstäben. Empirisch basiert die Arbeit auf einer qualitativen netnografischen Inhaltsanalyse von 287 anonymen Bewertungen auf der Plattform Glassdoor aus den Jahren 2022 bis 2025. Untersucht wurden Unternehmensberatungen in der DACH-Region, die anhand einer arbeitsbezogenen Tier-Klassifikation in prestigeträchtige und weniger prestigeträchtige Arbeitgeber eingeordnet wurden. Ziel war es nicht, Bewertungen zu zählen oder Unternehmen zu vergleichen, sondern Deutungsmuster sichtbar zu machen: Wie werden negative Erfahrungen beschrieben? Wann werden sie abgeschwächt, normalisiert oder strategisch eingeordnet? Und wann nicht? Die Analyse zeigt, dass Prestige in vielen Fällen tatsächlich als kompensierende Ressource fungiert. Kritik an Gehalt, Arbeitsbelastung oder Work-Life-Balance wird in prestigeträchtigen Unternehmen häufig relativiert und in einen übergeordneten Sinnzusammenhang eingebettet. Belastung erscheint dann nicht als individuelles Problem, sondern als Teil eines größeren Narrativs, als Investition in den Lebenslauf oder als notwendige Phase im Karriereverlauf. Gleichzeitig werden klare Grenzen sichtbar. Negative Beziehungen zu direkten Vorgesetzten, fehlende Anerkennung und ein als toxisch wahrgenommenes Arbeitsklima erweisen sich unabhängig vom Prestigeniveau als besonders sensibel. Diese Aspekte werden deutlich seltener relativiert und stehen häufiger im Zusammenhang mit niedrigen Gesamtbewertungen oder einem Austritt aus dem Unternehmen. In diesen Momenten verliert Prestige seine legitimierende Wirkung. Insgesamt zeigt die Arbeit, dass Arbeitgeberprestige zwar Wahrnehmungen verschiebt und Toleranzräume erweitert, jedoch keine unbegrenzte Ressource darstellt. Wo grundlegende soziale Bedürfnisse dauerhaft verletzt werden, verliert der Status des Arbeitgebers an Bedeutung. Die Ergebnisse tragen damit zu einem vertieften Verständnis von Prestige als gesellschaftlichem Mechanismus bei und liefern zugleich Anknüpfungspunkte für die Diskussion über Arbeit, Anerkennung und soziale Ungleichheit.
Abstract
(Englisch)
In recent years, work has not only become more unstable, but also more symbolically charged. Economic crises, geopolitical uncertainty, and structural changes in labor markets have altered how organizations are perceived. Employers are no longer seen merely as places of employ-ment. They increasingly function as markers of status, belonging, and social positioning. This becomes particularly visible in cases where employees are willing to tolerate demanding work-ing conditions as long as the employer’s name carries social meaning. This study starts from this observation. It is less concerned with general job satisfaction than with acceptance. With what employees are willing to endure, reinterpret, or strategically justify and with the moment when this justification no longer works. The central research question asks which perceived breaking points lead employees to reassess the value of employer status. In other words, when does prestige stop compensating for negative work experiences? The study is theoretically grounded in economic sociology. Its main reference point is Bour-dieu’s theory of capital, with a particular focus on symbolic capital, complemented by Podolny’s status-based market models and Spence’s signaling theory. Employer prestige is not treated as an objective attribute, but as a socially constructed signal. It shapes expectations, frames evalua-tion, and influences how disadvantages are interpreted. Prestige does not operate in isolation. Its effects depend on career stage, biographical context, and the broader social environment in which work is embedded. Empirically, the study is based on a qualitative netnographic content analysis of 287 anonymous employee reviews published on Glassdoor between 2022 and 2025. The sample consists of consulting firms in the DACH region, categorized into prestigious and less prestigious emplo-yers using a heuristic tier classification commonly applied in recruiting contexts. The aim is not to compare companies or measure satisfaction levels, but to identify patterns of interpretation. How are negative experiences described? When are they relativized, normalized, or strategically reframed? And when do such narratives break down? The findings show that prestige often functions as a compensatory resource. In prestigious or-ganizations, criticism related to salary, workload, or work–life balance is frequently embedded in otherwise positive evaluations. High demands are framed as expected, temporary, or mean-ingful in the context of future opportunities. Especially when the employer is perceived as a career signal or a stepping stone, disadvantages are more likely to be tolerated or downplayed. At the same time, clear limits to this mechanism become visible. Negative relationships with direct supervisors, a lack of recognition, and a work climate perceived as toxic or politically charged emerge as central breaking points across both prestige categories. These experiences are less frequently relativized and are more often associated with low overall ratings or organizatio-nal exit. In such cases, prestige loses its buffering effect. Overall, the study shows that employer prestige can expand tolerance thresholds and reshape how working conditions are evaluated, but only to a certain extent. Once fundamental social and relational needs are persistently violated, employer status loses its compensatory power. By identifying these limits, the study contributes to a deeper understanding of prestige as a social mechanism and offers insights into contemporary debates on work, recognition, and inequality.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Arbeitgeberreputation Symbolisches Kapital Arbeitgeberwahl Unternehmensberatung Mitarbeiterbewertungen Prestige Wichtigkeit des Arbeitgeberprestige Toleranz gegenüber Arbeitsbedingungen Berufliche Entscheidungsprozesse Arbeitsmarkt Organisationale Reputation Online-Bewertungsplattformen Statusmechanismen Soziale Wahrnehmung Prestige als Ressource Kompensationswirkung von Prestige
Autor*innen
Nataliya Khanas
Haupttitel (Deutsch)
Prestige trotz Kritik?
Hauptuntertitel (Deutsch)
Arbeitgeberreputation und symbolisches Kapital bei der Arbeitgeberwahl
Paralleltitel (Englisch)
Prestige despite criticism
Paralleluntertitel (Englisch)
employer reputation and symbolic capital in employer choice
Publikationsjahr
2026
Umfangsangabe
1, 6, 84 Seiten : Illustrationen
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Bernhard Kittel
AC Nummer
AC17791589
Utheses ID
79679
Studienkennzahl
UA | 066 | 915 | |
