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Nachbarschaft & Wohnverhältnisse
eine empirische Analyse der Wiener Kleingärten
Ines Otter
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Geowissenschaften, Geographie und Astronomie
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Raumforschung und Raumordnung
Betreuer*in
Robert Musil
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.80841
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-13638.98691.638073-3
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Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die vorliegende Masterarbeit untersucht den sozialen Wandel in Wiener Kleingartenanlagen vor dem Hintergrund der rechtlichen Öffnung für das ganzjährige Wohnen (Eklw-Widmung). Seit der gesetzlichen Zäsur im Jahr 1992 haben sich diese ehemals saisonalen Erholungsräume zunehmend zu permanenten Wohnstandorten transformiert. Ziel der Arbeit ist es zu analysieren, wie diese Entwicklung das soziale Gefüge, die nachbarschaftlichen Interaktionsmuster und die kollektive Wirksamkeit (collective efficacy) innerhalb der Vereine beeinflusst. Methodisch folgt die Untersuchung einem Mixed-Methods-Design. Die quantitative Basis bildet eine standardisierte Befragung von Kleingarten-Nutzer:innen (n = 210), welche die Unterschiede zwischen ganzjährig Wohnenden und saisonal Nutzenden in Bezug auf Interaktionsdichte und Engagement erfasst. Ergänzend wurden qualitative Leitfadeninterviews mit Vereinsobleuten geführt, um tieferliegende Konfliktlinien, Normverschiebungen und institutionelle Herausforderungen zu identifizieren. Die Ergebnisse zeigen eine Ambivalenz zwischen formaler Harmonie und struktureller Entfremdung: Während die quantitativen Daten auf eine hohe Dichte niedrigschwelliger Interaktionen („Weak Ties“) hindeuten, offenbaren die qualitativen Befunde tiefgreifende Spannungen. Besonders der Übergang von Pacht zu Eigentum erweist sich als zentrale Differenzlinie. Diese Verschiebung beeinträchtigt die kollektive Wirksamkeit der Gemeinschaft, da Eigentumsverhältnisse tendenziell zu einer Individualisierung und einer Abkehr von kollektiven Vereinsnormen führen. Dies spiegelt sich insbesondere in einer geringeren Bereitschaft zur Übernahme von Vereinsfunktionen wider. Gleichzeitig äußert über die Hälfte der Befragten den Wunsch nach mehr Mitspracherecht, was auf eine Diskrepanz zwischen passivem Wohnanspruch und aktiver organisatorischer Teilhabe hindeutet. Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Transformation zum ganzjährigen Wohnen den Kleingarten als „dritten Ort“ erodiert und ihn verstärkt immobilienmarktförmigen Logiken unterwirft. Dies fordert die traditionelle Vereinskultur heraus und erfordert neue Strategien der Konfliktmoderation und Partizipation, um den sozialen Zusammenhalt und die informelle soziale Kontrolle innerhalb dieser Gemeinschaften langfristig zu sichern.
Abstract
(Englisch)
This master's thesis examines social change within Viennese allotment gardens against the backdrop of the legal opening for year-round residency (Eklw zoning). Since the legislative turning point in 1992, these formerly seasonal recreational spaces have increasingly transformed into permanent residential locations. The aim of this study is to analyze how this development influences the social fabric, neighborhood interaction patterns, and the collective efficacy of the associations. The research follows a mixed-methods design. The quantitative foundation consists of a standardized survey of allotment users (n = 210), capturing differences in interaction density and engagement between year-round residents and seasonal users. This is complemented by qualitative semi-structured interviews with association chairpersons to identify underlying lines of conflict, shifts in social norms, and institutional challenges. The results reveal an ambivalence between formal harmony and structural alienation: While quantitative data suggests a high density of low-threshold interactions ("weak ties"), such as pronounced greeting behavior, qualitative findings uncover deep-seated tensions. In particular, the transition from leasehold to private ownership emerges as a central line of social differentiation. This shift impacts the community's collective efficacy, as ownership often leads to individualization and a departure from collective norms, reflected in a decreased willingness to take on formal roles within the association. At the same time, more than half of the respondents expressed a desire for more co-determination, indicating a discrepancy between passive residential claims and active organizational participation. The study concludes that the transformation toward year-round residency erodes the allotment garden’s function as a "third place" and subjects it increasingly to real estate market logics. This challenges traditional association culture and necessitates new strategies for conflict moderation and participation to secure social cohesion and informal social control within these communities in the long term.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Wiener Kleingartenwesen Ganzjähriges Wohnen Nachbarschaft Kollektive Wirksamkeit Mixed-Methods Sozialer Wandel
Schlagwörter
(Englisch)
Viennese allotment gardens year-round residency neighborhood relations collective efficacy mixed-methods social change
Autor*innen
Ines Otter
Haupttitel (Deutsch)
Nachbarschaft & Wohnverhältnisse
Hauptuntertitel (Deutsch)
eine empirische Analyse der Wiener Kleingärten
Paralleltitel (Englisch)
Neighbourhood and residency patterns
Paralleluntertitel (Englisch)
an empirical analysis of Vienna's allotment gardens
Publikationsjahr
2026
Umfangsangabe
169 Seiten : Illustrationen
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Robert Musil
Klassifikationen
71 Soziologie > 71.20 Formen des Zusammenlebens. Allgemeines ,
74 Geographie > 74.09 Sozialgeographie ,
74 Geographie > 74.12 Stadtgeographie. Siedlungsgeographie
AC Nummer
AC17828000
Utheses ID
79965
Studienkennzahl
UA | 066 | 857 | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1