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Die Grenze (an)erkennen
zur Aufopferung in G. W. F. Hegels "Phänomenologie des Geistes"
Sofiia-Olga Kungurtseva
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Philosophie
Betreuer*in
Kurt Appel
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.81019
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-22341.18054.275711-3
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Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Das Opfer gehört zu jenen Begriffen, die hinter ihrer scheinbaren Selbstverständlichkeit eine vielschichtige Bedeutung verbergen: Zwischen Gewalterfahrung, religiöser Praxis, sozialem Bindungsmechanismus, moralischer Forderung und politischem Instrument oszillierend, wird es in unterschiedlichen Diskursen meist nur partiell beleuchtet. Die vorliegende Masterarbeit unternimmt den Versuch, den Opferbegriff in seiner Komplexität philosophisch zu erfassen – ausgehend von seiner bislang kaum untersuchten Funktion in G. W. F. Hegels "Phänomenologie des Geistes". Ziel ist es, die relevanten Passagen textnah zu rekonstruieren, ihre systematischen Zusammenhänge sowie intertextuellen Bezüge freizulegen und so eine bislang wenig beachtete Argumentationslinie zum Opferverständnis Hegels herauszuarbeiten. Die Analyse verfolgt die Transformationen des Opferbegriffs durch die zentralen Kapitel der Phänomenologie und zeichnet Hegels Kritik an Deutungen nach, die das Opfer als Heroismus, staatlichen Dienst, Tauschmechanismus oder revolutionäre Maßnahme verstehen. Demgegenüber wird sein eigenes Opferverständnis rekonstruiert: Hegel wendet sich gegen Rationalisierungs- und Romantisierungsversuche und interpretiert das Opfer als zentrale Denkfigur, durch die Reflexivität, Erkennen und Erfahrung ihren performativen Charakter aufzeigen und zugleich ihre eigenen Grenzen sichtbar machen. In der Verschränkung von Aufopferung und Wissen zeigt sich, dass Hegels Opferbegriff – entgegen verbreiteten Lesarten – auf eine irreduzible Dimension von Endlichkeit, Alterität und Nicht-Aneigenbarkeit verweist. Dieses Wissen, das seine eigene Negativität reflektiert und in der Arbeit als kenotisch bezeichnet wird, entfaltet kritisches Potenzial gegenüber modernen Wissensökonomien und deren Logiken der Quantifizierung, Nützlichkeit und Instrumentalisierung. In dieser Hinsicht trägt die Analyse der Aufopferungsstruktur des Wissens bei Hegel nicht nur zur Hegel-Forschung bei, sondern eröffnet zugleich ein begriffliches Feld, in dem Grenzen, Voraussetzungen und Implikationen gegenwärtiger Wissensformen hinterfragt werden.
Abstract
(Englisch)
The concept of ‘sacrifice’ may appear self evident, yet it spans a wide and complex range of meanings that resist easy unification. Associated with violence, religious rites, social cohesion, moral obligation, and political use, it is often examined only in fragmented ways within separate academic discourses. This master’s thesis explores the philosophical richness of sacrifice through a close reading of G. W. F. Hegel’s "Phenomenology of Spirit", an approach that has by far received little systematic attention. Using a detailed textual analysis, the study reconstructs the key passages in which Hegel evokes sacrifice and reveals how they are interconnected both conceptually and intertextually. The thesis traces how the concept of sacrifice evolves across the major sections of the "Phenomenology" and critically examines Hegel’s distance from views that interpret sacrifice as heroic action, service to the state, an exchange mechanism, or a revolutionary gesture. Contrary to such readings, the thesis argues that Hegel conceives of sacrifice as a figure through which reflexivity, experience and knowledge manifest their performative character while simultaneously exposing their limits. The dynamic between self sacrifice and knowledge reveals that – contrary to widespread interpretations – Hegel presents sacrifice as pointing to an irreducible dimension of finitude, otherness, and non appropriability. This mode of knowledge, described here as kenotic, reflects upon its own negativity and carries critical potential for understanding contemporary knowledge economies with their emphasis on quantification, utility, and instrumentalisation. By shedding light on the sacrificial structure of knowledge in Hegel, this thesis not only contributes to Hegel scholarship but also opens a conceptual space for challenging modern forms of knowledge by revealing their hidden presuppositions, limitations, and implications.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Opfer Phänomenologie des Geistes Hegel absolutes Wissen offenbare Religion die schöne Seele kenotisches WIssen Hegel Bildung unglückliches Bewusstsein Geist Selbstbewusstsein Aufopferung Grenze wissen Christentum
Schlagwörter
(Englisch)
sacrifice Phenomenology of Spirit absolute knowledge beautiful soul spirit self-consciousness self-sacrifice christianity
Autor*innen
Sofiia-Olga Kungurtseva
Haupttitel (Deutsch)
Die Grenze (an)erkennen
Hauptuntertitel (Deutsch)
zur Aufopferung in G. W. F. Hegels "Phänomenologie des Geistes"
Paralleltitel (Englisch)
Recognizing limits
Paralleluntertitel (Englisch)
sacrifice in Hegel's "Phenomenology of spirit"
Publikationsjahr
2026
Umfangsangabe
IV, 127 Seiten
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Kurt Appel
Klassifikation
08 Philosophie > 08.30 Systematische Philosophie. Allgemeines
AC Nummer
AC17850502
Utheses ID
80482
Studienkennzahl
UA | 066 | 941 | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1