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The gender in the genderless Estonian
gendered compound nouns
Riina Roasto
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Doktoratsstudium der Philosophie Finno-Ugristik
Betreuer*in
Johanna Laakso
DOI
10.25365/thesis.82036
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-28398.25637.883855-3
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Diese Dissertation untersucht, wie Geschlecht in der geschlechtslosen estnischen Sprache zum Ausdruck kommt. Obwohl das Estnische kein grammatisches oder pronominales Genus hat, kann Geschlecht dennoch lexikalisch ausgedrückt werden. Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen geschlechtsspezifische Komposita – das Ergebnis eines im Estnischen hochproduktiven und weit verbreiteten Wortbildungsprozesses, der es den Sprecherinnen und Sprechern erlaubt, unzählige Kombinationen mit nuancierten Konnotationen zu bilden. Mithilfe korpuslinguistischer Methoden stützt sich die Studie auf das Estnische Webkorpus von 2013, das vielfältige Textsorten und spontanen Sprachgebrauch umfasst, und identifiziert dabei 5.219 Komposita, die mit einer breiten Palette geschlechtsspezifischer Substantive bestehen, darunter sowohl standardsprachliche als auch umgangssprachliche Begriffe. Aus der Perspektive der feministischen Linguistik und im Rahmen der kritischen Diskursanalyse zeigt die Untersuchung eine ungleiche sprachliche Behandlung von Frauen und Männern im Estnischen. Geschlechtsspezifische Komposita verknüpfen Frauen mit einer geringeren Vielfalt an Konzepten, während Männer in der sprachlichen Landschaft dominant erscheinen. Darüber hinaus können maskuline Komposita häufig auch als mögliche generische Maskulina fungieren. Die Analyse zeigt, dass geschlechtsspezifische Komposita Frauen und Männer mit unterschiedlichen thematischen Bereichen assoziieren: Der Wortschatz verbindet Frauen mit häuslichen Tätigkeiten sowie mit unterstützenden oder dienstleistenden Rollen und zeichnet sie häufig in einem negativen Licht, während Männer in Verbindung mit Macht, Stärke, Intelligenz, Unabhängigkeit, Freiheit und anderen Eigenschaften dargestellt werden, die in einer männlich dominierten Gesellschaft traditionell als „höherwertig“ oder „besser“ gelten – selbst dann, wenn statistische Daten aus der Realität solche Zuschreibungen nicht stützen. Diese Dissertation zeigt, wie Geschlechterideologien sich im Wortschatz einer Sprache, die grammatisch und pronominal geschlechtsneutral ist, manifestieren und wie eine geschlechtslose Sprache als Instrument zur Aufrechterhaltung von Geschlechterungleichheit und männlicher Macht fungieren kann. Im Estnischen scheint sich diese Tendenz nicht zu verändern, da der Vergleich des Estnischen Webkorpus von 2013 mit dem von 2023 innerhalb von zehn Jahren keine nennenswerten Fortschritte in Richtung eines geschlechtergerechteren Sprachgebrauch erkennen ließ. Die Ergebnisse verdeutlichen die Persistenz androzentrischer sprachlicher Muster und leisten einen Beitrag zur breiteren Forschung über den Ausdruck von Geschlecht in geschlechtslosen Sprachen.
Abstract
(Englisch)
This doctoral thesis examines how gender is expressed in the genderless Estonian language. While lacking grammatical and pronominal gender marking, gender can nevertheless be expressed lexically. The study focuses on gendered compound nouns – the result of a highly productive and widely used word-formation process in Estonian, which enables speakers to create countless combinations with nuanced connotations. Using corpus linguistic techniques, the research draws on the 2013 Estonian Web Corpus, which includes diverse text genres and spontaneous language use, yielding the identification of 5,219 compounds formed with a broad range of lexical gender nouns, including both standard and colloquial terms. Through the lens of feminist linguistics and the framework of critical discourse analysis, the study reveals unequal linguistic treatment of women and men in Estonian. Gendered compounds relate women to fewer concepts, while men appear dominant in the linguistic landscape, with masculine compounds also often functioning as possible generics. The analysis shows that gendered compounds associate women and men with different thematic fields: the vocabulary links women to domesticity and supportive or service roles, frequently reflecting a dismissive attitude towards them, whereas men are portrayed in relation to power, strength, intelligence, independence, freedom, and other traits traditionally deemed “superior” or “better” in a male-dominated society, even when real-life statistical data do not support such associations. This thesis demonstrates how gender ideologies are reflected in the vocabulary of a language that is grammatically and pronominally gender-neutral, and how a genderless language can function as a tool for maintaining gender inequality and male power. In Estonian, this tendency does not appear to be changing, as the comparison of the 2013 and 2023 Estonian Web Corpora did not reveal any significant progress towards more gender-equitable language usage over the ten years. The findings highlight the persistence of androcentric linguistic patterns and contribute to broader research on gender expression in genderless languages.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Estnisch Geschlechtsausdruck geschlechtslose Sprachen feministische Linguistik Korpuslinguistik kritische Diskursanalyse
Autor*innen
Riina Roasto
Haupttitel (Englisch)
The gender in the genderless Estonian
Hauptuntertitel (Englisch)
gendered compound nouns
Publikationsjahr
2026
Umfangsangabe
274 Seiten : Illustrationen
Sprache
Englisch
Beurteiler*innen
Cornelius Hasselblatt ,
Pirkko Nuolijärvi
AC Nummer
AC18041143
Utheses ID
80545
Studienkennzahl
UA | 792 | 382 | |
