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Der Bockerer - zur Verfälschung einer ursprünglich nationalsozialistischen Kritik zugunsten des österreichischen Mythos des ersten Opfers
Benjamin Seidl
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Theater-, Film- und Medienwissenschaft
Betreuer*in
Brigitte Dalinger
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.81160
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29244.21642.892984-9
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Diese Arbeit untersucht die filmische Adaption des Theaterstücks Der Bockerer von Ulrich Becher und Peter Preses durch Franz Antel 1981 im Spannungsfeld der österreichischen Erinnerungskultur nach 1945. Ausgangspunkt ist die These, dass Antels Verfilmung die ursprünglich dezidiert antifaschistische Intention der Exilautoren zugunsten des in der Zweiten Republik dominanten Mythos Österreichs als „erstes Opfer“ des Nationalsozialismus verfälscht. Die alternative Biografie, die die Historikerin Hanja Dämon verfasst hat, wird als Grundstein genommen. Die Analyse verortet den Film im historischen Kontext seiner Entstehungszeit, insbesondere vor dem Hintergrund eines weiterhin aktiven Opferdiskurses und einer nur unzureichend aufgearbeiteten nationalsozialistischen Vergangenheit. Methodisch stützt sich die Arbeit auf einen narrativen filmanalytischen Ansatz nach David Bordwell und dem Neoformalismus, ergänzt durch historiographische Biografieforschung. Im Zentrum steht eine vergleichende Analyse zweier filmischer Umsetzungen des Stoffes: des werktreueren Fernsehspiels von Michael Kehlmann (1963) und der Kinoversion Franz Antels (1981). Anhand ausgewählter Szenen werden Veränderungen in Narration, Figurenzeichnung und dramaturgischer Gewichtung untersucht und in Beziehung zum jeweiligen zeitgeschichtlichen Kontext gesetzt. Die Ergebnisse zeigen, dass Antels Verfilmung durch gezielte narrative Verschiebungen, Ergänzungen und Abschwächungen zentrale politische Konflikte personalisiert und entideologisiert. Dadurch wird der widerständige Gedanke abgeschwächt und strukturelle Mitverantwortung der österreichischen Bevölkerung weitgehend ausgeblendet. Der Film reproduziert somit unbewusst oder bewusst jene Geschichtsbilder, die den Opfermythos der Zweiten Republik stabilisierten. Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die filmische Umsetzung des Bockerers (1981) weniger als konsequente antifaschistische Kritik zu lesen ist, sondern vielmehr als zeittypisches Produkt einer Gesellschaft, die sich erst Jahre später, einer kritischeren Neubewertung ihrer Vergangenheit stellt.
Abstract
(Englisch)
This thesis examines Franz Antel’s 1981 film adaptation of the play Der Bockerer by Ulrich Becher and Peter Preses within the context of Austrian post-1945 memory culture. The starting point is the thesis that Antel’s film adaptation distorts the originally decidedly anti-fascist intention of the exiled authors in favour of the myth of Austria as the ‘first victim’ of National Socialism, which was dominant in the Second Republic. The alternative biography written by the historian Hanja Dämon serves as the foundation. The analysis situates the film within the historical context of its time, particularly against the backdrop of a still-active discourse on victimhood and a Nazi past that has been insufficiently addressed. Methodologically, the study draws on a narrative film-analytical approach following David Bordwell and neo-formalism, supplemented by historiographical biographical research. The focus is on a comparative analysis of two cinematic adaptations of the material: Michael Kehlmann’s television drama (1963), which remains more faithful to the source material, and Franz Antel’s cinema version (1981). Using selected scenes, changes in narration, characterisation and dramatic emphasis are examined and placed in relation to the respective contemporary historical context. The findings show that Antel’s film adaptation, through deliberate narrative shifts, additions and toning down, personalises and de-ideologises central political conflicts. This weakens the spirit of resistance and largely obscures the Austrian population’s structural complicity. The film thus unconsciously or consciously reproduces those historical narratives that stabilised the victim myth of the Second Republic. The study concludes that the film adaptation of Bockerers (1981) should be read less as a consistent anti-fascist critique and more as a product typical of its time, reflecting a society that only years later faced up to a more critical re-evaluation of its past.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Franz Antel Der Bockerer Biografieforschung Filmgeschichte Österreich Österreich Studien Michael Kehlmann Karl Merkatz Satire
Autor*innen
Benjamin Seidl
Haupttitel (Deutsch)
Der Bockerer - zur Verfälschung einer ursprünglich nationalsozialistischen Kritik zugunsten des österreichischen Mythos des ersten Opfers
Paralleltitel (Englisch)
The Bockerer - on the distortion of an originally Nazi critique in favour of the Austrian myth of the first victim
Publikationsjahr
2026
Umfangsangabe
84 Seiten : Illustrationen
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Brigitte Dalinger
Klassifikation
24 Theater > 24.00 Theater, Film, Musik. Allgemeines
AC Nummer
AC17891571
Utheses ID
80580
Studienkennzahl
UA | 066 | 583 | |
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