Detailansicht

Speaking of competence: lived experiences of language in Japan
Florian Grosser
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Doktoratsstudium der Philosophie Sprachwissenschaft
Betreuer*innen
Jürgen Spitzmüller ,
Patrick Heinrich
Volltext in Browser öffnen
Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.82146
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-11054.36443.441477-7
Link zu u:search
(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Diese Dissertation untersucht die gelebten Erfahrungen sprachübergreifender kommunika-tiver Kompetenz bei L2-Nutzer:innen des Japanischen im gegenwärtigen Japan. Auf der Grundlage soziolinguistischer Konzepte wie Spracherleben, Stancetaking, Metapragmatik und Kompetenz analysiert sie, wie Migrant:innen ihre kommunikativen Praktiken in privaten, beruflichen und öffentlichen Bereichen wahrnehmen und aushandeln. Die Arbeit entwickelt dabei einen reformulierten Kompetenzbegriff, der über das individuelle Repertoire hinausgeht und durch Ideologien, Interaktionen sowie Intentionalitätszuschreibungen geprägt ist. Methodisch verfolgt die Studie einen ethnografischen und sprecher:innenzentrierten Ansatz. Analysiert werden Diskursdaten aus Audioaufnahmen, Interviews, Sprachenporträts und Feldbeobachtungen, die im Rahmen mehrerer Feldforschungsaufenthalte in Japan zwischen 2022 und 2025 erhoben wurden. Im Mittelpunkt stehen drei Fallstudien: erstens die Sprachverhandlungen eines österreichisch-japanischen Paares (Kapitel 5), anhand derer die Wahl zwischen Englisch und Japanisch im häuslichen Alltag untersucht wird; zweitens die Reflexionen einer deutschen Angestellten in einem japanischen Unternehmen über Keigo und sprachliche Höflichkeit im Arbeitskontext (Kapitel 6), wobei unterschiedliche Vorstellungen von Effizienz im Japanischen und Englischen herausgearbeitet werden; drittens die Interpretation der weithin bekannten Äußerung „nihongo ojoozu desu ne“ („Ihr Japanisch ist gut“) (Kapitel 7). Es wird gezeigt, dass diese Äußerung der Aufrechterhaltung sozialer Grenzen dient und Nicht-Muttersprachler:innen als grundlegend anders positioniert. Die Ergebnisse zeigen, dass kommunikative Kompetenz ideologisch verankert ist und dabei Native-Speaker-Ideologien, Registererwartungen und Fragen der sprachlichen Legitimität (re-)produziert. In allen Fällen reflektieren Migrant:innen, wie ihr Japanisch von anderen wahrgenommen wird, und beziehen solche Zuschreibungen in ihre Deutungen kommunikativer Praktiken in Interviews mit dem Forscher ein. Dabei nutzen L2-Nutzer:innen vielfältige kommunikative Ressourcen für narrative Positionierungen, darunter prosodische Modulation, Rhythmus, Zitationspraktiken, Vergleiche und Parallelismen, um Alterität, Zugehörigkeit und Legitimität in Japan narrativ zu verhandeln. Die Befunde machen deutlich, dass eine genaue Analyse der sprachlichen Formen erforderlich ist, um zu verstehen, wie L2-Sprecher:innen ihre gelebten Erfahrungen über verschiedene soziale Bereiche hinweg deuten.
Abstract
(Englisch)
This thesis investigates lived experiences of competence in and across languages among L2 users of Japanese residing in contemporary Japan. Drawing on the concepts of lived experience, stance, metapragmatics, and competence, it examines how migrants perceive and negotiate their communicative practices across private, professional, and public domains. It offers a reformulation of the concept of communicative competence that goes beyond a person’s repertoire, being influenced by ideologies, interaction, and ascriptions of intentionality. Employing an ethnographic and speaker-centered approach, the study analyzes discourse data from audio recordings, interviews, language portraits, and fieldwork observations collected during several fieldtrips to Japan (2022–2025). I present three key cases. First, language negotiations of an Austrian-Japanese couple (Chapter 5), in which language choice between English and Japanese is problematized. Second, reflections on the encoding of honorific requests in workplace narratives of a German professional working at a Japanese company (Chapter 6). In this case, the speaker highlights differences between Japanese and English discourse and its efficiency. Third, I present L2 users’ interpretations of the infamous nihongo ojoozu desu ne (‘your Japanese is good’) (Chapter 7). This example shows how compliments can operate as means to maintain boundaries, positioning L2 users as essentially different from Japanese. The findings reveal that perceptions of competence function as ideological moorings that ground native speaker ideologies, expectations of registers, and questions of speaker legitimacy. In all cases, migrants are concerned with how others perceive their Japanese and afford their speculations in their rationalizations of communicative practices. L2 users mobilize various resources in stancetaking, such as voicing, citational practices, comparisons, and rhythmic parallelism, to navigate alterity, belonging, and legitimacy in Japan. The findings underscore that we need to closely examine how speakers take stance in narratives in order to understand what they tell us about their experiences. Ultimately, speaking of competence emerges as dynamic negotiation of multilingual lives. It challenges monolingual biases and a focus on competence as a normative accuracy, thereby enriching our understanding of speaker legitimacy in Japan.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Soziolinguistik Japanisch Kommunikative Kompetenz Spracherleben Metapragmatik Japanisch als Zweitsprache Repertoire Stancetaking Interaktion Mehrsprachigkeit Migration Diskursanalyse Sprachideologie Sprecherlegitimität Keigo Reflexivität Internationale Paare Identität Linguistische Anthropologie Pragmatik Gesprächsforschung Intentionalitätszuschreibung Feldforschung Ethnografie Narrativ Zitation
Schlagwörter
(Englisch)
Sociolinguistics Japanese Communicative Competence Lived Experience of Language Metapragmatics L2 Japanese Repertoire Stancetaking Interaktion Multilingualism Migration Discourse Analysis Language ideology Speaker legitimacy Reflexivity International Couples Identity Linguistic Anthropology Pragmatics Conversation Analysis Intentionality Ascription Fieldwork Ethnography Narrative Citationality
Autor*innen
Florian Grosser
Haupttitel (Englisch)
Speaking of competence: lived experiences of language in Japan
Publikationsjahr
2026
Umfangsangabe
x, 325 Seiten : Illustrationen
Sprache
Englisch
Beurteiler*innen
Noriko Iwasaki ,
Goro Christoph Kimura
Klassifikationen
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.20 Soziolinguistik. Allgemeines ,
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.23 Mehrsprachigkeit ,
18 Einzelne Sprachen und Literaturen > 18.91 Japanische Sprache und Literatur
AC Nummer
AC18053548
Utheses ID
80615
Studienkennzahl
UA | 792 | 327 | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1