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Das Österreichische Wörterbuch und das "österreichische Deutsch"
eine zeitgeschichtlich akzentuierte soziolinguistische Untersuchung
Natalie Wagner
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Zentrum für LehrerInnenbildung
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Lehramt Sek (AB) Unterrichtsfach Deutsch Unterrichtsfach Geschichte und Politische Bildung
Betreuer*in
Manfred Michael Glauninger
DOI
10.25365/thesis.81320
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-11090.37696.760360-9
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Den Untersuchungsgegenstand vorliegender Masterarbeit bilden ausgewählte sprachpolitische, variationslinguistische und sprachideologische Aspekte des Österreichischen Wörterbuchs (ÖWB) im Zusammenhang mit der Konstruktion bzw. Reifikation eines österreichischen Deutsch im Zeitraum von 1951 bis in die Gegenwart. Ziel dabei ist es, die historische Entwicklung des ÖWB als symbolträchtiges lexikografisches Referenzwerk im Kontext der Nationswerdung der Zweiten Österreichischen Republik nachzuzeichnen und des Weiteren zu analysieren, wie das Wörterbuch sich vor diesem Hintergrund positioniert. Theoretisch verortet sich die Untersuchung in den soziolinguistischen Paradigmen der Sprachpolitik-, Sprachideologie- und Sprachvariationsforschung, ergänzt durch Ergebnisse der zeitgeschichtlichen Forschung zu Österreichs Zweiter Republik. Methodisch wird der Untersuchung ein qualitatives – und somit dezidiert nicht auf Repräsentativität abzielendes – Design zugrunde gelegt, bestehend aus a) einer hermeneutischen Auswertung von Fachliteratur und b) einer inhaltlich strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz (2018) der Vorworte sämtlicher bisher erschienener ÖWB-Auflagen 1–44 (1951–2025). Die Ergebnisse zeigen, dass die sprachpolitische Dimension des ÖWB über den gesamten Untersuchungszeitraum hinweg von Kontinuität gekennzeichnet ist, insbesondere durch die Verankerung im schulischen Kontext, die seit Bestehen des Wörterbuchs eine zentrale Bedeutung hat. Das ÖWB fungiert außerdem als staatlich legitimiertes Referenzwerk für den Bereich der Verwaltung. Sprachideologisch und sprachvariationsbezogen zeigen sich hingegen im Untersuchungszeitraum deutliche Transformationen. Die Vorworte der frühen ÖWB-Auflagen sind vor allem traditionell normativ geprägt und ordnen sprachliche Variation in eine entsprechend hierarchische Struktur ein. Im weiteren Verlauf zeigt sich das Wörterbuch aber offener und soziolinguistisch reflektierter. Die Variation der deutschen Sprache wird zunehmend differenzierter berücksichtigt und stärker unter funktionalen, aber auch ethischen Gesichtspunkten (wie jenem des politisch korrekten Sprachgebrauchs) betrachtet. Die Konzeption eines österreichischen Deutsch wandelt sich von anfangs linguistisch eher vagen Vorstellungen hin zur Auffassung einer nationalen Standardvarietät der plurizentrisch interpretierten deutschen Sprache. Das Österreichische Wörterbuch positioniert sich selbstbewusst im (sprach-)politischen Spannungsfeld zwischen Normierung und Variation der deutschen Sprache in Österreich, wobei Aspekten der Identitätskonstruktion und nationalen Symbolik entsprechende Bedeutung zukommt. Es fungiert auf diese Weise als nicht zu unterschätzendes Instrument sprachlicher Orientierung und kultureller Kontinuität, das sich den Herausforderungen des permanenten gesellschaftlichen Wandels stellt.
Abstract
(Englisch)
The object of investigation in this Master’s thesis comprises selected aspects of language policy, variationist linguistics, and language ideology of the Austrian Dictionary (ÖWB) in connection with the construction or reification of an Austrian variety of German from 1951 to the present day. The aim is to trace the historical development of the ÖWB as a symbolically significant lexicographical reference work within the context of nation-building in the Second Austrian Republic, and to analyze how the dictionary positions itself against this background. The study is theoretically situated within sociolinguistic paradigms of language policy, language ideology, and language variation research, complemented by findings from contemporary historical research on Austria’s Second Republic. Methodologically, the study follows a qualitative design—explicitly not aimed at representativeness—consisting of (a) a hermeneutic analysis of relevant scholarly literature and (b) a structuring qualitative content analysis according to Kuckartz (2018) of the prefaces of all editions of the ÖWB published to date (editions 1–44, 1951–2025). The results indicate that the language-policy dimension of the ÖWB is characterized by continuity throughout the entire period under investigation, particularly through its anchoring in the educational context, which has held central importance since the dictionary’s inception. In addition, the ÖWB functions as a state-legitimized reference work in the administrative domain. In contrast, language-ideological and variation-related aspects exhibit clear transformations over time. The prefaces of the early editions are primarily shaped by a traditional normative perspective and organize linguistic variation within a corresponding hierarchical structure. Over time, however, the dictionary adopts a more open and sociolinguistically reflective stance. Linguistic variation in German is increasingly taken into account in a more differentiated manner and is evaluated more strongly in functional as well as ethical terms (such as politically correct language use). The conception of Austrian German evolves from initially rather vague linguistic notions toward the understanding of a national standard variety within a pluricentric model of the German language. The Austrian Dictionary positions itself confidently within the (language-)political field of tension between standardization and variation of German in Austria, assigning particular importance to aspects of identity construction and national symbolism. In this way, it functions as a significant instrument of linguistic orientation and cultural continuity, while simultaneously responding to the challenges of ongoing societal change.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Österreichisches Wörterbuch ÖWB österreichisches Deutsch Sprachvariation Sprachpolitik Sprachideologie Soziolinguistik Normierung Varietäten Sprachwandel Sprachbewusstsein Zweite Republik Nationsbildung Lexikografie Metasprache paratextuell Identitätkonstruktion
Autor*innen
Natalie Wagner
Haupttitel (Deutsch)
Das Österreichische Wörterbuch und das "österreichische Deutsch"
Hauptuntertitel (Deutsch)
eine zeitgeschichtlich akzentuierte soziolinguistische Untersuchung
Paralleltitel (Englisch)
The Austrian dictionary and "Austrian German"
Paralleluntertitel (Englisch)
a sociolinguistic study with a contemporary historical focus
Publikationsjahr
2026
Umfangsangabe
XI, 88 Seiten : Illustrationen
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Manfred Michael Glauninger
Klassifikation
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.22 Sprachlenkung. Sprachpolitik
AC Nummer
AC17908406
Utheses ID
80623
Studienkennzahl
UA | 199 | 506 | 511 | 02
