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Erinnern heißt Verändern
künstlerische und aktivistische Erinnerungspraktiken nach dem rassistischen Anschlag von Hanau
Jana-Sofie Schmitz
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Internationale Entwicklung
Betreuer*in
Michaela Krenceyová
DOI
10.25365/thesis.81224
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-13790.40510.437447-1
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Die vorliegende Masterarbeit untersucht, wie zivilgesellschaftliche Akteur:innen in künstlerischen und aktivistischen Erinnerungspraktiken an den rassistischen Anschlag von Hanau am 19. Februar 2020 erinnern. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass rechte Gewalttaten nach 1945 nur unzureichend in der deutschen Erinnerungskultur verankert sind. Vor diesem Hintergrund analysiert die Arbeit, welche Perspektiven auf die Opfer, ihre Angehörigen sowie auf rassistische Gewalt dabei sichtbar gemacht werden und welche Forderungen an Erinnerung und gesellschaftliche Teilhabe formuliert werden. Im Fokus stehen das Theaterstück „And Now Hanau“ von Tuğsal Moğul sowie visuelle Praktiken im öffentlichen Raum wie Plakate, Sticker und Graffiti im Raum Hanau und Frankfurt am Main, die zwischen Februar 2020 und Dezember 2025 entstanden sind. Methodisch basiert die Untersuchung auf einer qualitativ strukturierenden Inhaltsanalyse nach Kuckartz. Die Ergebnisse wurden mittels der postmigrantischen Gesellschaftsanalyse nach Foroutan sowie Ansätzen der Erinnerungs-, Medien- und Performativitätstheorie interpretiert. Die Ergebnisse zeigen, dass künstlerische und aktivistische Erinnerungspraktiken spezifische Formen der Gegen-Erinnerung hervorbringen, die sich durch eine konsequente Opferzentrierung auszeichnen. Durch die wiederholte Nennung der Namen, die Darstellung individueller Biografien und die Einbettung der Opfer in soziale Zusammenhänge werden diese als konkrete, betrauerbare Subjekte sichtbar gemacht. Gleichzeitig wird rassistische Gewalt nicht als isoliertes Ereignis thematisiert, sondern als Ausdruck struktureller gesellschaftlicher Verhältnisse. Die analysierten Praktiken verbinden Erinnerung dabei eng mit politischen Forderungen nach Anerkennung, Aufarbeitung und gesellschaftlicher Teilhabe. Insgesamt verdeutlicht die Arbeit, dass die Erinnerungspraktiken im Kontext von Hanau einen Beitrag zur Weiterentwicklung erinnerungskultureller Diskurse leisten, indem sie marginalisierte Perspektiven ins Zentrum rücken und Erinnerung als Ort gesellschaftlicher Aushandlung begreifen. Sie zeigen exemplarisch, wie eine inklusivere Erinnerungskultur entstehen kann, in der die Erfahrungen von Betroffenen zum Ausgangspunkt öffentlichen Erinnerns werden. Damit leistet die Arbeit einen Beitrag zur Forschung über zivilgesellschaftlichen Erinnerungsaktivismus und die Transformation von Erinnerungskulturen in pluralen Gesellschaften.
Abstract
(Englisch)
This master’s thesis examines how civil society actors commemorate the racist attack in Hanau on 19 February 2020 through artistic and activist practices of remembrance. The starting point is the observation that acts of right-wing violence since 1945 have been inadequately embedded in German remembrance culture. Against this backdrop, the thesis analyses which perspectives on the victims, their relatives and racist violence are made visible in this context, and what demands are formulated regarding remembrance and social participation. The focus is on the play “And Now Hanau” by Tuğsal Moğul, as well as visual practices in public spaces such as posters, stickers and graffiti in the Hanau and Frankfurt am Main areas, created between February 2020 and December 2025. Methodologically, the study is based on a qualitative, structuring content analysis according to Kuckartz. The results were interpreted using Foroutan’s post-migrant social analysis as well as approaches from memory, media and performativity theory. The findings show that artistic and activist practices of remembrance give rise to specific forms of counter-memory characterised by a consistent focus on the victims. Through the repeated mention of names, the presentation of individual biographies and the embedding of the victims within social contexts, they are made visible as concrete, mournable subjects. At the same time, racist violence is not addressed as an isolated event, but as an expression of structural social conditions. The analysed practices thereby closely link remembrance with political demands for recognition, coming to terms with the past and social participation. Overall, the study illustrates that, in the context of Hanau, these practices of remembrance contribute to the further development of discourses on the culture of remembrance by bringing marginalised perspectives to the fore and understanding remembrance as a space for social negotiation. They exemplify how a more inclusive culture of remembrance can emerge, in which the experiences of those affected become the starting point for public remembrance. In doing so, this work contributes to research on civil society memory activism and the transformation of cultures of remembrance in pluralistic societies.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Erinnerungskultur Rassismus Anschlag von Hanau Erinnern Inklusive Erinnerungskultur
Autor*innen
Jana-Sofie Schmitz
Haupttitel (Deutsch)
Erinnern heißt Verändern
Hauptuntertitel (Deutsch)
künstlerische und aktivistische Erinnerungspraktiken nach dem rassistischen Anschlag von Hanau
Paralleltitel (Englisch)
Remembering means changing
Paralleluntertitel (Englisch)
artistic and activist practices of remembrance following the racist attack in Hanau
Publikationsjahr
2026
Umfangsangabe
I, 197 Seiten : Illustrationen
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Michaela Krenceyová
Klassifikation
10 Geisteswissenschaften allgemein > 10.99 Geisteswissenschaften allgemein. Sonstiges
AC Nummer
AC17897418
Utheses ID
80679
Studienkennzahl
UA | 066 | 589 | |
