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Fifty shades of digital hate
disentangling target and bystander experiences of anti-LGBTQIA+ online hostility
Melanie Saumer
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Doktoratsstudium Sozialwissenschaften: Publizistik- und Kommunikationswissenschaft
Betreuer*in
Jörg Matthes
DOI
10.25365/thesis.81380
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30161.43394.814850-4
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Online-Feindseligkeit ist zu einem zunehmend dominanten Phänomen in digitalen Räumen geworden, insbesondere wenn sie sich gegen marginalisierte soziale Gruppen wie die LGBTQIA+-Community richtet. Sowohl Betroffene, in diesem Fall LGBTQIA+-Personen, als auch Bystander (unbeteiligte, zufällig exponierte „Zuschauende“) können erheblich beeinträchtigt werden, wenn die Exposition gegenüber solcher Online-Feindseligkeit häufig und intensiv ist. Für Betroffene können ein Rückgang der psychischen Gesundheit, etwa durch Depressionen, Angst, Identitätsverbergung oder sogar suizidale Gedanken, Folgen dieser Exposition sein, während Bystander häufig Anzeichen von Desensibilisierung, moralischer Distanzierung oder sogar anti-Minoritäten Radikalisierung zeigen. Zentrale Forschungslücken betreffen bislang eine begrenzte methodische Vielfalt sowie ein unzureichendes theoretisches Verständnis der Bandbreite (z. B. Unhöflichkeit vs. Intoleranz vs. Bedrohungen), Häufigkeit und gruppendynamischen Prozesse wahrgenommener Feindseligkeit. Diese Dissertation adressiert diese Lücken in insgesamt sechs Studien mit unterschiedlichen methodischen Ansätzen: Die erste Studie ist eine 3×2 experimentelle Untersuchung (N = 461) und analysierte, wie Bystander eine Bandbreite feindseliger Online-Kommentare gegenüber einer Wissenschaftlerin wahrnehmen, wobei ethnische (Schwarz vs. Weiß) sowie sexuelle/geschlechtliche Identität (heterosexuell vs. homosexuell vs. trans) variiert wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass ethnische Hinweise stärkere moralische Empörung auslösten, während sexuelle/geschlechtliche Hinweise dies nicht taten, was auf eine mögliche Rolle von Cisheteronormativität bei der unterschiedlichen Sensibilität hindeutet. Die zweite Studie war eine mobile Experience-Sampling-Studie (N = 250 LGBTQIA+-Teilnehmende), in der drei tägliche In-situ-Befragungen über eine Woche während des Pride Months eine häufige Exposition gegenüber Feindseligkeit über verschiedene Formen hinweg (23% der Berichte), unmittelbare Effekte von Identitätsbedrohung sowie potenzielle kumulative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit zeigten, was auf mögliche langfristige Beeinträchtigungen hindeutet. Die dritte Studie war eine zweizeitige Panelstudie mit Bystandern (W1: N = 1.491; W2: N = 1.032), deren wiederholte Erhebungen zur Exposition gegenüber verschiedenen Formen anti-LGBTQIA+-Feindseligkeit ergaben, dass etwa die Hälfte der Teilnehmenden über die Zeit hinweg moderater bis häufiger unfreiwilliger Exposition ausgesetzt war, Interventionen jedoch trotz emotionaler, kognitiver und behavioraler Auswirkungen selten blieben, was auf anhaltende Bystander-Apathie hinweist. Die vierte Studie verwendete ein 3×3 experimentelles Design (N = 450), in dem Bystander zufällig verschiedenen Nudge-Bedingungen (Awareness vs. Awareness + behavioral vs. keine) sowie Feindseligkeitsarten (Unhöflichkeit vs. Intoleranz vs. zivil) zugewiesen wurden. Die Ergebnisse zeigten, dass Nudges die Interventionsbereitschaft nicht signifikant erhöhten, was auf mögliche Reaktanz oder Grenzen des Nudge-Designs hindeutet. In einer 2×2 experimentellen Studie (N = 570 LGBTQIA+-Teilnehmende) manipulierte die fünfte Studie Identitätspriming (positiv vs. neutral) sowie Bystander-Intervention (vorhanden vs. nicht vorhanden) und zeigte, dass Bystander-Handlungen zwar positiv bewertet wurden, jedoch die Wahrnehmungen der Betroffenen nicht signifikant veränderten, was auf stabile Identitätsprozesse oder Deckeneffekte hindeutet. Schließlich war die sechste Studie eine qualitative Interviewstudie (N = 18 LGBTQIA+-Personen), in der die Teilnehmenden eine hohe Prävalenz und emotionale Belastung durch Feindseligkeit über verschiedene Identitäten hinweg berichteten. Dabei wurde In-Group-Feindseligkeit als ähnlich häufig und besonders verletzend wahrgenommen, was auf ein Resilienz–Coping-Paradox hinweist. Zusammenfassend zeigt diese Dissertation über alle Studien hinweg, dass a) die Exposition gegenüber LGBTQIA+-Feindseligkeit häufig ist, b) sie emotional belastend ist und c) sowohl Betroffene als auch Bystander betrifft, während Interventionen selten bleiben. Relationale und kontextuelle Faktoren wie Identität, ethnische Hinweise und Gruppendynamiken beeinflussen moralische Empörung und Bystander-Reaktionen, während Nudging oder kurzfristige Interventionen häufig nur begrenzte Effekte zeigen. Betroffene erleben sowohl Out-Group- als auch In-Group-Feindseligkeit, wobei Resilienz die Belastung zwar abmildert, aber nicht vollständig aufhebt, was auf potenzielle langfristige Auswirkungen auf die psychische Gesundheit hinweist. Diese Ergebnisse erweitern das wissenschaftliche Verständnis von digitaler und offlinebezogener Diskriminierung, Bystander-Verhalten und Identitätsprozessen und unterstreichen zugleich den dringenden gesellschaftlichen Bedarf an evidenzbasierten Interventionen zur Reduktion von Online- und Offline-Feindseligkeit gegenüber LGBTQIA+-Personen.
Abstract
(Englisch)
Online hostility has become an increasingly dominant phenomenon in digital spheres, especially when it revolves around marginalized social groups such as the LGBTQIA+ community. Targets, in this case LGBTQIA+ individuals, but also bystanders (unaffiliated incidentally exposed “passers-by”) can face severe impacts when such online hostility exposure is frequent and intense. For targets, mental health decrease through depression, anxiety, identity concealment, or even suicidal ideation can be consequences of such exposure, while bystanders often show signs of desensitization, moral disengagement, or even anti-minority radicalization. Emerging key research gaps include limited methodological diversity, insufficient theoretical understanding of the range (i.e., incivility vs. intolerance vs. threats), frequency, and group dynamics of perceived hostility. This dissertation addresses this in a total of six studies employing various methodologies: The first study is an 3×2 experimental study (N = 461) and examined how bystanders perceive a range of hostile online comments toward a female scientist varying in ethnic (Black vs. White) and sexual/gender identity (heterosexual vs. homosexual vs. trans), finding that ethnic cues increased moral outrage while sexual/gender cues did not, suggesting a potential role of cisheteronormativity in shaping differential sensitivity. The second study was a mobile experience sampling study (N = 250 LGBTQIA+ participants), where three daily in-situ surveys over one week during Pride Month revealed frequent exposure to hostility across types of hostility (23% of reports), immediate identity-threat effects, and potential cumulative impacts on mental health, suggesting possible long-term impairments. The third study was a two-wave bystander panel study (W1: N = 1,491; W2: N = 1,032), and its repeated assessments of exposure to different kinds of anti-LGBTQIA+ hostility revealed that about half of participants experienced moderate to frequent involuntary exposure over time, yet interventions remained rare despite emotional, cognitive, and behavioral impacts, indicating persistent bystander apathy. The fourth study had a 3×3 experimental design (N = 450) where bystanders were randomly assigned to nudge types (awareness vs. awareness + behavioral vs. none) and hostility types (incivility vs. intolerance vs. civil), revealing that nudges did not significantly increase intervention, suggesting potential reactance or limits of the nudging design. In a 2×2 experimental study (N = 570 LGBTQIA+ participants), the fifth study manipulated identity priming (positive vs. neutral) and bystander intervention (present vs. absent) and revealed that while bystander actions were evaluated positively, they did not significantly alter target perceptions, suggesting stable identity processes or ceiling effects. Finally, the sixth study was a qualitative interview study (N = 18 LGBTQIA+ individuals), and participants reported high prevalence and emotional impact of hostility across identities, with in-group hate being similarly frequent and hurtful, highlighting a resilience–coping paradox. Conclusively, this dissertations shows that across these studies a) exposure to LGBTQIA+ hostility is frequent, b) it is emotionally impactful, and c) affects both targets and bystanders, yet interventions remain rare. Relational and contextual factors, such as identity, ethnic cues, and group dynamics, shape moral outrage and bystander responses, while nudging or brief interventions often show limited effects. Targets experience both out-group and in-group hostility, with resilience mitigating but not eliminating stress, highlighting potential long-term mental health consequences. These findings advance scientific understanding of digital and offline discrimination, bystander behavior, and identity processes, while underscoring the urgent societal need for evidence-based interventions to reduce online and offline LGBTQIA+ hostility.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Anti-LGBTQIA+ online Feindseligkeit digitaler Hass identity threat minority stress digitale Resilienz bystander intervention LGBTQIA+ mental Gesundheit
Schlagwörter
(Englisch)
anti-LGBTQIA+ online hostility digital hate identity threat minority stress digital resilience bystander intervention LGBTQIA+ mental health
Haupttitel (Englisch)
Fifty shades of digital hate
Hauptuntertitel (Englisch)
disentangling target and bystander experiences of anti-LGBTQIA+ online hostility
Publikationsjahr
2026
Umfangsangabe
420 Seiten : Illustrationen
Sprache
Englisch
Beurteiler*innen
Christina Seeger ,
Claudia Wilhelm
AC Nummer
AC17913015
Utheses ID
80935
Studienkennzahl
UA | 796 | 310 | 301 |
