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Spätdiagnose Autismus bei Frauen
zwischen Diagnoseweg, Selbstwahrnehmung und Camouflaging
Sophie Sigmund
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Psychologie
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Psychologie
Betreuer*in
Harald Werneck
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.81259
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-17227.50276.153696-5
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Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) betreffen ca. 1% der Bevölkerung und äußern sich unter anderem in sozialen Schwierigkeiten, stereotypisierten Verhaltensweisen sowie sensorischer Überempfindlichkeit. Während ASS bisher häufiger bei Männern diagnostiziert wurde, zeigen sich bei Frauen vermehrt Spätdiagnosen im Erwachsenenalter, was darauf hindeutet, dass Geschlechtsunterschiede geringer sein könnten als bisher angenommen. Forschende vermuten, dass die angenommene Geschlechtsdiskrepanz unter anderem auf sogenanntes Camouflaging zurückzuführen sei, bei dem autistische Symptome aktiv überdeckt werden. Dies erschwert deren Sichtbarkeit und geht bei Betroffenen häufig mit Belastungen des Selbstbildes sowie der Identitätsentwicklung einher. Zur Untersuchung des Diagnosewegs wurden neun Frauen, die ihre ASS-Diagnose erst im Erwachsenenalter erhalten haben, zu ihren Erfahrungen befragt. Im Fokus standen die Wahrnehmung des Diagnoseprozesses, zentrale Herausforderungen sowie Einflüsse auf Selbstwahrnehmung und Identitätsfindung vor und nach der Diagnose. Zusätzlich wurde die Rolle gesellschaftlicher Einflüsse im Zusammenhang mit Camouflaging berücksichtigt. Die Auswertung erfolgte mittels Fokussierter Interviewanalyse nach Kuckartz und Rädiker (2024) unter Verwendung von MAXQDA. Die Ergebnisse verdeutlichen weiterhin bestehende Defizite im System, insbesondere hinsichtlich Informationszugang, fachlicher Expertise sowie Diagnostikangeboten. Spätdiagnosen wurden überwiegend als entlastend erlebt und wurden zusammenhängend mit Selbstakzeptanz und persönlicher Entwicklung beschrieben. Gesellschaftliche Erwartungen und geschlechtsspezifische Rollenbilder wirkten sich hingegen negativ aus und beeinflussten das Selbstbild sowie soziale Beziehungen der Betroffenen. Außerdem begünstigen Rollenbilder Camouflaging, was sowohl den Diagnoseweg als auch Selbstbild und soziale Beziehungen negativ beeinflusste. Insgesamt zeigen die Ergebnisse auch erste Fortschritte, zeigen jedoch weiterhin bestehenden Handlungsbedarf in Diagnostik, Aufklärung sowie gesellschaftlichem Umgang mit ASS bei Frauen auf.
Abstract
(Englisch)
Autism Spectrum Disorder (ASD) affects around 1% of the population and is characterised by social difficulties, stereotyped behaviours and sensory hypersensitivity. Although ASD is more frequently diagnosed in men, an increasing number of late diagnoses in adulthood are now observed among women, suggesting that sex differences may be smaller than previously assumed. Researchers propose that this gender disparity could be partly explained by camouflaging, which means active concealing of autistic symptoms. This reduces the visibility of symptoms and often leads to challenges related to self-concept and identity development. To investigate the diagnostic course, nine women who received their ASD diagnosis in adulthood were interviewed about their experiences. The focus was on their perception of the diagnostic process, key challenges encountered, and influences on self-perception and identity development before and after the diagnosis. Additionally, the relevance of societal influences in relation to camouflaging were considered. Data were analysed using focused interview analysis developed by Kuckartz and Rädiker (2024) with the software MAXQDA. The results highlight persisting systemic deficits, particularly regarding access to information, professional expertise, and diagnostic accessibility. Late diagnoses were predominantly experienced as relieving and were associated with increased self-acceptance and positive personal development. In contrast, societal expectations and gender-specific norms had negative effects, influencing both self-concept and social relationships. Furthermore, societal norms were found to promote camouflaging, which in turn negatively affected the diagnostic process as well as self-concept and social connections. Overall, these findings indicate initial progress in the system but also underline the ongoing need for improvements in diagnostic practices, awareness, accessibility of information, and societal approaches to and views of ASD in women.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Autismus Autismus-Spektrum-Störung Spätdiagnosen Frauen Diagnoseweg Herausforderungen Selbstwahrnehmung Identitätsfindung Camouflaging Rollenbilder
Schlagwörter
(Englisch)
autism autism spectrum disorder (ASD) late diagnosis women diagnostics challenges self-concept identity development camouflaging societal norms
Autor*innen
Sophie Sigmund
Haupttitel (Deutsch)
Spätdiagnose Autismus bei Frauen
Hauptuntertitel (Deutsch)
zwischen Diagnoseweg, Selbstwahrnehmung und Camouflaging
Paralleltitel (Englisch)
Late diagnosis of autism in women
Paralleluntertitel (Englisch)
between the diagnostic journey, self-perception, and camouflaging
Publikationsjahr
2026
Umfangsangabe
74 Seiten : Illustrationen
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Harald Werneck
Klassifikationen
77 Psychologie > 77.53 Entwicklungspsychologie. Allgemeines ,
77 Psychologie > 77.70 Klinische Psychologie
AC Nummer
AC17901698
Utheses ID
81166
Studienkennzahl
UA | 066 | 840 | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1