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Der lange Weg zur theresianischen Schulreform
Schulordnungen, Instruktionen und Bestallungen als Zeugnisse des österreichischen Bildungswesens des 16. bis 18. Jahrhunderts
Paul Hörmandinger
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Lehramt Sek (AB) Unterrichtsfach Deutsch Unterrichtsfach Geschichte und Politische Bildung
Betreuer*in
Martin Scheutz
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.81309
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-20782.63412.196638-3
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung des österreichischen Primarschulwesens in der Frühen Neuzeit vom 16. bis zum 18. Jahrhundert anhand normativer Quellen und ordnet diese in den Kontext der theresianischen Schulreform von 1774 ein. Dafür wurde eine systematische Analyse von 70 ausgewählten Texten aus Ludwig Boyers Quellenedition Schulordnungen, Instruktionen und Bestallungen. Quellen zur österreichischen Schulgeschichte vom Mittelalter bis zum Ende des 18. Jahrhunderts durchgeführt. Ergänzt wurde die Quellenanalyse durch einen Vergleich mit der einschlägigen Forschungsliteratur sowie durch eine abschließende Kontextualisierung im Hinblick auf die Schulreform Maria Theresias. Methodisch orientiert sich die Arbeit an Ansätzen der historischen Diskursanalyse und versteht die Quellentexte nicht nur als normative Vorgaben, sondern als Ausdruck zeitgenössischer Wissens- und Ordnungsvorstellungen. Die Untersuchung zeigt dabei auf, inwiefern Schulordnungen und Instruktionen als Instrumente zur Normierung, Kontrolle und Konfessionalisierung des frühneuzeitlichen Schulwesens verwendet wurden. Sie regelten Fragen der Schulträgerschaft und Aufsicht, der Organisation, des Unterrichts, der Rolle der Schulmeister sowie des Verhaltens der Schülerschaft. Besonders eindrücklich wird dabei der Einfluss konfessioneller Dynamiken: Die Analyse von Texten aus katholischen wie protestantischen Wirkungskreisen zeigt, dass Schulen im Zuge von Reformation und Gegenreformation gezielt zur Durchsetzung religiöser und sozialer Ordnungsvorstellungen eingesetzt wurden. Anhand der Ausführungen zum Schulmeisterstand lässt sich darüber hinaus die in der Forschung vertretene Einschätzung bestätigen, wonach Quellentexte dieser Gattungen oftmals weniger die schulische Praxis als vielmehr idealtypische Vorstellungen von Ordnung, Disziplin und „guter Policey“ widerspiegeln. Insgesamt zeigt die Analyse, dass das Elementarschulwesen im Untersuchungszeitraum gleichermaßen von Kontinuitäten wie von Brüchen geprägt war. Während gewisse normative Vorstellungen von Schule in einzelnen Regionen Österreichs über lange Zeiträume hinweg stabil blieben, zeichnet sich mit Fortdauer der Zeit doch eine Tendenz zur Systematisierung, Vereinheitlichung und staatlichen Einflussnahme ab. Diese Entwicklungen kulminierten in der theresianischen Schulordnung von 1774, welche die bestehenden Traditionen aufgriff, bündelte und in ein einheitliches staatliches System überführte. Die Ergebnisse der Arbeit legen damit nahe, dass die theresianische Schulreform weniger als radikaler Umbruch denn als Ergebnis eines längerfristigen Entwicklungsprozesses zu verstehen ist. Die analysierten Quellentexte machen deutlich, dass zentrale Elemente des modernen Schulwesens bereits in der Frühen Neuzeit angelegt waren und durch normative Regelungen schrittweise ausgeformt wurden.
Abstract
(Englisch)
This thesis examines the development of the Austrian primary school system in the Early Modern period from the 16th to the 18th century based on normative sources and situates them within the context of the Theresian school reform of 1774. To this end, a systematic analysis of 70 selected sources from Ludwig Boyer’s edition Schulordnungen, Instruktionen und Bestallungen. Quellen zur österreichischen Schulgeschichte vom Mittelalter bis zum Ende des 18. Jahrhunderts was conducted. The source analysis was complemented by a comparison with relevant research literature as well as a final contextualization with regard to the school reform of Maria Theresa. Methodologically, the study draws on approaches from historical discourse analysis and interprets the source texts not only as normative prescriptions, but also as expressions of contemporary concepts of social order. The study demonstrates to what extent school ordinances and instructions were used as instruments for the regulation, control, and confessionalization of the early modern school system. They governed issues of school patronage and supervision, the organization of schools, teaching practices, the role of schoolmasters, and the behavior of pupils. The influence of confessional developments is particularly evident: the analysis of texts from both Catholic and Protestant contexts shows that schools were deliberately used during the Reformation and Counter-Reformation to enforce religious and social norms. Furthermore, the discussion of the schoolmaster illustrates the widely held view in scholarship that such sources reflect less the actual practice of schooling than idealized notions of order, discipline, and “good governance” (gute Policey). In summary, the period under study is characterized by both continuity and change in the educational system. While certain normative ideas remained stable over long periods, there is an increasing tendency toward systematization, standardization, and state intervention. This development ultimately culminated in the Theresian school ordinance of 1774, which incorporated existing traditions, consolidated them, and integrated them into a unified state system. The findings of this thesis suggest that the Theresian school reform should be understood less as a radical rupture than as the result of a long-term process of development. The analysed sources make clear that key elements of the modern school system were already established in the Early Modern period and were gradually shaped through normative regulations.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Geschichte des österreichischen Schulwesens Maria-theresianische Schulreform Historische Bildungsforschung Frühe Neuzeit Schulordnungen als Quellen Instruktionsforschung Schulgeschichte Reformation und Gegenreformation
Autor*innen
Paul Hörmandinger
Haupttitel (Deutsch)
Der lange Weg zur theresianischen Schulreform
Hauptuntertitel (Deutsch)
Schulordnungen, Instruktionen und Bestallungen als Zeugnisse des österreichischen Bildungswesens des 16. bis 18. Jahrhunderts
Paralleltitel (Englisch)
The long road to the Theresian school reform
Paralleluntertitel (Englisch)
school ordinances, instructions, and letters of appointment as sources on the Austrian educational system from the sixteenth to the eighteenth century
Publikationsjahr
2026
Umfangsangabe
139 Seiten
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Martin Scheutz
Klassifikationen
15 Geschichte > 15.30 Europäische Geschichte in Mittelalter und Neuzeit. Allgemeines ,
81 Bildungswesen > 81.01 Geschichte des Bildungswesens
AC Nummer
AC17907565
Utheses ID
81227
Studienkennzahl
UA | 199 | 506 | 511 | 02
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1