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Parlamentarisches Dolmetschen
am Beispiel des Regionalrates Trentino-Südtirol
Giulia Masin Wieser
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Zentrum für Translationswissenschaft
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Translation Italienisch Deutsch
Betreuer*in
Franz Pöchhacker
DOI
10.25365/thesis.81328
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-23275.45566.742320-8
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Die vorliegende Masterarbeit untersucht die Rolle des parlamentarischen Dolmetschens bei der Gewährleistung der Mehrsprachigkeit und des Schutzes sprachlicher Minderheiten im Regionalrat von Trentino-Südtirol. In einem Kontext, in dem das Autonomiestatut die Gleichstellung der italienischen und der deutschen Sprache garantiert, versucht die Untersuchung folgende Frage zu beantworten: Welche Rolle spielt das parlamentarische Dolmetschen für die Mehrsprachigkeit und den Schutz von Minderheiten in Trentino-Südtirol? Während der Zugang zum regionalen öffentlichen Dienst strenge Zweisprachigkeitsnachweise erfordert, sind politische Ämter davon ausgenommen, um das verfassungsmäßige Recht auf passive Wahlrecht zu schützen. Daher sind im Regionalrat Abgeordnete mit sehr unterschiedlichen Sprachkenntnissen versammelt. Die Studie verfolgt einen qualitativen Ansatz und kombiniert die direkte Beobachtung der Ratssitzungen in Trient mit halbstrukturierten Interviews mit den Abgeordneten. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass der Simultandolmetschdienst eine unverzichtbare konstitutionelle Säule für das Funktionieren des Gesetzgebungsorgans darstellt, da er die Ausübung des Mandats ohne sprachliche Barrieren erst ermöglicht. In der Praxis verdeutlicht sich jedoch eine klare Asymmetrie: Während einsprachige Abgeordnete vollständig auf die Verdolmetschung angewiesen sind, nutzen zweisprachige Abgeordnete den Dienst aufgrund hoher passiver Sprachkompetenzen kaum. Darüber hinaus identifiziert die Arbeit wesentliche soziolinguistische und operative Herausforderungen, welche die kognitive Belastung in der Kabine erhöhen. Hierzu gehören insbesondere das schnelle Ablesen unvorbereiteter Redebeiträge sowie der häufige Gebrauch von deutschen lokalen Dialekten anstelle des Standarddeutschen, was immer wieder interne Reglementierungsdebatten auslöst. Während aktuelle Tendenzen zu einem „territorialen Neonationalismus“ eine zunehmend symbolische Instrumentalisierung des Dienstes zur Identitätsabgrenzung offenbaren, wird die rein technische Qualität der Sprachmittlung im internationalen Vergleich als exzellent bewertet. Für die Zukunft wird die technologische Unterstützung durch KI-Tools sowie eine Ausweitung des Schutzes auf die ladinische Minderheit angeregt.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Parlamentarisches Dolmetschen Simultandolmetschen Translationspolitik Zweisprachigkeit Mehrsprachigkeit Minderheitenschutz Südtirol
Autor*innen
Giulia Masin Wieser
Haupttitel (Deutsch)
Parlamentarisches Dolmetschen
Hauptuntertitel (Deutsch)
am Beispiel des Regionalrates Trentino-Südtirol
Paralleltitel (Englisch)
Parliamentary interpreting
Paralleluntertitel (Englisch)
the case of the regional council of Trentino-Alto Adige/Südtirol
Publikationsjahr
2026
Umfangsangabe
127 Seiten : Illustration
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Franz Pöchhacker
Klassifikation
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.23 Mehrsprachigkeit
AC Nummer
AC17909118
Utheses ID
81269
Studienkennzahl
UA | 070 | 348 | 331 |
