Detailansicht
Die Dobratschbergstürze und ihre Auswirkungen auf die Talentwicklung im unteren Gailtal
Mathias Sebastian Barounig
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Geowissenschaften, Geographie und Astronomie
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Erdwissenschaften
Betreuer*in
Kurt Decker
DOI
10.25365/thesis.81545
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-11385.69845.729431-9
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Diese Arbeit rekonstruiert den Bergsturzkomplex der Dobratsch-Südwand (Villacher Alpe, Kärnten) und untersucht dessen geomorphologische sowie sedimentologische Auswirkungen auf das untere Gailtal. Grundlage sind eine detaillierte geologische Kartierung, lithofazielle und mikroskopische Untersuchungen, die Auswertung hochauflösender Geländemodelle, die Neubewertung publizierter 36Cl-Expositionsalter sowie kinematische Überlegungen. An der Dobratsch-Südwand liegt ein mehrphasiger Bergsturzkomplex vor. Westlich und östlich der Gailitz werden prä-würmhochglaziale quartäre Ablagerungen aufgrund ihrer faziellen Übereinstimmungen als Turnberg-Einheit zusammengefasst. Diese wird von Grundmoränenablagerungen des Würm-Hochglazials überlagert, während die älteren Bergsturzablagerungen selbst keine glaziale Überprägung zeigen und damit post-hochglazial nach dem LGM (MIS 2) einzuordnen sind. Die jüngere, historische Bergsturzgeneration wird dem Erdbeben vom 25. Januar 1348 zugeordnet und gliedert sich in mehrere Teilstürze, von denen jener aus der Roten Wand mit einem Abrissvolumen von rund 53x106 m3 und einer Fahrböschung α1 von 12° das dominierende Teilereignis darstellt. Alle jungen Teilstürze setzen mit einer gleitenden Initialbewegung ein. Im Ablagerungsgebiet der Roten Wand belegen eine korngestützte, blockreiche Carapace- bis Megablockfazies, eine stark fragmentierte Body-Fazies mit Jigsaw-Subfazies sowie longitudinale Wälle, Hügel und Kompressionsstrukturen einen hochmobilen Bergsturz mit deutlich sturzstromartigem Auslauf. Die übrigen Teilstürze zeigen demgegenüber nur schwächer ausgeprägte Hinweise auf solche sturzstromartigen Ausläufe und blieben stärker an die gleitende Initialbewegung gebunden. Feinkörnige Sedimente nördlich von Hohenthurn und in der Seewiese belegen mindestens zwei Rückstausituationen und zeigen, dass die Dobratsch-Bergstürze die Entwässerung wiederholt absperrten oder umlenkten und damit die postglaziale Talentwicklung des unteren Gailtals wesentlich beeinflussten.
Abstract
(Englisch)
This study reconstructs the rock avalanche complex of the Dobratsch south face (Villacher Alpe, Carinthia) and investigates its geomorphological and sedimentological impact on the lower Gail Valley. It is based on detailed geological mapping, lithofacies and microscopic analyses, the evaluation of DEM data, the reassessment of published 36Cl exposure ages, and kinematic considerations. The Dobratsch south face is characterized by a multiphase rock-avalanche complex. West and east of the river Gailitz, pre-Würmian high-glacial Quaternary deposits are grouped as the Turnberg Unit based on their facies similarities. This unit is overlain by high-glacial till of the Würm glaciation, whereas the older rock-avalanche deposits themselves show no glacial overprint and must therefore be assigned to a post-high-glacial period after the LGM (MIS 2). The younger, historical rock-avalanche generation is attributed to the earthquake of 25 January 1348 and is subdivided into several partial failures, of which the Rote Wand sub-event represents the dominant one, with a source volume of about 53x106 m3 and a Fahrböschung angel α of 12°. All young partial failures started with an initial sliding movement. In the depositional area below the Rote Wand, a clast-supported, block-rich carapace- to megablock facies, a strongly fragmented body facies with jigsaw puzzle subfacies, as well as longitudinal ridges, hummocks, and compressional structures indicate a highly mobile rock avalanche with a distinctly sturzstrom-like runout. The other partial failures show only weakly developed evidence of such sturzstrom-like runout. These rock avalanches remained more strongly tied to the initial sliding phase. Fine-grained sediments north of Hohenthurn and in the Seewiese area record at least two backwater situations and show that the Dobratsch rock avalanches repeatedly dammed or diverted drainage and thereby significantly influenced the postglacial valley development of the lower Gail Valley.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Dobratsch-Bergstürze Villacher Alpe Sturzstrom Turnberg-Einheit Rückstausedimente postglaziale Talentwicklung dynamische Fragmentierung Bergsturzmorphologie Erdbeben von 1348
Autor*innen
Mathias Sebastian Barounig
Haupttitel (Deutsch)
Die Dobratschbergstürze und ihre Auswirkungen auf die Talentwicklung im unteren Gailtal
Paralleltitel (Englisch)
The Dobratsch rock avalanches and their impact on valley evolution in the lower Gail Valley
Publikationsjahr
2026
Umfangsangabe
III, 84 Seiten : Illustrationen
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Kurt Decker
Klassifikation
38 Geowissenschaften > 38.45 Geomorphologie
AC Nummer
AC17929499
Utheses ID
81409
Studienkennzahl
UA | 066 | 815 | |
