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Selective protection
humanitarian intervention, R2P, and power politics after the Cold War
Iva Sopta
Art der Arbeit
Master-Thesis (ULG)
Universität
Universität Wien
Fakultät
Postgraduate Center
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Universitätslehrgang für Internationale Studien (M.A.I.S.-Lehrgang)
Betreuer*in
Markus Kornprobst
DOI
10.25365/thesis.81627
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-19971.63740.551227-3
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Die Praxis der humanitären Intervention hat sich zu einem der markantesten Merkmale der Sicherheitspolitik nach dem Kalten Krieg entwickelt. Doch trotz der zunehmenden Nutzung des humanitären Diskurses und der Berufung auf die R2P-Doktrin („Responsibility to Protect“) bleiben einheitliche internationale Reaktionen auf schwere humanitäre Krisen konsequent selektiv. Diese Arbeit untersucht diese Selektivität: Warum führen einige humanitäre Krisen zu militärischen Interventionen, während andere dies nicht tun? Inwiefern erklären strategische politische Interessen das Interventionsverhalten und die Ergebnisse in humanitären Krisen in der Ära nach dem Kalten Krieg? Der theoretische Rahmen umfasst den Realismus, die hierarchische Interventionstheorie sowie Konzepte der ‘organized hypocrisy’ nach Krasner und ‘civilizing force of hypocrisy’ nach Elster. Es wird argumentiert, dass humanitäre Interventionen in erster Linie von strategischen politischen Interessen und nicht allein vom Humanitarismus angetrieben werden. Diese Arbeit begreift humanitäre Normen und Diskurse als Legitimationsinstrumente, mit denen strategisch motivierte Handlungen gerechtfertigt und moralisiert werden können, und nicht als unabhängige Ursachen für Interventionen. Die Arbeit untersucht vier verschiedene Interventionsfälle: die NATO-Intervention in Jugoslawien (1999), die NATO-Intervention in Libyen (2011), das Ausbleiben einer kollektiven Reaktion in Syrien (2011) und die regionale Intervention im Jemen (beginnend 2015). Dabei wird ein komparatives Forschungsdesign angewendet, das sowohl das Most Similar System Design (MSSD) als auch das Most Different System Design (MDSD) nutzt, um zu analysieren, wie strategische Interessen, internationale Sicherheitshierarchien und geopolitische Realitäten das Interventionsverhalten in Staaten mit schweren humanitären Krisen geprägt haben. Die Ergebnisse zeigen, dass humanitäre Anliegen allein weder das Interventionsverhalten erklären noch zu Interventionen führen. Vielmehr ist es am wahrscheinlichsten, dass militärische Interventionen dann stattfinden, wenn humanitäre Bedingungen genutzt werden können, um strategische Interventionen mächtiger Staaten zu rechtfertigen, sofern diese mit den bestehenden internationalen Sicherheitshierarchien vereinbar sind. Im Gegensatz dazu werden Interventionen in Fällen höchst unwahrscheinlich, in denen ein militärisches Vorgehen eine Konfrontation mit einer rivalisierenden Macht androhen würde oder wenn es die gewünschten Ziele nicht voranbringen könnte. Die Fälle Jugoslawien und Libyen zeigen, wie eine Intervention machbar ist, wenn humanitärer Diskurs und strategische Interessen übereinstimmen. Demgegenüber veranschaulichen Syrien und der Jemen die Grenzen humanitärer Bedenken, wenn diese mit geopolitischen Rivalitäten und Wettbewerb kollidieren. Diese Arbeit leistet daher einen Beitrag zu den Debatten über humanitäre Interventionen und internationale Sicherheit, indem sie aufzeigt, dass Interventionen nach wie vor primär durch Machtpolitik und die strategischen Interessen dominanter Staaten innerhalb der internationalen Sicherheitshierarchien geprägt sind.
Abstract
(Englisch)
Humanitarian intervention practice emerged as one of the most prominent features of the post-Cold War security politics. Yet despite the increasing use of humanitarian discourse and the invoking of R2P doctrine, unified international responses to major humanitarian crises remain consistently selective. This thesis examines this selectivity – why do some humanitarian crises produce robust military intervention while others do not? To what extent do strategic political interests account for intervention behavior and outcomes in humanitarian crises in the post-Cold War era? The theoretical framework encompasses realism, Hierarchical Intervention Theory, and concepts of organized hypocrisy by Krasner and the civilizing force of hypocrisy by Elster, arguing that humanitarian intervention is primarily driven by strategic political interests rather than humanitarianism alone. This thesis understands humanitarian norms and discourse as tools of legitimation through which strategically motivated actions can be justified and moralized, rather than as independent causes of intervention. This thesis examines four different cases of intervention: NATO’s intervention in Yugoslavia (1999), NATO’s intervention in Libya (2011), the absence of a collective response in Syria (2011), and the regional intervention in Yemen (starting in 2015). It employs a comparative study design, using both Most Similar System Design (MSSD) and Most Different System Design (MDSD), to analyze how strategic interests, international security hierarchies, and geopolitical realities shaped intervention behavior across states experiencing severe humanitarian crises. The findings show that humanitarian concerns alone do not explain intervention behavior or lead to interventions. Rather, military interventions are most likely to occur when humanitarian conditions can be used to justify strategic interventions of powerful states if compatible with the existing international security hierarchies. In contrast, interventions become highly unlikely in cases when military action would threaten confrontation with a rival power or if it would fail to advance the desired objectives. The cases of Yugoslavia and Libya showcase how, when humanitarian discourse and strategic interests align, an intervention is feasible. At the same time, Syria and Yemen illustrate the limitations of humanitarian concerns when they clash with geopolitical rivalries and competitions. This thesis, therefore, contributes to debates surrounding humanitarian intervention and international security by demonstrating how interventions remain primarily shaped by power politics and strategic interests of dominant states within the international security hierarchies.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Humanitäre Intervention Strategische Politische Interessen Internationale Beziehungen Großmachtpolitik Staatszerfall Interventionismus Internationale Sicherheit
Schlagwörter
(Englisch)
humanitarian intervention intervention international order realism liberalism responsibility to protect strategic political interests humanitarian crisis Kosovo Libya Syria Yemen
Autor*innen
Iva Sopta
Haupttitel (Englisch)
Selective protection
Hauptuntertitel (Englisch)
humanitarian intervention, R2P, and power politics after the Cold War
Publikationsjahr
2026
Umfangsangabe
88 Seiten : Illustrationen
Sprache
Englisch
Beurteiler*in
Markus Kornprobst
Klassifikation
70 Sozialwissenschaften allgemein > 70.00 Sozialwissenschaften allgemein. Allgemeines
AC Nummer
AC17956318
Utheses ID
81591
Studienkennzahl
UA | 992 | 940 | |
