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Limits to the use of evidence in EU cartel enforcement: balancing effective enforcement with fundamental rights
Annija Būda
Art der Arbeit
Master-Thesis (ULG)
Universität
Universität Wien
Fakultät
Postgraduate Center
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
außerordentliches Masterstudium Europäisches und Internationales Wirtschaftsrecht [Vollzeit Englisch]
Betreuer*in
Marco Botta
DOI
10.25365/thesis.81699
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-22608.62302.155360-5
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Kartelle gelten als eine der schwerwiegendsten Zuwiderhandlungen gegen das Wettbewerbsrecht, da sie Wettbewerb, Marktteilnehmer und Verbraucher schädigen. Ihr geheimer Charakter erschwert Aufdeckung und Nachweis erheblich und führt zu einer ausgeprägten Informationsasymmetrie zwischen Wettbewerbsbehörden und Kartellbeteiligten. Darauf hat das EU-Wettbewerbsrecht mit flexiblen beweisrechtlichen Maßstäben und weitreichenden Ermittlungsbefugnissen reagiert, um eine wirksame Durchsetzung von Art. 101 AEUV zu gewährleisten. Zugleich können die Erhebung und Verwendung von Beweismitteln in Kartellverfahren Grundrechte berühren, insbesondere das Recht auf Achtung des Privatlebens, den Schutz personenbezogener Daten und das Recht auf ein faires Verfahren. Die vorliegende Arbeit untersucht das Zusammenspiel zwischen den Beweismaßstäben bei der Durchsetzung des EU-Kartellrechts und dem Grundrechtsschutz. Sie analysiert die Entwicklung der beweisrechtlichen Flexibilität in der Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europäischen Union und fragt, inwieweit Grundrechte als rechtliche Grenzen der Erhebung, Übermittlung und Verwendung von Beweismitteln in Kartellverfahren wirken. Methodisch verfolgt die Untersuchung einen dogmatisch-analytischen Ansatz und stützt sich auf EU-Primär- und Sekundärrecht, die Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europäischen Union und des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, einschlägige nationale Rechtsprechung sowie wissenschaftliche Literatur. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Beweismitteln, die außerhalb gewöhnlicher wettbewerbsrechtlicher Ermittlungen gewonnen und später in Kartellverfahren herangezogen werden. Dies wird anhand des Urteils des Obersten Gerichtshofs der Republik Lettland in der Rechtssache Nr. SKA-170/2025 untersucht, das die Verwendung von Material aus operativen Überwachungsmaßnahmen in verwaltungsrechtlichen Kartellverfahren betrifft. Der Fall zeigt die Schwierigkeiten, die entstehen, wenn relevante Beweismittel zugleich besonderen verfahrensrechtlichen und grundrechtlichen Schutzvorkehrungen unterliegen. Beweisrechtliche Flexibilität ist für eine wirksame Kartellrechtsdurchsetzung erforderlich, rechtfertigt jedoch keine Umgehung verfahrensrechtlicher Garantien. Dies gewinnt im Zuge der Digitalisierung an Bedeutung, da sie neue Verschleierungsmöglichkeiten schafft und den Druck auf Wettbewerbsbehörden erhöht, invasivere Ermittlungsmethoden einzusetzen. Die Modernisierung der Verordnungen Nr. 1/2003 und Nr. 773/2004 könnte den Rahmen für Beweiserhebung und -verwendung präzisieren und die Rechtssicherheit stärken.
Abstract
(Englisch)
Cartels are widely recognised as among the most serious infringements of competition law because they harm competition, market participants and consumers. Their secretive nature makes them particularly difficult to detect and prove, creating a significant information asymmetry between competition authorities and cartel participants. In response, EU competition law has developed flexible evidentiary standards and extensive investigative powers designed to ensure the effective enforcement of Article 101 TFEU. At the same time, the gathering and use of evidence in cartel proceedings may interfere with fundamental rights such as the right to respect for private life, the right to the protection of personal data and the right to a fair trial. This thesis examines the interaction between evidentiary standards in EU cartel enforcement and the protection of fundamental rights. It analyses the development of evidentiary flexibility in the case law of the Court of Justice of the European Union and considers how fundamental rights operate as legal limits on the gathering, transfer and use of evidence in cartel proceedings. The research adopts a doctrinal and analytical method, drawing on EU primary and secondary law, the case law of the Court of Justice of the European Union and the European Court of Human Rights, relevant national case law and academic literature. A focus also is placed on evidence obtained outside ordinary competition law investigations and later relied upon in cartel proceedings. This issue is examined through a case study of the Latvian Supreme Court’s judgment in case No SKA-170/2025, concerning the use of operational surveillance material in administrative cartel proceedings. The case illustrates the practical difficulties that arise where evidence may be relevant for proving a cartel infringement but is subject to other safeguards. Evidentiary flexibility is necessary for effective cartel enforcement, but it cannot justify the circumvention of procedural safeguards. This balance is particularly important in light of digitalisation, which creates new opportunities for cartel participants to conceal coordination and increases pressure on competition authorities to rely on more intrusive investigative techniques. The ongoing modernisation of Regulation 1/2003 and Regulation 773/2004 may therefore provide an opportunity to clarify the procedural framework governing evidence gathering and use, and to strengthen legal certainty in this area.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
EU-Wettbewerbsrecht Kartellrechtsdurchsetzung Grundrechte Recht auf Privatsphäre Datenschutz Recht auf ein faires Verfahren Art. 101 AEUV
Schlagwörter
(Englisch)
EU competition law cartel enforcement fundamental rights right to privacy data protection right to fair trial Article 101 TFEU
Autor*innen
Annija Būda
Haupttitel (Englisch)
Limits to the use of evidence in EU cartel enforcement: balancing effective enforcement with fundamental rights
Publikationsjahr
2026
Umfangsangabe
66 Seiten
Sprache
Englisch
Beurteiler*in
Marco Botta
Klassifikation
86 Recht > 86.29 Wettbewerbsrecht. Kartellrecht
AC Nummer
AC17968341
Utheses ID
81662
Studienkennzahl
UA | 999 | 082 | |
