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Kitsch und Kitschkonsument
Elisabeth Hartl
Art der Arbeit
Magisterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Betreuer*in
Johann Haas
DOI
10.25365/thesis.9063
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29801.55518.510764-2
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Kitsch wurde lange mit Harmoniestreben, Liebes- und Versöhnungsbedürfnissen sowie mit dem Wunsch nach Ordnung und Einfachheit gleichgesetzt, die Konsumenten wurden als passiv und vor der Wirklichkeit flüchtend bezeichnet. Als schlechter Geschmack, manchmal gar als kultureller Müll diskreditiert, zeichnet sich jedoch gerade in letzter Zeit ein Wandel in der Bewertung von Kitsch ab.
Es ist zu bedenken, dass bei der Rezeption von Medienkitsch alltäglich bewährtes und in langen Sozialisationsprozessen angeeignetes Wissen über die Lesbarkeit von Texten zum Tragen kommt. Die Kulturindustrie-These von Horkheimer und Adorno zog den Rahmen auf, in dem wir bis heute popkulturelle Medienangebote, zu denen auch Kitsch zu zählen ist, „rezipieren“. Es ist daher die tatsächliche Nutzung der Medienangebote zu untersuchen.
Es gilt, in der Arbeit den Umgang mit Massenkultur in seiner Kreativität zu durchleuchten und dabei das Kitsch-Gefühl/Erleben im Kontext bildungsspezifischer Lesearten in den Mittelpunkt zu rücken. Ziel ist es, Einblick in die aktuellen Bewertungen und im Erleben von Populärem bei Menschen mit verschiedener Bildung zu erlangen und vor allem zu eruieren, ob eine vollständige Aufwertung von Kitsch auch in den Köpfen der Rezipienten erreicht ist oder noch Spuren der Abwertung existent sind.
Als Referenzobjekt diente die „Sissi“-Trilogie von Ernst Marischka aus den Jahren 1955-1957. Ein qualitativ-rekonstruktives Verfahren, das Zugang zu tiefer liegenden Orientierungen bietet, wurde gewählt und es wurden vier Gruppendiskussionen mit Frauen, die keinen Bezug zu den „Sissi“-Filmen haben (1), „Sissi“-Fans mit Hauptschule als höchsten Bildungsabschluss (2), „Sissi“-Fans mit Matura bzw. Abitur als höchsten Bildungsabschluss (3) sowie „Sissi“-Fans mit Hochschulabschluss (4) organisiert. Als Eingangsstimulus wurde ein Zusammenschnitt des ersten Teils der Verfilmung eingesetzt.
Die Arbeit gliedert sich in einen Theorie- und Methodenteil. Nach einem ersten Überblick über die Kitsch-Debatten findet der Kitsch-Begriff eine Einbettung in die übergeordneten Begriffe Massenkultur und Unterhaltung. Die damit verbundenen Diskurse und die langwierige Annäherung von Wissenschaft und Kritiker werden anschließend aufgezeigt bzw. auch der Unterhaltungsbegriff wird an sich fokussiert. Die Cultural Studies finden dabei eine eingehende Behandlung. Danach werden die „Sissi“-Filme vorgestellt, ihr Erfolg wird erläutert und auch auf kritische Stimmen bzw. Kitsch-Vorwürfe eingegangen. Bevor der Theorieteil einen Abschluss findet, werden die „Parasozialen Interaktion“, das „Mood Management Modell“ sowie die Theorie „Unterhaltung als Eskapismus“ und das „Encoding/Decoding-Model“ als mögliche sozialwissenschaftliche Erklärungsansätze für die Faszination von Kitsch bzw. den „Sissi“-Filmen dargelegt. Der Methodenteil wiederum beginnt mit einer Vorstellung der Gruppendiskussion und der dokumentarischen Methode. Kern der Arbeit bilden die formulierenden und reflektierenden Interpretationen der Diskussionen, die in vier Falldarstellungen gegliedert sind.
Im Zuge des Fallvergleichs und der sinngenetischen Typenbildung wird der unterschiedliche Zugang zu und der Umgang mit den „Sissi“-Filmen zusammengefasst.
Es konnte gezeigt werden, dass in den Gruppen eklatante Unterschiede im WAS, aber auch im WIE der Diskussionen herrscht. Im Sinne der Cultural Studies werden von den Fans der Filme Bedeutungen aktiv umgearbeitet. Kitsch ist Teil eines offenen Werkes, das dem Leser Leerstellen zur Verfügung stellt. Wie diese Leerstellen gefüllt werden, hängt aber weniger vom Bildungsgrad ab. Vielmehr ist heute für die Rahmung das persönliche, direkte Umfeld entscheidend. Der Freundeskreis fungiert als bedeutender Impulsgeber für die lebensweltliche Einbindung und den Umgang mit Kitsch. Gerade im Umfeld zeigt sich noch die Abwertung dieser Art von Unterhaltung.
Mit den erlangten Erkenntnissen werden die Forschungsfragen mit Hypothesen angereichert, bevor das letzte Kapitel schließlich eine Zusammenfassung dieser Arbeit leistet.
Für die Zukunft wäre es begrüßenswert, wenn weitere Arbeiten über Kitsch ebenfalls am Rezipienten ansetzen und die Exploration des Kitschgefühls in den Mittelpunkt stellen. Als Ausgangspunkt für nachfolgende kommunikationswissenschaftliche Untersuchungen könnten die in der Arbeit aufgestellten Hypothesen zum Kitsch dienen.
Eine CD mit dem Eingangsstimulus (einem Zusammenschnitt von "Sissi") für die Gruppendiskussionen ist der Magisterarbeit beigelegt.
Abstract
(Englisch)
Kitsch was equated with harmony striving, love and reconciliation needs, as well as the desire for simplicity. In everyday life, kitsch was called bad taste or cultural trash. Nevertheless, especially in recent years and decades a turn in the valuation of kitsch has become obvious.
It should be noted, that in the reception of kitsch, the acquired knowledge about the readability of texts takes effect. The culture industry thesis of Horkheimer and Adorno can still influence the way we consume popular products, including kitsch. Hence, the effective use of media products has to be examined.
This thesis aims to explore the handling of kitsch in its creativity and wants to gain insights to the current ratings of popular products from people of different educational levels.
The "Sissi”-movies (1955-1957) by Ernst Marischka are the kitsch-reference objects. A qualitative-reconstructive method, which offers access to deeper orientations, was chosen and four focus groups with women, not related to the "Sissi"-films (1), fans of "Sissi" with secondary modern school as their highest educational attainment (2), fans of "Sissi" with school-leaving exam as their highest educational attainment (3) as well as fans of "Sissi" with university degree (4) were carried out. A compilation of the first part of the film was used as an input stimulus.
The work is divided into a theory and a methods section. After an initial overview of the kitsch debates, the kitsch concept finds an imbedding in the overall concepts of mass culture and entertainment. Afterwards the associated discourses and the protracted convergence of science and critics to these topics are identified and the concept of entertainment is focused in itself. The concept of the Cultural Studies is given an in-depth treatment. Subsequently the "Sissi"-films are introduced, their success is explained and there is also a focus on the critical voices and the kitsch-accusations in the context of the films. Before the theory part finds an end, the "theory of parasocial interaction", the "mood management theory" as well as the theory of "entertainment as escapism”, and the “Encoding/Decoding-model” are illustrated as possible social-scientific explanations for the fascination of kitsch and the "Sissi"-films.
The methods part will in turn be initiated with a presentation of the documentary method of group discussion. The content analysis and the interpretative approach to documentary data are the core of the work.
It was discovered, that there are striking differences in about WHAT the groups talked, but also HOW they talked.
In terms of the Cultural Studies, meanings are altered actively by the fans of the films. Kitsch is an open text, which provides the reader with available spaces. How these empty spaces are filled rather depends on personal contacts, than on the level of education. The circle of friends appears as a major driving force for the life-involvement and in the way of handling Kitsch.
Within the scope of this work, new aspects (e.g. Kitsch as a ritual) concerning kitsch were investigated which can serve as a starting point for subsequent studies.
A CD with the input stimulus (a compilation of "Sissi") for the group discussions is attached to the thesis.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Kitsch Kitschkonsument Unterhaltung Massenkultur Sissi
Autor*innen
Elisabeth Hartl
Haupttitel (Deutsch)
Kitsch und Kitschkonsument
Publikationsjahr
2010
Umfangsangabe
383 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Johann Haas
Klassifikation
05 Kommunikationswissenschaft > 05.00 Kommunikationswissenschaft: Allgemeines
AC Nummer
AC08089803
Utheses ID
8172
Studienkennzahl
UA | 066 | 841 | |
