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The Brussels Effect and the limits of artificial intelligence governance: the AI Act in the U.S. constitutional order
Katharina Gmeiner
Art der Arbeit
Master-Thesis (ULG)
Universität
Universität Wien
Fakultät
Postgraduate Center
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Universitätslehrgang für Internationale Studien (M.A.I.S.-Lehrgang)
Betreuer*in
Holger Hestermeyer
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.81640
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-25272.68498.730781-3
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
KI-Systeme werden weltweit über zentralisierte Architekturen eingesetzt, die Nutzer gleichzeitig über verschiedene Rechtsordnungen hinweg bedienen. Das KI-Gesetz der Europäischen Union, der erste umfassende verbindliche Regulierungsrahmen für künstliche Intelligenz, reagiert darauf, indem er die Zuständigkeit für jeden Anbieter beansprucht, dessen Systeme Personen innerhalb der Union betreffen und das unabhängig vom Ort der Niederlassung. Das KI-Gesetz setzt dies durch den Binnenmarkt der EU um. Jeder Anbieter, der Nutzer innerhalb der Union bedienen möchte, muss die Vorschriften einhalten, unabhängig davon, wo dieser Anbieter ansässig ist. Die theoretischen Konsequenzen des sogenannten Brüssel-Effekts sind eindeutig: Unternehmen, einschließlich US-amerikanischer Firmen, entscheiden sich dafür, die EU-Compliance weltweit anzuwenden, anstatt ihre Betriebsabläufe zu fragmentieren. Dadurch kann die EU die globale KI-Governance allein durch Marktdruck über ihre Grenzen hinaus prägen. Wenn US-Unternehmen die Verpflichtungen des EU KI-Gesetzes weltweit anwenden und dadurch EU-Regulierungen über Meinungsfreiheiten auf ihre gesamte Nutzerbasis übertragen, erzeugen diese Entscheidungen Auswirkungen auf die durch das „First Amendment“ geschützte Meinungsfreiheit, die nach der US-amerikanischen Verfassungsdoktrin eigentlich überprüft werden müssten. US-Gerichte wenden kein EU-Recht an. Sie überprüfen inländisches Verhalten, das durch ausländische Compliance-Anreize geprägt ist, und messen dieses an etablierten verfassungsrechtlichen Standards. Würde der Kongress vergleichbare Verpflichtungen verabschieden, würden dies politische und rechtliche Probleme im Hinblick auf das First Amendment schaffen. Die US-amerikanischen und europäischen Konzepte der Meinungsfreiheit unterscheiden sich strukturell. Während das EU-Recht eine Abwägung zwischen freier Meinungsäußerung und anderen Grundrechten zulässt, gilt das First Amendment in den USA nahezu als absolutes Verbot staatlicher Eingriffe in die Meinungsfreiheit. Da die Einhaltung des KI-Gesetzes jedoch freiwillig erfolgt, fehlt US- Gerichten das notwendige Merkmal des staatlichen Eingreifens „state action“, um diese verfassungsrechtlichen Auswirkungen zu prüfen, weshalb kein gerichtlicher Weg möglich ist. Die verfassungsrechtliche Spannung verlagert sich daher in den legislativen Bereich. Mein zentrales Argument lautet, dass das KI-Gesetz verfassungswidrig sein könnte, wenn es vom US-Kongress verabschiedet würde, jedoch durch Marktdruck dennoch vergleichbare Wirkungen entfaltet. Gerichte können dagegen nichts unternehmen, weil das erforderliche staatliche Handeln fehlt, weshalb der politische und rechtliche Druck letztlich auf den Kongress zurückfallen wird. Hinweis: Diese Arbeit berücksichtigt gesetzgeberische Entwicklungen bis zum 01.06.2026.
Abstract
(Englisch)
AI systems are deployed globally through centralized architectures that serve users across jurisdictions simultaneously. The European Union's (EU) Artificial Intelligence Act (AI Act), the first comprehensive binding regulatory framework for AI, responds to this by asserting jurisdiction over any provider whose systems affect persons within the Union, regardless of the establishment location. The AI Act operationalizes this through a market access logic: any provider wishing to serve users within the Union must comply, regardless of where that provider is established. The theoretical consequences of the Brussels Effect are clear: firms, including firms from the United States of America (U.S.), choose to extend EU compliance globally rather than fragment their operations, allowing the EU to shape AI governance beyond its borders through market pressure alone. When U.S. firms apply EU AI Act obligations globally and therefore implement EU compliance standards across their entire user base, those decisions produce effects on First Amendment-protected speech that U.S. constitutional doctrine is structurally positioned to evaluate but only where a cognizable legal claim can be brought. Courts do not apply EU law. What they review is domestic conduct, which was shaped by foreign compliance incentives, measured against settled domestic constitutional standards. Were Congress to enact equivalent obligations, they would raise serious First Amendment problems. U.S. and EU free speech frameworks are structurally different: EU law permits balancing free expression against competing fundamental rights, while the U.S. First Amendment operates as a near-absolute constraint on government interference with speech. Because compliance with the AI Act is voluntary, however, the Supreme Court lacks the state action requirement needed to assess these constitutional effects, making judicial remedy unavailable. The constitutional tension therefore migrates to the legislative domain. Key obligations of the AI Act would face serious First Amendment obstacles and would likely require substantial redesign before surviving constitutional review. But it produces comparable effects through market pressure anyway, and courts cannot remedy this because state action is absent, which means the pressure will ultimately fall on Congress. Disclaimer: This thesis considers legislative developments until the 01.06.2026.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Künstliche Intelligenz AI Act Europäische Union Brüssel-Effekt globale KI-Governance Marktmacht Compliance First Amendment Meinungsfreiheit State Action Doctrine Verfassungsrecht Kongress transatlantische Rechtskonflikte KI-Regulierung Digital Governance
Schlagwörter
(Englisch)
Artificial Intelligence AI Act European Union Brussels Effect Global AI Governance Market Power Compliance First Amendment Freedom of Speech State Action Doctrine Constitutional Law Congress Transatlantic Legal Conflict AI Regulation Digital Governance
Autor*innen
Katharina Gmeiner
Haupttitel (Englisch)
The Brussels Effect and the limits of artificial intelligence governance: the AI Act in the U.S. constitutional order
Publikationsjahr
2026
Umfangsangabe
VI, 50, IX Seiten
Sprache
Englisch
Beurteiler*in
Holger Hestermeyer
Klassifikation
86 Recht > 86.86 Europarecht. Allgemeines
AC Nummer
AC17956822
Utheses ID
81753
Studienkennzahl
UA | 992 | 940 | |
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