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Intralinguale Variabilität im Kontext der Logopädie
mit Fokus auf die Variation der deutschen Sprache in Österreich
Mara Duft
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Austrian Studies - Cultures, Literatures, Languages
Betreuer*in
Manfred Michael Glauninger
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.81710
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-26136.68773.855956-7
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die vorliegende Masterarbeit problematisiert das Spannungsfeld zwischen linguistischen Erkenntnissen zum Spracherwerb, der Variation der deutschen Sprache in Österreich und der Anwendung von an der bundesdeutschen Standardvarietät orientierten Diagnostikverfahren bei nicht-standardsprachlich sozialisierten Kindern in der logopädischen Praxis. Den Ausgangspunkt bilden die Annahmen der variationistischen sowie kritischen Soziolinguistik, dass Sprache sowohl zwischen verschiedenen Sprecher*innen als auch „innerhalb“ einer/eines Sprecher*in variiert und sprachliche Ausdrucksformen Auswirkungen auf die Kommunikationssituation sowie die Wahrnehmung und Bewertung der Gesprächsteilnehmer*innen haben. Sowohl die Spracherwerbsforschung als auch logopädische Diagnostikverfahren zur Identifizierung einer (spezifischen) Sprachentwicklungsstörung beziehen sich allerdings überwiegend auf den Erwerb der bundesdeutschen Standardvarietät. Demnach ist fraglich, inwiefern dieses Wissen auf Kinder (in Österreich) übertragen werden kann, die in einem anderen sprachlichen Umfeld aufwachsen. Vor diesem Hintergrund entsteht ein Problemfeld für die Diagnostik (spezifischer) Sprachentwicklungsstörungen, da dabei die intralinguale Variabilität des Deutschen kaum berücksichtigt wird und demnach die Gefahr von Fehldiagnosen besteht. Bei einer (spezifischen) Sprachentwicklungsstörung handelt es sich um eine Störung der kindlichen Sprachentwicklung, die sich auf allen linguistischen Ebenen zeigen kann. Analog dazu wurden unterschiedliche Tests zu den jeweiligen Kompetenzfeldern entwickelt, die in der logopädischen Diagnostik eingesetzt werden. Es ist davon auszugehen, dass sprachliche Variation trotz der fehlenden Berücksichtigung implizit im Rahmen der Untersuchungen und individuellen Entwicklungen eine große Rolle spielt. Da diese jedoch weder systematisch reflektiert noch explizit offengelegt wird, bleibt unklar, inwiefern die verschiedenen Formen von sprachlicher Variation die Diagnostik beeinflussen. Insgesamt besteht die Gefahr, dass sprachliche Unterschiede als „Abweichungen“ von der Norm und sprachliche Störungen interpretiert werden. Anhand einer hermeneutischen Auswertung der einschlägigen logopädischen Fachliteratur wurde in der Masterarbeit zunächst gezeigt, dass aus der etischen logopädischen Perspektive intralinguale Variabilität nur punktuell thematisiert wird. Eine explizite Auseinandersetzung damit findet sich in einzelnen interdisziplinären Forschungswerken, die unter Beteiligung von Linguist*innen entstanden sind. Weiters wurde im empirischen Teil vorliegender Arbeit anhand von leitfadengestützten Expertinneninterviews (angelehnt an Misoch 2019: 119–128) die emische Perspektive ausgewählter Logopädinnen in Österreich untersucht. Dafür wurden Gespräche mit sechs Gewährspersonen aus vier verschiedenen Bundesländern Österreichs (Vorarlberg, Salzburg, Steiermark und Wien) geführt, die transkribiert (vgl. Dresing & Pehl 2024) und als Text (vgl. Deppermann 2013) mithilfe der inhaltlich strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse (vgl. Kuckartz & Rädiker 2022; 2024) und der Software MAXQDA ausgewertet wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass die Thematisierung intralingualer Variabilität in der Ausbildung von Logopäd*innen sowie im professionellen Austausch offenbar kaum eine Rolle spielt. Gleichzeitig wird jedoch in den Interviews an verschiedenen Stellen deutlich, dass bei den Gewährspersonen ein Bewusstsein für das in der Masterarbeit ausgelotete Problemfeld vorhanden ist. Die befragten Expertinnen führen aus, in ihrem beruflichen Alltag mit sprachlicher Variation konfrontiert zu sein, und berichten von Erfahrungen, in denen standardisierte Diagnostikverfahren in der Anwendung bei nicht-standardsprachlich sozialisierten Kindern an ihre Grenzen stoßen. Der Umgang mit den Diagnostikverfahren besteht somit darin, die Auswertung, Interpretation sowie die Auswahl und den Zeitpunkt des Einsatzes der Verfahren kontextabhängig und individuell abzustimmen und über die Testergebnisse hinaus die sprachliche Realität der Kinder in die Diagnose miteinzubeziehen. Diese Praxis sowie das Bewusstsein für einschlägige Problematiken lassen sich somit auf einem Spektrum verorten, das sich weniger aus einer theoriebasierten Auseinandersetzung, sondern je nach individuellen Erfahrungen, Arbeitsbereichen, Umfeldern und Interessen der Logopädinnen entwickelt hat. Die vorliegende Arbeit verdeutlicht damit die bestehende Forschungslücke hinsichtlich intralingualer Variabilität im Spracherwerb sowie in der logopädischen Diagnostik (spezifischer) Sprachentwicklungsstörungen. Es zeigt sich der Bedarf, eine fundierte theoretische und wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Thematik weiter voranzutreiben. Momentan liegt die Verantwortung für die Differenzierung zwischen sprachlicher Variation und sprachlichen Störungen wesentlich bei den Logopäd*innen selbst. Deren fachliche Kompetenz besteht unter anderem darin, die sprachliche Realität der Kinder möglichst differenziert einschätzen zu können, um zu interpretieren, welche Auffälligkeiten in den Testergebnissen auf die den Testverfahren zugrundeliegende Norm zurückzuführen sind und welche tatsächlich auf Störungen der Sprachentwicklung hindeuten.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Soziolinguistik Sprachliche Variation Intralinguale Variabilität Logopädie logopädische Diagnostik
Autor*innen
Mara Duft
Haupttitel (Deutsch)
Intralinguale Variabilität im Kontext der Logopädie
Hauptuntertitel (Deutsch)
mit Fokus auf die Variation der deutschen Sprache in Österreich
Paralleltitel (Englisch)
Intralingual variability in the context of speech therapy
Paralleluntertitel (Englisch)
focusing on the variation of the German language in Austria
Publikationsjahr
2026
Umfangsangabe
128, XLV Seiten : Illustrationen
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Manfred Michael Glauninger
Klassifikation
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.31 Spracherwerb
AC Nummer
AC17969175
Utheses ID
81773
Studienkennzahl
UA | 066 | 818 | |
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