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The myth of the justified abuse?
a critical analysis of the objective justifications available under Article 102 TFEU
Ben Joséphine Jozef Calloens
Art der Arbeit
Master-Thesis (ULG)
Universität
Universität Wien
Fakultät
Postgraduate Center
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
außerordentliches Masterstudium Europäisches und Internationales Wirtschaftsrecht [Vollzeit Englisch]
Betreuer*in
Marco Botta
DOI
10.25365/thesis.82040
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-21041.86926.828045-9
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Der Rahmen der objektiven Rechtfertigungsgründe gemäß Artikel 102 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union nimmt im EU-Wettbewerbsrecht eine paradoxe Stellung ein. Formal durch den Gerichtshof der Europäischen Union anerkannt und zumindest teilweise in den Durchsetzungsleitlinien der Europäischen Kommission kodifiziert, stellen objektive Rechtfertigungsgründe den zentralen Mechanismus dar, durch den marktbeherrschende Unternehmen ihr Verhalten verteidigen können, das andernfalls unter das Verbot des Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung fallen würde. Dennoch ist die erfolgreiche Berufung auf einen der anerkannten Rechtfertigungsgründe, trotz ihrer theoretischen Verfügbarkeit, nach mehr als fünf Jahrzehnten der Durchsetzungspraxis äußerst selten geblieben. Die vorliegende Arbeit befasst sich unmittelbar mit diesem Paradoxon. Untersucht werden vier anerkannte Rechtfertigungsgründe, namentlich die Verteidigung auf Grundlage legitimen unternehmerischen Verhaltens, die Verteidigung der objektiven Notwendigkeit, die Effizienzverteidigung sowie die Verteidigung im öffentlichen Interesse. Jeder dieser Gründe wird als Teil einer kohärenten analytischen Kategorie untersucht und nicht als Anhängsel eines bestimmten Missbrauchstyps. Diese methodische Entscheidung folgt einem bewussten Argument: Durch die eigenständige Untersuchung objektiver Rechtfertigungsgründe wird eine vollständigere und strukturell kohärentere Darstellung ihrer Voraussetzungen, Wechselbeziehungen und praktischen Grenzen möglich, eine Darstellung, die eine auf einzelne Missbrauchstypen beschränkte, kategorienspezifische Analyse nicht ohne Weiteres zu leisten vermöchte. Die Untersuchung gliedert sich in vier Teile. Teil I legt die konzeptionellen und dogmatischen Grundlagen der objektiven Rechtfertigungsgründe im Rahmen des Artikels 102 AEUV dar und verortet sie innerhalb der Gesamtarchitektur des EU-Wettbewerbsrechts. Zugleich werden die grundlegenden Vorfragen behandelt, die für das Verständnis der nachfolgenden Analyse unerlässlich sind. Teil II untersucht die Doktrin der besonderen Verantwortung marktbeherrschender Unternehmen und ihr Verhältnis zum Rahmen der objektiven Rechtfertigung, wobei argumentiert wird, dass beide als komplementäre und nicht als konkurrierende Elemente derselben analytischen Struktur zu verstehen sind. Teil III bildet den Kern der vorliegenden Arbeit und bietet eine systematische Untersuchung jedes der vier anerkannten Rechtfertigungsgründe. Für jeden Grund werden seine dogmatischen Voraussetzungen, seine Behandlung in der Rechtsprechung des Gerichtshofs und des Gerichts der Europäischen Union sowie seine Anwendung in der Durchsetzungspraxis der Kommission bewertet. Im Anschluss an diese vierteilige Erörterung wird eine eigenständige Analyse des Verhältnismäßigkeitserfordernisses vorgenommen, das als obligatorischer sekundärer Filter für alle vier Rechtfertigungsgründe gilt. Teil IV schließlich formuliert konkrete Vorschläge de lege ferenda, benennt die strukturellen Defizite des geltenden Rahmens und schlägt gezielte Reformen vor, die geeignet sind, diese Defizite zu beheben und den Rahmen der objektiven Rechtfertigung auf eine praktikablere und rechtssicherere Grundlage zu stellen.
Abstract
(Englisch)
The objective justification framework under Article 102 of the Treaty on the Functioning of the European Union occupies a paradoxical position in EU competition law. Formally recognised by the Court of Justice of the European Union and codified, at least in part, in the European Commission's enforcement guidelines, objective justifications represent the principal mechanism through which dominant undertakings may defend conduct that would otherwise attract liability under the prohibition on abuse of dominance. Yet despite their theoretical availability, the successful invocation of any recognised ground of justification remains, on the evidence of more than five decades of enforcement, exceedingly rare. This thesis addresses that paradox directly. It examines four identified grounds for objective justification namely the legitimate business behaviour defense, the objective necessity defense, the efficiency defense, and the public interest defense. These four grounds are each examined as part of a coherent analytical category, rather than as an appendage to any specific abuse type. That methodological choice reflects a deliberate argument. By examining objective justifications in their own right, a more complete and structurally coherent account of their conditions, interrelationships, and practical limitations becomes possible, as opposed to a compartmentalised, abuse-type-specific analysis which would not readily yield such a result. The analysis proceeds in four parts. Part I establishes the conceptual and doctrinal foundations of objective justifications within the Article 102 TFEU framework, situating them within the broader architecture of EU competition law and addressing some threshold questions in order to fully understand the subsequent analysis. Part II examines the special responsibility doctrine and its relationship to the objective justification framework, arguing that the two must be understood as complementary rather than competing elements of the same analytical structure. Part III constitutes the core of this thesis and provides a systematic examination of each of the four recognised grounds in turn. For each, their doctrinal requirements, treatment in the case law of the Court of Justice and the General Court, and their application in Commission enforcement practice are assessed. Following this fourfold discussion, a dedicated analysis into the proportionality requirement that operates as a mandatory secondary filter across all four grounds is undertaken. Lastly, Part IV advances concrete propositions de lege ferenda, identifying the structural defects in the current framework and proposing targeted reforms capable of addressing those defects of the currently rusted stuck framework.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Wettbewerbsrecht Kartellrecht marktbeherrschende Stellung Missbrauch (einer marktbeherrschenden Stellung) Artikel 102 AEUV objektive Rechtfertigung Rechtfertigungsgrund
Schlagwörter
(Englisch)
competition law antitrust law dominant position abuse of dominance objective justifications Article 102 TFEU
Autor*innen
Ben Joséphine Jozef Calloens
Haupttitel (Englisch)
The myth of the justified abuse?
Hauptuntertitel (Englisch)
a critical analysis of the objective justifications available under Article 102 TFEU
Publikationsjahr
2026
Umfangsangabe
159 Seiten
Sprache
Englisch
Beurteiler*in
Marco Botta
Klassifikation
86 Recht > 86.29 Wettbewerbsrecht. Kartellrecht
AC Nummer
AC18041212
Utheses ID
82126
Studienkennzahl
UA | 999 | 082 | |
