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Pädagogisches Handeln in einem System struktureller Widersprüche
eine qualitative Interviewstudie zur Umsetzung des Erziehungs- und Resozialisierungsauftrags im Jugendstrafvollzug und in der Nachbetreuung aus pädagogischer Perspektive
Luca Morettoni
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Bildungswissenschaft
Betreuer*in
Susanne Schwab
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.81909
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-21941.77593.249990-7
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die vorliegende Masterarbeit untersucht, wie pädagogische Fachkräfte im österreichischen Jugendstrafvollzug sowie in luxemburgischen geschlossenen Jugendeinrichtungen den Erziehungs- und Resozialisierungsauftrag in einem strafrechtlich geprägten System umsetzen und welche Herausforderungen und Möglichkeiten sie dabei für eine gelingende pädagogische Praxis erleben. Ausgangspunkt der Arbeit ist die theoretisch hergeleitete Kritik an der Vorstellung, Jugendliche unter Bedingungen des Freiheitsentzugs zu einem selbstbestimmten und straffreien Leben in Freiheit erziehen zu wollen. Dieses Spannungsverhältnis wird als pädagogisches Paradox verstanden, da die Förderung von Autonomie und Selbstständigkeit innerhalb eines von Kontrolle und Zwang geprägten institutionellen Rahmens erfolgen soll. Zur Untersuchung dieser Problemstellung wurden insgesamt sieben pädagogische Fachkräfte aus Österreich und Luxemburg mittels halbstrukturierter leitfadengestützter Expert*inneninterviews befragt. Die Auswertung erfolgte anhand der strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring. Die Ergebnisse zeigen, dass die pädagogische Arbeit auf die Förderung von Autonomie, Selbstverantwortung und sozialer Integration ausgerichtet ist. Die Umsetzung des Erziehungs- und Resozialisierungsauftrags erfolgt insbesondere durch Beziehungsarbeit, individuelle Begleitung, Einbindung sozialer Bezugspersonen sowie die gezielte Vorbereitung auf die Entlassung. Nachbetreuung wird dabei als wesentlicher Bestandteil einer nachhaltigen Resozialisierung verstanden und als ergänzender pädagogischer Handlungskontext betrachtet. Resozialisierung ist nicht auf die Zeit der Unterbringung beschränkt, sondern wird kontinuierlich im Zusammenspiel mit nachbetreuenden und vorbereitenden Angeboten fortgeführt. Als zentrale Herausforderungen werden personelle und strukturelle Ressourcenbegrenzungen, kurze Unterbringungsdauern, die Rückkehr in belastende soziale Lebensverhältnisse sowie gesellschaftliche Stigmatisierungsprozesse beschrieben. Gleichzeitig wird der geschlossene Rahmen nicht ausschließlich als Ort der Bestrafung und Einschränkung, sondern als notwendiger pädagogischer Möglichkeitsraum verstanden, der den Zugang zu den Jugendlichen und die Umsetzung erzieherischer Prozesse erleichtert. Die Untersuchung zeigt, dass das theoretisch formulierte Paradox einer Erziehung zur Freiheit unter Bedingungen der Unfreiheit nicht als unauflösbarer Widerspruch wahrgenommen wird, sondern als anspruchsvolle pädagogische Aufgabe, die den Kern der beruflichen Praxis bildet.
Abstract
(Englisch)
This master’s thesis examines how educational professionals working in the Austrian juvenile justice system and in closed youth institutions in Luxembourg implement the educational and resocialization mandate and which challenges and opportunities they perceive for successful pedagogical practice. The study is based on the theoretically derived critiques of the idea that young people can be educated towards a self-determined and law-abiding life in freedom under conditions of deprivation of liberty. This tension is understood as a pedagogical paradox, as the promotion of autonomy and independence is expected to take place within an institutional framework characterised by control and coercion. To investigate this issue, seven educational professionals from Austria and Luxembourg were interviewed using semi-structured expert interviews. The data were analysed using Mayring’s structured qualitative content analysis. The findings show that pedagogical work is primarily aimed at promoting autonomy, personal responsibility and social integration. The implementation of the educational and resocialization mandate is mainly based on relationship-building, individual support, the involvement of significant social relationships and targeted preparation for release. Aftercare is understood as an essential component of sustainable resocialisation and as a complementary pedagogical context. Resocialisation is therefore not limited to the period of detention but continues through ongoing aftercare services and support structures. The main challenges identified include limited personnel and structural resources, short periods of detention, the return to difficult social environments and experiences of social stigmatisation. At the same time, the closed institutional setting is not perceived solely as a place of punishment and restriction, but also a necessary pedagogical space that facilitates access to young people and supports educational processes. The study shows that the theoretical paradox of educating young people for freedom under conditions of unfreedom is not perceived as an irresolvable contradiction. Rather, it is understood as a demanding pedagogical task that lies at the core of professional practice.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Jugendstrafvollzug Resozialisierung Erziehung im Jugendstrafvollzug Geschlossene Jugendeinrichtungen Qualitative Inhaltsanalyse Jugendkriminalität Nachbetreuung
Autor*innen
Luca Morettoni
Haupttitel (Deutsch)
Pädagogisches Handeln in einem System struktureller Widersprüche
Hauptuntertitel (Deutsch)
eine qualitative Interviewstudie zur Umsetzung des Erziehungs- und Resozialisierungsauftrags im Jugendstrafvollzug und in der Nachbetreuung aus pädagogischer Perspektive
Paralleltitel (Englisch)
Pedagogical practice within a system of structural contradictions
Paralleluntertitel (Englisch)
a qualitative interview study on the educational and rehabilitative mandate in juvenile custody and aftercare
Publikationsjahr
2026
Umfangsangabe
87 Seiten : Illustrationen
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Susanne Schwab
Klassifikationen
79 Sozialpädagogik > 79.20 Resozialisierung ,
80 Pädagogik > 80.00 Pädagogik. Allgemeines
AC Nummer
AC18018933
Utheses ID
82169
Studienkennzahl
UA | 066 | 848 | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1