Detailansicht
Das Spracherleben von in Wien lebenden mehrsprachigen Studierenden mit Ungarisch als Familiensprache
Rebeka Németh
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Deutsch als Fremd- und Zweitsprache
Betreuer*in
Denis Weger
DOI
10.25365/thesis.82099
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-19438.96457.295120-1
Link zu u:search
(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Das Spracherleben mehrsprachiger Personen wurde bereits in verschiedenen gesellschaftlichen und sprachlichen Kontexten untersucht, unter anderem von Penya (2017), Thoma (2018) und Sala (2025). Mehrsprachige Studierende mit Ungarisch als Familiensprache fanden in der bisherigen Forschung jedoch nur wenig Berücksichtigung. An diesem Punkt setzt die vorliegende Arbeit an, indem sie untersucht, wie in Wien lebende Studierende ihre Sprachen erleben, welche biografischen Erfahrungen ihr Verhältnis zu diesen Sprachen prägen und wie sich dieses Erleben im Laufe der Zeit verändert. Als theoretische Grundlage dient das Konzept des Spracherlebens nach Busch (2013, 2017, 2021). Die übergeordnete Forschungsfrage lautet, inwiefern biografische Erlebnisse das Spracherleben von in Wien lebenden mehrsprachigen Studierenden mit Ungarisch als Familiensprache beeinflussen und inwiefern sich dieses Erleben im Laufe der Zeit verändert hat. Die untergeordneten Fragestellungen richten den Blick auf die Rolle sozialer Beziehungen, die emotionalen Bedeutungen der einzelnen Sprachen, die Wahrnehmung der eigenen Person beim Sprachgebrauch und das sprachabhängige Erleben von Emotionen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie die Forschungsteilnehmenden sprachliche Zugehörigkeiten und Identifikationen im Kontext ihrer Mehrsprachigkeit konstruieren. Zur Datenerhebung wurden vier biografisch-narrative Interviews nach Schütze (1983) und Rosenthal (2015) mit mehrsprachigen Studierenden geführt, die in Wien leben und Ungarisch als Familiensprache verwenden. Die Interviews wurden anhand der inhaltlich strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz und Rädiker (2022) ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass sich das Spracherleben der Teilnehmenden im Zusammenhang mit biografischen Erfahrungen fortlaufend verändert. Besonders prägend sind Bildungsübergänge, Migration, der Studienbeginn sowie neue sprachliche und soziale Umgebungen. Soziale Beziehungen, insbesondere zu Familienmitgliedern, Lehrpersonen, Freundinnen und Partnerinnen, tragen wesentlich dazu bei, wie die Teilnehmenden ihre Sprachen erleben und welchen Stellenwert diese für sie erhalten. Die Ergebnisse weisen außerdem darauf hin, dass Emotionen sprachabhängig erlebt werden können und einzelne Gefühle in bestimmten Sprachen unmittelbarer zugänglich sind. In den Interviews lässt sich feststellen, dass Deutsch im Laufe der Zeit vor allem im Studium und im Alltag zur am häufigsten verwendeten und funktional dominanten Sprache wird, während Ungarisch eng mit Familie, Vertrautheit und sprachlicher Zugehörigkeit verbunden bleibt. Daraus wird deutlich, dass die im Alltag am häufigsten verwendete Sprache nicht zwangsläufig jene ist, mit der sich die Teilnehmenden am stärksten identifizieren oder der sie sich sprachlich zugehörig fühlen.
Abstract
(Englisch)
The lived experience of language among multilingual individuals has already been examined in various social and linguistic contexts, including the studies by Penya (2017), Thoma (2018), and Sala (2025). However, multilingual university students with Hungarian as their family language have received little attention in previous research. This thesis addresses this gap by investigating how university students living in Vienna experience their languages, which biographical experiences shape their relationship with these languages, and how this experience changes over time. The theoretical framework is based on Busch’s concept of the lived experience of language (2013, 2017, 2021). The main research question examines how biographical experiences influence the lived experience of language among multilingual university students living in Vienna with Hungarian as their family language and how this experience has changed over time. The sub-questions focus on the role of social relationships, the emotional meanings attached to the individual languages, the perception of the self when using different languages, and the language-specific experience of emotions. Another focus of the study is how the participants construct linguistic belonging and identification in the context of their multilingualism. The empirical data consist of four biographical-narrative interviews conducted according to Schütze (1983) and Rosenthal (2015) with multilingual university students living in Vienna who use Hungarian as their family language. The interviews were analysed using the structuring qualitative content analysis developed by Kuckartz and Rädiker (2022). The findings show that the participants’ lived experience of language changes continuously in relation to their biographical experiences. Educational transitions, migration, the beginning of university studies, and new linguistic and social environments prove to be particularly influential. Social relationships, especially with family members, teachers, friends, and partners, play a crucial role in shaping how participants experience their languages and the significance they attach to them. The findings further indicate that emotions can be experienced differently depending on the language used and that certain emotions are more readily accessible in specific languages. Over time, German becomes the most frequently used and functionally dominant language, particularly in academic and everyday contexts, whereas Hungarian remains closely associated with family, familiarity, and linguistic belonging. The findings also demonstrate that the language most frequently used in everyday life is not necessarily the one with which participants identify most strongly or to which they feel the greatest sense of linguistic belonging.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Spracherleben Ungarisch Mehrsprachigkeit mehrsprachige Studierende Sprachbiografie sprachliche Zugehörigkeit sprachliche Identität biografisch-narratives Interview qualitative Inhaltsanalyse
Autor*innen
Rebeka Németh
Haupttitel (Deutsch)
Das Spracherleben von in Wien lebenden mehrsprachigen Studierenden mit Ungarisch als Familiensprache
Paralleltitel (Englisch)
The language experience of multilingual university students living in Vienna with Hungarian as their family language
Publikationsjahr
2026
Umfangsangabe
182 Seiten
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Denis Weger
Klassifikationen
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.20 Soziolinguistik. Allgemeines ,
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.23 Mehrsprachigkeit
AC Nummer
AC18051023
Utheses ID
82553
Studienkennzahl
UA | 066 | 814 | |
