Detailansicht

"Gesehen werden heißt dazugehören?"
Bildung, Anerkennung und Identitätsentwicklung von Jugendlichen mit der Herkunftssprache Russisch im österreichischen Sekundarschulkontext
Anna Krasnova
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Bildungswissenschaft
Betreuer*in
Henning Schluß
Volltext in Browser öffnen
Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.82111
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-23821.94685.556336-2
Link zu u:search
(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die vorliegende Arbeit geht einer Frage nach, die in der deutschsprachigen Bildungsforschung bislang wenig systematisch bearbeitet wurde: Wie erleben russischsprachige Jugendliche mit Migrationsgeschichte schulische Anerkennung in Österreich – und was bedeutet das für ihre Identität? Theoretisch stützt sich die Untersuchung auf Honneths Anerkennungstheorie sowie auf Stojanovs Konzept der Bildungsgerechtigkeit als Anerkennungsgerechtigkeit. Ergänzend werden Eriksons Modell der Identitätsentwicklung, Mecherils Ansatz des Othering und Fragen der Sprachpolitik im mehrsprachigen Schulraum herangezogen. Empirische Grundlage bilden neun leitfadengestützte narrative Interviews mit russischsprachigen Jugendlichen im Alter von 14 bis 18 Jahren, überwiegend an Wiener Schulen. Das Material wurde mittels Thematischer Analyse nach Braun und Clarke ausgewertet. Die Befunde zeigen ein Inklusionsparadox: Während rechtliche Gleichstellung formal gewährleistet ist, bleibt die Ebene der sozialen Wertschätzung systematisch unterentwickelt. Die Jugendlichen beschreiben den Schulalltag mit Bildern des Nebels und des Autopiloten – eine Phase der Überlastung, in der die Herkunftssprache häufig der einzige stabile Rückhalt ist. Horizontale Anerkennungsverhältnisse erweisen sich als besonders konfliktreich: Defensive-Othering-Strategien und russischsprachige Solidaritätsnischen entstehen als Reaktion auf chronische Entwertungserfahrungen. Einzelne Lehrpersonen, die zu echter pädagogischer Respondenz fähig sind, können die Entwicklungstrajektorie eines Jugendlichen grundlegend verändern. Aus den Befunden ergeben sich vier Handlungsfelder – von einer reflektierten Sprachpolitik bis zur Überwindung dessen, was im Anschluss an Schluß als Partizipationsillusion zu fassen ist: formaler Demokratie ohne reales Gewicht. Sie sind im Anhang gesondert ausgewiesen, weil der Schritt von der Rekonstruktion zur Empfehlung ein normativer ist. Schlüsselwörter: Anerkennung, Mehrsprachigkeit, Jugendliche mit der Herkunftssprache Russisch, Othering, Identität, qualitative Forschung, österreichisches Schulsystem
Abstract
(Englisch)
This thesis examines how Russian-speaking young people with migration backgrounds experience recognition in Austrian schools and what that means for their identity development. Drawing on Honneth’s theory of recognition and Stojanov’s concept of educational justice as recognition justice, the study incorporates Erikson’s framework of identity development, Mecheril’s approach to Othering, and debates on language policy in multilingual school settings. Nine semi-structured narrative interviews with Russian-speaking adolescents aged 14–18 primarily at schools in Vienna form the empirical core. The data were analysed using thematic analysis following Braun and Clarke. The findings reveal a paradox of inclusion: formal legal equality is secured, but the sphere of solidarity and social esteem remains largely inaccessible. Participants describe their early school experience through images of fog and autopilot — a state of sensory overload in which the heritage language functions as the only stable anchor. Peer relations prove particularly fraught: defensive othering and Russian-speaking solidarity niches emerge as responses to chronic experiences of social devaluation. At the same time, individual teachers capable of genuine pedagogical responsiveness can fundamentally alter a young person’s developmental trajectory. The study also identifies an unresolved tension between declared democratic participation and what this thesis, drawing on Schluß, calls a participation illusion — formal rights without real weight. Four fields of action follow from these findings: language policy, teacher education, democratic school culture, and support structures for newcomer classes. They are set out separately in the appendix, since the move from reconstruction to recommendation is a normative one. Keywords: recognition, multilingualism, Russian-speaking youth, Othering, identity, qualitative research, Austrian schooling

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Anerkennung Herkunftssprache Russisch Identitätsentwicklung
Autor*innen
Anna Krasnova
Haupttitel (Deutsch)
"Gesehen werden heißt dazugehören?"
Hauptuntertitel (Deutsch)
Bildung, Anerkennung und Identitätsentwicklung von Jugendlichen mit der Herkunftssprache Russisch im österreichischen Sekundarschulkontext
Paralleltitel (Englisch)
"Does being seen mean belonging?"
Paralleluntertitel (Englisch)
education, recognition and identity development among adolescents with Russian as a heritage language in the Austrian secondary school context
Publikationsjahr
2026
Umfangsangabe
188 Seiten
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Henning Schluß
Klassifikationen
80 Pädagogik > 80.57 Interkulturelle Erziehung ,
81 Bildungswesen > 81.05 Bildungsforschung ,
81 Bildungswesen > 81.21 Soziale Ungleichheit im Bildungswesen
AC Nummer
AC18051408
Utheses ID
82708
Studienkennzahl
UA | 066 | 848 | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1