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Wer sind die Wiener?
prosopographische Erschließung der Akteure in Michael Beheims "Buch von den Wienern" (1462-1465)
Maximilian Steinböck
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Geschichte
Betreuer*in
Christina Lutter
DOI
10.25365/thesis.82164
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-12625.11976.737355-2
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Die vorliegende Arbeit erschließt das Personenrepertoire von Michael Beheims Buch von den Wienern, einer 202 Lieder mit 13.109 Versen umfassenden Reimchronik über den Konflikt zwischen Kaiser Friedrich III., seinem Bruder Erzherzog Albrecht VI. und der Stadt Wien in den Jahren 1462/63, und macht es erstmals systematisch für die prosopographische Forschung nutzbar. Das Werk ist die personenreichste erzählende Quelle dieses Konflikts, wurde wegen seiner offenen Parteilichkeit aber lange unterschätzt und vor allem über ältere Sekundärliteratur herangezogen. Die Arbeit rekonstruiert zunächst, wie in diesem Konflikt der innerdynastische Streit der Habsburger, die Allianzen der Brüder mit adeligen und städtischen Eliten und die Eigeninteressen der maßgeblichen Wiener Gruppen ineinandergriffen, und stellt Autor, Werk und die Lesarten der Forschung vor. Methodisch wird das prosopographische Verfahren des von Christina Lutter geleiteten Projekts „Stadt und Gemeinschaft“ erstmals auf eine literarische Quelle übertragen. Auf Grundlage der Edition Theodor Georg von Karajans (1843) wurden alle 202 Lieder digitalisiert, in TEI-XML ausgezeichnet und die genannten Personen mit neun Personenregistern der einschlägigen Forschungsliteratur abgeglichen. Das Ergebnis ist ein Bestand von 1.026 unterscheidbaren Personen in 2.684 effektiven Nennungen, von denen sich 455 (44,3 Prozent) über diese Register extern belegen lassen; Daten und Auswertungen sind als digitaler Anhang publiziert und nachnutzbar. Drei Fallstudien zeigen, wie Beheim dieses Personal narrativ einsetzt: Von den prosopographisch am besten erschlossenen Wiener Ratsbürgern und Amtsträgern der Jahre 1460 bis 1466 erwähnt er 61 von 88 bekannten Personen, verteilt Handlungsraum aber nach deren Positionen im Konflikt; die nur 35 namentlich genannten Frauen erscheinen überwiegend passiv, während gerade die wenigen handelnden Ausnahmen den urkundlich fassbaren Befunden am nächsten kommen; das Kollektiv „dy wiener“ schließlich erweist sich als eine von außen konstruierte Gruppe, die bis zur Aussöhnung der Stadt mit dem Kaiser im April 1465 ohne eigene Stimme bleibt. Beheims binäre Rahmung des Konflikts, die den rechtmäßigen Kaiser gegen die abtrünnigen Wiener stellt, deckt sich damit nicht mit dem Personal seiner Erzählung. An den Rissen dieser Rahmung – den fehlenden Neutralen, den miterzählten Seitenwechseln – tritt das polyzentrische Gefüge hervor, das die jüngere Konfliktforschung für die Situation in den 1460er Jahren rekonstruiert hat. Weil sein umfangreiches Personal zu großen Teilen extern belegbar ist und darunter auch Personen sind, die in anderen erzählenden Quellen nicht auftauchen, erweist sich das Buch von den Wienern – bei aller gebotenen Vorsicht gegenüber seinen Deutungen – als ergiebige Personenquelle, welche die Überlieferung für prosopographische Studien substanziell ergänzt.
Abstract
(Englisch)
This thesis makes the repertoire of persons in Michael Beheim’s Buch von den Wienern (Book of the Viennese) — a rhymed chronicle of 202 songs in 13,109 verses on the conflict between Emperor Frederick III, his brother Archduke Albert VI and the city of Vienna in 1462/63 — systematically accessible to prosopographical research for the first time. The work is the richest narrative source in terms of named persons for this conflict, yet due to its overt partisanship it has long been underestimated and consulted mainly through older secondary literature. The thesis first reconstructs how the intra-dynastic quarrel of the Habsburgs, the brothers’ alliances with noble and urban elites, and the particular interests of Vienna’s leading political groups interlocked in this conflict, and introduces the author, his work and its readings in scholarship. Methodologically, the prosopographical procedure of the project “Stadt und Gemeinschaft”, led by Christina Lutter, is transferred to a literary source for the first time. Based on Theodor Georg von Karajan’s edition (1843), all 202 songs were digitized, encoded in TEI-XML, and the persons named in them matched against nine prosopographical registers of the relevant scholarship. The result is an inventory of 1,026 distinguishable persons in 2,684 mentions, 455 (44.3 per cent) of whom can be verified externally through these registers; data and analyses are published as a digital appendix for reuse. Three case studies show how Beheim deploys this personnel: of the Viennese councillors and office holders of 1460–1466 he mentions 61 of 88, yet distributes agency according to their positions in the conflict; the 35 women named appear predominantly passive, while precisely the few acting exceptions come closest to the documented evidence; the collective “dy wiener”, finally, proves to be a group constructed from the outside, without a voice of its own until the city’s reconciliation with the emperor in April 1465. Beheim’s binary framing of the conflict, which sets the rightful emperor against the renegade Viennese, thus does not match the personnel of his own narration. At the ruptures in this framing – the missing neutrals, the openly laid out changes of sides – the polycentric configuration emerges that recent conflict research has reconstructed for the situation in the 1460s. Because its extensive personnel can largely be verified externally and includes persons who appear in no other narrative source, the Buch von den Wienern – with all due caution regarding its interpretations – proves to be a rich prosopographical source complementing the surviving record.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Michael Beheim Buch von den Wienern Konflikt 1460er Friedrich III. Reimchronik Spätmittelalterliche Stadtgeschichte Prosopographie Gruppen und Gemeinschaften Digitale Edition (TEI-XML) Wien (15. Jahrhundert)
Schlagwörter
(Englisch)
Michael Beheim Book of the Viennese Conflict 1460s Frederick III verse chronicle late medieval urban history prosopography groups and communities digital scholarly edition (TEI XML) Vienna (15th century)
Haupttitel (Deutsch)
Wer sind die Wiener?
Hauptuntertitel (Deutsch)
prosopographische Erschließung der Akteure in Michael Beheims "Buch von den Wienern" (1462-1465)
Paralleltitel (Englisch)
Who are the Viennese?
Paralleluntertitel (Englisch)
a prosopographical analysis of the actors in Michael Beheim's "Buch von den Wienern" (1462-1465)
Publikationsjahr
2026
Umfangsangabe
150 Seiten : Illustrationen
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Christina Lutter
AC Nummer
AC18053910
Utheses ID
82944
Studienkennzahl
UA | 066 | 803 | |
