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Versuch einer philosophisch-philologischen Analyse und Synthese der Vorrede und der ersten drei Bücher der "libri della famiglia" Leon Battista Albertis
Rainer Guggenberger
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft
Betreuer*in
Richard Heinrich
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.9456
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29704.67071.386154-9
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich primär mit der Vorrede und den ersten drei Büchern der libri della famiglia Leon Battista Albertis. Sie stellt das Vorgehen und die Methodik des Autors und den Inhalt und Stil des zugrunde gelegten Werkes dar, versucht die Ursachen der Genese der darin enthaltenen Konzepte zu erschließen und die Implikationen der sich manifestierenden Doktrin Albertis zu analysieren. Die Arbeit enthält eine umfassende Untersuchung darüber, was bei Alberti „fortuna“ bedeutet, welche Stellung sie in seinem Werk und Denken einnimmt, wie sie Alberti auffasst und interpretiert, welche Funktionen er ihr darauf basierend zuschreibt und welche Konsequenzen er daraus ableitet. Albertis fortuna-Konzept ist, so weit mir bekannt, in seiner konkreten Form einmalig in der Literatur- und Geistesgeschichte. Ein profundes Verständnis des mit der Abfassung der libri della famiglia verfolgten Zwecks ist ohne eine ernst genommene Auseinandersetzung mit dieser Konzeption nicht möglich. Dass es fortuna gibt, wird für Alberti der Grund dafür, weshalb er einen Katalog von Ratschlägen verfasst, um ihr, wo es angezeigt ist, bestmöglich zu entgehen. „Fortuna“ ist polysemantisch und bedeutet je nach Kontext Unglück, Scheitern, Zufall, Glück, Erfolg, wobei sie von Alberti primär als jenes begriffen wird, was zu diesen genannten Ereignissen hinführt und beiträgt, ohne dass im Anfang streng rational feststellbar wäre, in welcher von diesen Formen sie sich im Ende manifestieren wird. Sie ist in diesem Prozess des Entspringens und sich zu einem Resultat Hinbewegens unberechenbar, sodass Alberti auffordert, sich ihrem Wirkradius zu entziehen, außer dort, wo es ihm unerlässlich scheint sich ihr auszusetzen, etwa dann wenn wer höchsten Ruhm und größten Erfolg zu erlangen sucht. Als Mittel, diesen Entzug zu realisieren, präsentiert er, felsenfest von deren unwiderstehlichen Potenz überzeugt, die virtù. Virtù umfasst all jene Verhalten und Einstellungen, die aus bestimmten Erfahrungswerten heraus – die Alberti vornehmlich aus der Geschichte und Literatur der Antike, als auch dem historisch-konkreten sowie idealisierten Habitus und Handeln der Mitglieder des Clans der Alberti in den letzten 200 Jahren vor der Niederschrift der libri della famiglia, entnimmt – sich als geeignet erwiesen haben die Individuen, den Staat und vor allem die Familien zu Ehre, Ruhm und zur felicità, dem prozessualen Glückszustand, zu führen und darin zu erhalten. Die virtù zeichnet sich dabei dadurch aus, dass sich der ihr gemäß Verhaltende so wenig als möglich der fortuna aussetzt, sondern seine Ziele durch Fleiß, Beständigkeit, Ehrlichkeit, Redlichkeit, Rechtschaffenheit und Besonnenheit zu erreichen trachtet. In diesem Sinne wollen die libri della famiglia eine Art Protreptik zu jener skizzierten, und bei Alberti mittels konkreter Situationen und historischer Ereignisse und Anekdoten exemplifizierten, Form von virtù sein, die sich mit an den kulturellen und sozialen Erfordernissen und Forderungen des frühen 15. Jahrhunderts orientiert. Alberti wendet sich explizit an ein vorwiegend bürgerliches und männliches, vor allem innerfamiliäres, Publikum: An den Familienvater, wohlhabende Jugendliche, die jungen Männer der Familie und implizit bereits auch an „die Alten“, wobei Alberti jene in De Iciarchia weit expliziter anspricht. Es ist wohl kein Zufall, sondern bezeugt Albertis hohen ethischen Selbstanspruch und seine vorbildliche Bereitschaft zur Übernahme von Eigenverantwortung, wenn er in seinem monumentalen Frühwerk, den ersten drei Büchern der libri della famiglia, seine Anweisungen und Mahnungen primär an ein gleich ihm junges Publikum richtet und sogar werkimmanent an die literarische Figur Battista Alberti, also an sich selbst gut eine Dekade vor der Abfassung der Bücher, während er in seinem großen Spätwerk De Iciarchia abermals seine Altersgenossen, nämlich die gleich ihm über Sechzigjährigen an ihre Pflichten, insbesondere den Jungen gegenüber, mahnt, und sich dabei selbst in den Kreis der Alten einreiht, indem er aus der Perspektive des in die Jahre gekommenen Battista Alberti berichtet und doziert. Nebst der Thematik der fortuna und virtù nahm ich mich in meiner Arbeit ausführlich der Untersuchung der Stellung und Funktion des Reichtums, sowie in Teilanalysen jener der Ehre, der felicità, des Fleißes, der Knechtschaft, der Zeitkonzeption, der Familie und der masserizia, als des richtigen Haushaltens, des Führens der Angehörigen und Bediensteten sowie des rechten Verhaltens in Familie und Gesellschaft, an. Im Zusammenhang mit den jeweiligen Themen war ich bemüht, der besonderen Verwendung des italienischen Vokabulars durch Leon Battista Alberti durch Begriffsklärungen gerecht zu werden. Ich war bei meinen Analysen darauf bedacht, die werkimmanenten Aussagen durch Verortung im historischen Kontext des Frühhumanismus, seiner Kultur und des Kaufmannsmilieus dieser Epoche zu ergänzen. Ein besonderes Anliegen war mir die Einbindung italienischer Sekundärliteratur und deren Übersetzung ins Deutsche, die dem deutschen Sprachraum bisher vorenthalten worden war, als auch eine Rezension der einzig deutschen Übersetzung der libri della famiglia, die deren Tauglichkeit vor dem Hintergrund einer literarphilosophischen Analyse prüfen sollte. Meine Motivation als auch Ziel der Arbeit war eine kritische Auseinandersetzung mit einem der Hauptwerke des frühen Humanismus, wobei ich auch dem deutschsprachigen Publikum durch akribische und detaillierte Übersetzungen und Kommentare einen Einstieg in die Materie ermöglichen wollte und es dadurch hoffentlich von der Qualität und dem Wert der libri della famiglia überzeugen konnte. Ich hoffe durch meinen bescheidenen Versuch mit zu einem Einsetzen der Rezeption der im volgare verfassten moralliterarischen Werke Leon Battista Albertis im germanophonen Raum beitragen zu können.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
italienischer Humanismus Ethik
Autor*innen
Rainer Guggenberger
Haupttitel (Deutsch)
Versuch einer philosophisch-philologischen Analyse und Synthese der Vorrede und der ersten drei Bücher der "libri della famiglia" Leon Battista Albertis
Publikationsjahr
2010
Umfangsangabe
177 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Richard Heinrich
Klassifikationen
08 Philosophie > 08.23 Philosophie der Renaissance ,
08 Philosophie > 08.38 Ethik
AC Nummer
AC08132118
Utheses ID
8524
Studienkennzahl
UA | 296 | | |
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