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Das semantische Kompositionskonzept Sofia Gubaidulinas Sonate "Freue dich!"
unter besonderer Berücksichtigung der Skizzen und der unveröffentlichten Erstfassung
Katharina Hötzenecker
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Manfred Angerer
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.9522
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29076.98609.912166-0
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Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Ziel dieser Arbeit ist es, das semantische Kompositionskonzept von Sofia Gubaidulinas Sonate Freue dich! für Violine und Violoncello (1981/1988) zu beschreiben. In diesem Sinne wurde versucht, gestützt auf die Skizzen, die unveröffentlichte Erstfassung und das 1990 im Druck erschienene Werk, die inhaltlichen Intentionen der Komponistin und deren musikalische Umsetzung nachzuvollziehen. Hierfür wurden auch relevante biographische Details und das für die Entstehung der Sonate wichtige Gedankengut des ukrainischen Religionsphilosophen Hryhorij Skovoroda als signifikante Faktoren für Sofia Gubaidulinas metaphysisches Verständnis der Freude miteinbezogen. Ausgehend einerseits von den Bibelzitaten und Aussprüchen Hryhorij Skovorodas, welche die Komponistin den fünf Sätzen der Sonate als Überschriften zuordnete, und andererseits von der Tatsache, dass sie die Erstfassung als instrumentale Messe entwarf, konnte in Verbindung mit den in den Skizzen ausgearbeiteten Kompositionskonzepten die Verknüpfung von außermusikalischen Inhalten mit der kompositorischen Faktur der Sonate erkannt und dargestellt werden. Für dieses semantische In-Bezug-Setzen bedient sich Sofia Gubaidulina vor allem des Phänomens der Flageolette bei Streichinstrumenten, wobei sie durch die Verwendung bestimmter Tonreihen eine Kombination von absteigender Chromatik und dem daraus resultierenden Flageolett Dur-Dreiklang erzielt. Durch die Zuordnung von irdischer Realität, Schmerz, Trauer zur Chromatik und himmlischer Transzendenz, höchster Freude zu den Flageoletten, verbindet die Komponistin diese dualistischen Entitäten zu einer subjektiv-individuellen Aussage über den Prozess der Erlangung von mystischer Freude, in dem die dunklen Abgründe alles Irdischen durch Schmerz transzendiert werden können – eine Geisteshaltung, die sich in ihr ideelles Weltbild der Achtziger Jahre einfügt. So wird, den Satzbezeichnungen entsprechend, diese Freude aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet, indem Aspekte wie das In-Verbindung-Treten mit Gott, die Erlösung der Menschheit durch den Kreuzestod Jesu Christi und das Auffinden Gottes in den Tiefen der eigenen Seele thematisiert und als Wege zu ewiger Freude aufgezeigt werden. Kompositorische Mittel, wie gezielt eingesetzte Griffpositionen der Instrumentalisten in der unteren oder der oberen Hälfte der Saiten, die die Diametralität der semantischen Grundidee zusätzlich visualisieren, eine spezifische Linienführung, motivisch eingesetzte Symbolik und eine detaillierte Zuordnung von außermusikalischem Gehalt zu musikalischen Parametern wie Artikulation, Dynamik und Intervalle in den einzelnen Sätzen sind weitere Instrumentarien, derer sich Sofia Gubaidulina zur Umsetzung ihrer inhaltlichen Konzeption bedient. Durch die Auswertung und Analyse der Skizzen und beider Fassungen der Sonate Freue dich! wurden Einsichten in den Kompositionsprozess Sofia Gubaidulinas gewonnen, die einen Zugang zum Verständnis ihres weiteren Schaffens ermöglichen, da viele der in dieser Arbeit aufgezeigten Kompositionsmittel mit ihren entsprechenden semantischen Bedeutungen auch in späteren Werken wiederzufinden sind und als wichtige Bausteine ihrer musikalischen Sprache ausgewiesen werden konnten.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Sofia Gubaidulina Semantik Analyse Freue dich!
Autor*innen
Katharina Hötzenecker
Haupttitel (Deutsch)
Das semantische Kompositionskonzept Sofia Gubaidulinas Sonate "Freue dich!"
Hauptuntertitel (Deutsch)
unter besonderer Berücksichtigung der Skizzen und der unveröffentlichten Erstfassung
Publikationsjahr
2010
Umfangsangabe
141 S. : graph. Darst., Notenbeisp.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Manfred Angerer
Klassifikation
24 Theater, Film, Musik > 24.50 Historische Musikwissenschaft
AC Nummer
AC08103456
Utheses ID
8586
Studienkennzahl
UA | 316 | | |
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